Bayerischer Landtag

Wissenschaftsausschuss: Bericht zum Konzept des geplanten Museums für Bayerische Geschichte in Regensburg

Baustelle in Regensburg: 2018 soll das Museum der Bayerischen Geschichte öffnen. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Mittwoch, 26. April 2017
– Von Miriam Zerbel –

Ein Museum zur jüngsten Vergangenheit Bayerns soll in der Donaumetropole entstehen und damit zum 100. Geburtstag des Freistaates eine Lücke in der musealen Landschaft schließen. Dafür werden mehr als 3500 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen, um in Dauer- und Sonderausstellungen sowie Begleitveranstaltungen den Besuchern Bayern vom 19. bis zum 21. Jahrhundert näher zu bringen.

Auf Antrag mehrerer SPD-Abgeordneter erklärte der für inhaltliche Fragen zuständige Chef des Hauses der Bayerischen Geschichte, Dr. Richard Loibl zunächst, wie weit das Projekt gediehen ist und wie das Konzept für das Museum konkret aussieht.

Vor knapp zwei Jahren wurde der Grundstein des Hauses gelegt. Mittlerweile ist die Fassade des rund 67 Millionen Euro teuren Baus am Donaumarkt aufgesetzt, der in Sichtweite des Regensburger Doms entsteht. Das Gebäude gliedert sich in drei Teile: einen Ausstellungsbereich und die Bavariathek als neues Element der Museumspädagogik sowie einen Bereich für das Depot. Einen konkreten Eröffnungstermin wollte Loibl nicht nennen, allerdings sprach er zumindest vom Jahr 2018. Die flexible Nutzung der Räumlichkeiten und das Niedrigenergiemodell garantierten geringe Betriebskosten, versicherte Loibl als Direktor des Hauses.

Museum für alle Regionen und Stämme Bayerns

Wiederholt betonte Loibl, es gehe ihm um einen ganzheitlichen Ansatz der Präsentation, ein Museum für den gesamten Freistaat, das alle Regionen und Stämme einbezieht: „Die Leute sollen sich hier wiederfinden und sich emotional angesprochen fühlen“, erklärte Loibl. Konkurrenz zu anderen Museen solle nicht entstehen, vielmehr versicherte der Historiker die Kooperation zu suchen.

Während im Foyer des Hauses in Regensburg, laut Planung, zunächst die Vorgeschichte thematisiert wird, startet der erste Stock mit der Zeit Bayerns im Napoleon-Reich. Vom Königreich zum Weg in die Demokratie über den Ersten Weltkrieg und den Freistaat soll auch die Zeit des Nationalsozialismus in Bayern ein wichtiger Part werden. Ebenso werden Wiederaufbau und Wirtschaftswunder thematisiert. Besonders stolz ist Loibl auf die Inszenierung des Landtags aus der Nachkriegszeit mit originalen Teilen seiner Einrichtung, in die Schülergruppen aktiv einbezogen werden können. Als weitere große Inszenierung ist das typisch Bayerische am Widerstand gegen die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf mit Original-Transparenten und dem berühmten Brett vor dem Kopf geplant.

Viele Exponate kommen in Form von Alltagsgegenständen und Erinnerungsstücken auch aus der Bevölkerung, wie beispielsweise eine durchschossene Pickelhaube aus dem Ersten Weltkrieg, dessen Träger den Durchschuss überlebte. Selbst der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel hat Loibl zufolge versprochen, den Füller zur Verfügung zu stellen, mit dem er den Maastricht-Vertrag zur Einführung des Euro unterschrieben hat.  

„Wir nageln kein Handbuch an die Wand. Wir inszenieren“

Dass Geschichte nicht nur erzählt, sondern mit modernen Medien auch erlebbar gemacht wird, ist Loibl besonders wichtig: „Wir nageln kein Handbuch an die Wand“, sagte er, „wir inszenieren“. Die Themen würden auf 40 „Bühnen“ im Museum präsentiert. Die Voraussetzung sei jedoch: „Es muss wahr sein und es muss beeindrucken.“

Eine zentrale Rolle im didaktischen Konzept spielt dem Museumsdirektor zufolge der Media-Guide. Mit seiner Hilfe soll es dem Besucher nicht nur möglich sein, Audio-Sequenzen anzuhören, sondern auch Filme anzuschauen und inhaltlich weiter in die Tiefe zu gehen, jeweils didaktisch angepasst an bestimmte Altersgruppen.

Die Bavariathek versteht sich als digitale Erweiterung des Museums und soll die Themen der Dauerausstellung im virtuellen Raum erfahrbar machen. Enthalten sind ein Medienarchiv, in dem die historischen Bestände digitalisiert sind, ein Online-Angebot mit interaktiven Anwendungen vor allem für Schülergruppen sowie ein Programm-Angebot für interaktives Lernen.

Neben Zustimmung und Lob für das vorgestellte Konzept gab es im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst auch kritische Anmerkungen. Während einige Parlamentarier das Thema Inklusion bewegte, fragten die Abgeordneten mehrerer Fraktionen, wie das Thema Religion aufgegriffen werden soll.

Anregungen für den Museumsplaner Loibl, der allerdings in seinen Antworten deutlich machte, dass es zwar beispielsweise einen Kulturraum zu Religionen geben wird, aber eine erschöpfende, vollständige Behandlung eines solchen Themas damit nicht möglich sei. „Wenn Sie das erwarten, werde ich Sie enttäuschen müssen“, sagte Loibl den Ausschussmitgliedern.

Seitenanfang