Bayerischer Landtag

Wissenschaftsausschuss behält KU Eichstätt im Blick

Mittwoch, 4. März 2015
– Von Eva Spessa –

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) ist seit längerem ein Sorgenkind des Ausschusses: Mit Defiziten bei der Kommunikation mit dem Landtag sowie mit sechs Präsidenten in der Leitung stand die KU immer wieder auf der Agenda der Abgeordneten. Nun informierte Prof. Dr. Gabriele Gien, seit Oktober 2014 Interimspräsidentin der KU, erstmals im Ausschuss über ihre Arbeit und die Entwicklungsperspektiven der KU. Mitgebracht hatte sie ihr gesamtes Präsidium: die Vizepräsidenten Prof. Dr. Rudolf Fisch, Prof. Dr. Markus Eham und Prof. Dr. Gernot M. Müller sowie Kanzler Thomas Kleinert – „zum Kennenlernen“, wie sie betonte. Ebenfalls dabei war der Augsburger Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger.

In vielen Punkten stehe die KU nicht schlecht da, erklärte die Präsidentin: Die Studentenzahlen seien mit rund 5400 auf dem höchsten Stand seit Gründung der KU, und auch die Zufriedenheit der Studenten sei vergleichsweise hoch. Für die Forschung habe man bereits effektive Instrumente an die Hand bekommen, wie etwa eine Form der Anschubfinanzierung. Weil sie nicht Teil des Hochschulpakts sei, habe die KU Nachteile bei der Finanzierung insgesamt und die Grundfinanzierung sei anders als bei anderen Hochschulen in Deutschland gesunken.
Wichtige Themen aus dem noch unter ihrem Vorgänger erarbeiteten Entwicklungsplan seien unter anderem die Fakultätskonsolidierung, die Internationalisierung und vordringlich die Bearbeitung der vorliegenden Forschungsanträge. Für die Trägerkommunikation, bisher stark kritisiert, habe man eine Arbeitsgruppe gegründet und sei auf einem guten Weg. Im Hinblick auf die Wahlen des nächsten Präsidenten der KU kündigte sie eine gründliche Vorbereitung und eine Professionalisierung der Gremienkultur an.

Entscheidend: die Finanzierung

Es sei deutlich geworden, dass die KU auf einem guten Weg sei, stellte der Ausschussvorsitzende Prof. Dr. Michael Piazolo (FREIE WÄHLER) fest. Eine Kürzung der Mittel durch die Bischofskonferenz, die gerüchteweise im Raum stehe, wäre allerdings schwer zu verkraften – gäbe es hier schon Neuigkeiten? Außerdem fragte er nach dem katholischen Selbstverständnis der Universität und nach einer Einschätzung der Gesamtsituation durch Weihbischof Losinger.

Auch Isabell Zacharias (SPD) zeigte sich grundsätzlich froh über die wieder in Gang gekommene Kommunikation: „Noch vor einem halben Jahr sah es da trüb aus.“ Sie bat jedoch um eine ausführlichere Darstellung der Finanzierung, denn „damit steht und fällt die Qualität der Lehre und Forschung.“ Der verstärkte Rückgriff auf Drittmittel weise auf einen Rückzug von Staat und Kirche hin, und das sei keineswegs positiv zu werten. Die Bischofskonferenz, so bemängelte sie, ließ nach wie vor ein klares Bekenntnis zur KU vermissen.

Man habe den Entwicklungsplan der KU ja schon früher hinterfragt, so Verena Osgyan (Bündnis 90/Die Grünen), und dieselben Fragen stellten sich auch jetzt – unter anderem zum Beispiel nach den Mitteln für Forschung und Lehre. Sie sehe hier die Kirche in der Pflicht: „Gibt es schon Rauchzeichen aus der Bischofskonferenz?“ Darüber hinaus erkundigte sie sich nach der grundsätzlichen Ausrichtung der KU: Wolle sie eine forschungsstarke Hochschule sein, oder eine katholische Lehranstalt?

Bischöfliches Bekenntnis zur KU

Die Bischofskonferenz habe ihn als hauptamtlichen Vorsitzenden des Stiftungsrats benannt, berichtete Weihbischof Losinger. Dies sei als klares Bekenntnis zur KU zu werten. Dabei sei dem Gremium bewusst, dass ein solches Bekenntnis auch das finanzielle Einstehen dafür erfordert: Man brauche eine Grundfinanzierung durch die Kirche und den Freistaat. Das ‚katholisch’ im Namen der Universität stehe vor allem für ein Menschenbild, so erklärte er, wie es auch in den Menschenrechten und im Artikel 1 des Grundgesetzes gezeichnet sei. Die Grundwerte seien wichtig für den Diskurs, bestätigte Gien und distanzierte sich vom Begriff der katholischen Lehranstalt.

Die Forschung an der KU entwickle sich gut, so Vizepräsident Fisch. Ein Finanzierungsschub um 2008/9 habe viel bewirkt, doch es brauche rund zehn Jahre, eine starke Forschungskultur aufzubauen. Die moralische Unterstützung durch das Interesse des Landtags sei dabei in jedem Fall hilfreich.



 

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