Bayerischer Landtag

Wissenschaftsausschuss: Bericht zum NS-Dokumentationszentrum Obersalzberg

Mittwoch, 9. März 2016
– Von Zoran Gojic –

Einig ist man sich über alle Fraktionen hinweg: Das NS-Dokumentationszentrum auf dem Obersalzberg ist eine Erfolgsgeschichte und muss mit Blick auf die stetig steigenden Besucherzahlen erweitert werden. Gesprächsbedarf freilich sehen alle Fraktionen allerdings auch bei der Finanzierung. Von den ursprünglich angesetzten rund 14 Millionen Euro für Erweiterung und technische Überholung sind die erwarteten Kosten auf 21,6 Millionen Euro gestiegen, weshalb der Haushaltsausschuss die Mittel zunächst nicht freigab.

Im Mittelpunkt der Kontroverse steht die Einbindung eines Bunkerteils in das Ausstellungskonzept. Der fachlich zuständige Wissenschaftsausschuss ließ sich deswegen von Dr. Axel Drecoll, dem Leiter der Dokumentationsstätte, über die Gründe der Kostensteigerungen und mögliche Alternativen zum geplanten Konzept informieren. Ausschussvorsitzender Prof. Michael Piazolo (FREIE WÄHLER) betonte, man wolle die Debatte auf keinen Fall auf Geld reduzieren. Deswegen wäre es auch wünschenswert gewesen, den fachlich zuständigen Ausschuss frühzeitiger in die Beratungen einzubeziehen, um eine sachlich qualifizierte Diskussion zu ermöglichen.

Kostenanstieg von 14 Millionen Euro auf über 21 Millionen Euro

Drecoll wies in seinem Bericht zunächst darauf hin, dass ein Ausbau des Dokumentationszentrums unausweichlich sei: „Der Ort hat eine hohe Anziehungskraft. Vorausgesagt waren 35.000 Besucher pro Jahr, mittlerweile sind wir bei über 170.000.“ Das Dokumentationszentrum Obersalzberg sei ideal dafür geeignet, die Gleichzeitigkeit von Alltag und Verbrechen im NS-Regime aufzuzeigen. Gerade der geplante Bunker-Rundgang würde den Größenwahn offenbaren und gleichzeitig die Schaffung eines Mythos rund um die Bunkeranlagen verhindern, wenn noch mehr Besucher Zugang hätten. „Ein Bunker der Nazis sieht genauso aus wie jeder andere Bunker auch.“ Sollte man trotz steigender Besucherzahlen den Zugang zum Bunker nicht in das Gesamtkonzept der Erweiterung miteinbeziehen, könne man die Besucher nur noch in beschränkter Zahl einlassen, was gerade die Mystifizierung bestärken könnte. Das dürfe auf gar keinen Fall geschehen. Die Einbindung des Bunkers sei „zwingend nötig“.

Zweifel am Mehrwert bei den Abgeordneten

Isabell Zacharias (SPD) zeigte sich aufgeschlossen, gerade in Zeiten des Erstarkens rechter Kräfte müsse es dem Land wert sein, in Erinnerungsarbeit zu investieren. Dennoch empfinde sie den Kostenzuwachs als zu hoch. Sepp Dürr (Bündnis 90/Die Grünen) gab zu bedenken, dass der Finanzbedarf aufgrund steigender Besucherzahlen in Zukunft ohnehin immer höher werden wird. Deswegen sei es unglücklich, dass aufgrund schlechten Managements die Debatte um Mehrkosten befördert wird. Oliver Jörg (CSU) zeigte sich skeptisch, ob der Nutzen des Bunker-Rundgangs tatsächlich die signifikant höheren Kosten rechtfertige.

„Bunker-Rundgang zwingend nötig für das Gesamtkonzept“

Helmut Bäumler von der zuständigen Obersten Baubehörde verwies darauf, dass der Wettbewerb und die Kalkulation gar nicht anders hatten verlaufen können. Das liege in der Natur der Sache: „Wenn man einen Wettbewerb um die beste Idee betreibt, weiß man vorher nicht was herauskommt. Deswegen macht man es ja.“ Nachdem die Jury einstimmig die Idee eines integrierten Bunker-Rundgangs – der zuvor nie im Spiel war – ausgezeichnet hat, erklären sich die höheren Folgekosten. Durch das neue Konzept müsse auch der Brandschutz neu bewertet werden. „Und barrierefrei muss es auch sein“, erinnerte Bäumler. Drecoll warb eindringlich darum, das Gesamtkonzept nicht am Geld scheitern zu lassen. Der Bedarf an Erinnerungsorten sei da, es sei eine Investition in die Zukunft. „Es gibt rund 1300 Museen in Bayern. Aber die NS-Dokumentationszentren in München, Nürnberg und auf dem Obersalzberg sowie die Gedenkstätte sind jeweils unter den 20 erfolgreichsten Museen des Freistaats vertreten. Dafür muss es ja einen Grund geben.“

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