Bayerischer Landtag

Wissenschaftsausschuss: Informationsgespräch zur neuen Universität Nürnberg

Informationsgespräch mit (v.re.): Dr. Ulrich Maly (ganz rechts), Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann, Prof. Dr. Michael Piazolo, Oliver Jörg, Prof. Dr. Joachim Hornegger, Prof. Dr. Michael Braun und Dr. Michael Mihatsch | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Mittwoch, 20.09.2018
– Von David Lohmann –

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts fordern Nürnberger Politiker eine eigene Universität. Jetzt ist es bald soweit: 2025 soll die Technische Universität Nürnberg (TUN) ihren Betrieb aufnehmen. Was das Besondere an dem neuen Campus ist und wie die Zusammenarbeit mit den anderen Hochschulen in der Region funktionieren soll – das berichteten Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly und drei Hochschulpräsidenten dem Wissenschaftsausschuss.

Immer wieder werden im Wissenschaftsausschuss Vergleiche mit dem amerikanischen Massachusetts Institute of Technology oder der Stanford University gezogen. Wie dort soll in der Frankenmetropole nicht allein die technische Ausbildung im Mittelpunkt stehen, sondern mit Geistes- und Sozialwissenschaften verknüpft werden. „Das gibt es bisher an keiner anderen deutschen Universität“, sagte im Wissenschaftsausschuss Münchens TU-Präsident Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann, der die 16-köpfige Expertenkommission für die Neugründung leitet.

Die TUN soll laut Herrmann eine autofreie Campus-Universität werden. Auf 40 Hektar sollen bis im Jahr 2030 bis zu 6000 junge Menschen aus aller Welt studieren, wohnen und leben. Da Fakultäten „häufig in Schubladen denken“, sind an der TUN interdisziplinäre „Schools“ geplant: Mechatronic Engineering, Quantum Engineering, Biological Engineering, Computer Science and Engineering, Humanities and Social Sciences und Natural Sciences and Mathematics. „Alle sind in einer Matrixstruktur miteinander vernetzt“, erklärte Herrmann. Zusätzlich soll die TUN mit anderen Hochschulen und Forschungseinrichtungen vernetzt werden.

Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly (SPD) nannte die Schwerpunktsetzung eine „wahnsinnige Chance“ für die Frankenmetropole. Auch der Standort des Campus‘ sei wegen der Nähe zu Stadt, Natur und Messen ideal. Bisher gibt es zwar noch keine Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die U-Bahn-Strecke unter dem Areal will der Oberbürgermeister aber „an die Oberfläche holen“. Zusätzlich ist ein Tram-Anschluss geplant. Außerdem sollen auf dem Gelände Kinderkrippen, Kindergärten und eine Grundschule entstehen.

Trotz der neuen Konkurrenzsituation zeigte sich der Präsident der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg, Prof. Dr. Joachim Hornegger, im Ausschuss gelassen: „Wir fühlen uns von der Neugründung nicht bedroht“, betonte er. Die FAU mit ihren 40.000 Studierenden konkurriere mit Universitäten in ganz Deutschland und auf der ganzen Welt. Da sei es egal, ob die Konkurrenz weit weg oder gleich nebenan sei. Wichtig war Hornegger aber, dass die FAU aufgrund der TUN künftig nicht weniger Geld bekommt.

Auch der Präsident der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, Prof. Dr. Michael Braun, versicherte, nichts gegen Bildungsinvestitionen im Großraum Nürnberg zu haben. Von Konkurrenz wollte er ebenfalls nicht sprechen, weil alle Hochschulen um unterschiedliche studentische Zielgruppen kämpften. Braun hätte sich von Herrmann allerdings eine stärkere Fokussierung auf die „Mission“ der neuen Universität gewünscht, da die geplanten Studienfächer in fünf Jahren schon wieder überholt sein könnten.

In der anschließenden Aussprache lobte Ausschussvize Oliver Jörg (CSU) die inhaltliche Schwerpunktsetzung der Kommission und die Infrastrukturplanung der Stadt Nürnberg. Über weitere Details müsse in der nächsten Legislaturperiode gesprochen werden. Von einer „Chance für die Region und ganz Bayern“ sprach auch Helga Schmitt-Bussinger (SPD). Einziger Wermutstropfen sei, dass die Umlagehallen auf dem Campus abgerissen wurden. Prof. Dr. Peter Bauer (FREIE WÄHLER) zeigte sich beeindruckt von der „Konkurrenz und Kooperation“ zwischen den Nürnberger Hochschulen. Er forderte aber, auch andere Hochschulstandorte in Westmittelfranken einzubeziehen. Verena Osgyan (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) verstand nicht, warum für die TUN amerikanische Strukturen kopiert werden. Außerdem seien die Finanzierungszusagen für die Nürnberger Hochschulen bisher lediglich Absichtserklärungen.

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