Bayerischer Landtag

Wissenschaftsausschuss: Staatsminister Spaenle stellt neuen „Dr. FH“ vor

Mittwoch, 24. Juni 2015
– Von Jan Dermietzel –

Unter Moderation des Bayerischen Wissenschaftsministeriums haben Bayerns Universitäten mit den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften vereinbart, Doktoranden künftig unter dem gemeinsamen Dach des Bayerischen Wissenschaftsforums (BayWISS) gemeinsam zu betreuen. Die Promotionsurkunde wird keinen Unterschied mehr machen, ob der neue Titelträger von einer Universität oder einer Hochschule stammt. Bayerns Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle (CSU) hat das neue Modell jetzt gemeinsam mit Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel von Universität Bayern e.V. und Prof. Dr. Walter Schober von Hochschule Bayern e.V. dem Ausschusses für Wissenschaft und Kunst vorgestellt.

Die beiden Hochschularten ständen bei der Verbundpromotion „nicht in Konkurrenz zueinander, sondern sie arbeiten bei der Förderung von Nachwuchswissenschaftlern gleichberechtigt zusammen“, so Spaenle. Das BayWISS garantiere „die Durchlässigkeit wissenschaftlicher Karrierewege in einer ganz neuen Form“. Sie sei strukturell abgesichert, barrierefrei, paritätisch und greife für das gesamte Fächerspektrum der angewandten Wissenschaften. „Dies ermöglicht ein Miteinander auf Augenhöhe und stellt gleiche wissenschaftliche Standards für alle Promotionen sicher“, so Spaenle.

Fraktionsübergreifend begrüßten die Abgeordneten das neue Übereinkommen. Isabell Zacharias (SPD) sagte, der Bologna-Prozess führe dazu, dass sich Universitäten und Hochschulen einander angenähert hätten. Es sei gut, dass diese Annäherung jetzt auch im BayWISS zum Ausdruck komme. Es werde dennoch der Tag kommen, an dem Hochschulen für Angewandte Wissenschaften ein eigenes Promotionsrecht erhielten. Zuvor hatte Doering-Manteuffel klargestellt, dass trotz der Verbundpromotion das Promotionsrecht bei den Universitäten liege und nicht bei den Hochschulen. Vize-Ausschussvorsitzender Oliver Jörg (CSU) entgegnete, der eigene bayerische Weg des BayWISS sei „durch die institutionalisierte Zusammenarbeit viel zukunftsweisender“ als den Hochschulen einfach ein Promotionsrecht zuzugestehen.

Ausschussvorsitzender Prof. Dr. Michael Piazolo (FREIE WÄHLER) lobte, dass die Vereinbarung zwischen Universität und Hochschule freiwillig zustande gekommen sei und nicht von der Staatsregierung vorgegeben wurde. Die Regelung müsse jedoch „mit Personal und Finanzen unterfüttert werden. Die Hochschulen erwarten hier zu Recht erhebliche finanzielle und personelle Anreize.“ Piazolo bat den Minister, bald offenzulegen, wie das BayWISS und seine Auswirkungen auf die Hochschullandschaft finanziert werden solle. Verena Osgyan (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte, das BayWISS sei „ein wichtiger Schritt, mehr Studierenden an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften den Zugang zur Promotion zu ermöglichen“. Auch sie ging indes davon aus, dass Hochschulen irgendwann ein eigenes Promotionsrecht erhalten: „Das ist zum Beispiel auch in den USA vollkommen selbstverständlich.“

Doering-Manteuffel wies die Abgeordneten darauf hin, dass die Verbundpromotion den Studierenden mit entsprechender Qualifikation flächen- und fächerabdeckend ab dem 1. Januar 2016 offenstehe. Es werde keine Unterschiede geben in der Gleichberechtigung des Zugangs. Dafür sorge ein Lenkungsausschuss, der paritätisch mit je drei Vertretern pro Seite besetzt sei. Schober erzählte, die Verhandlungspartner hätten diese Einigung in insgesamt sechs Treffen erzielt. Sie beschleunige im übrigen die Suche nach einem Doktorvater. Die vereinbarten 14 Eckpunkte seien so gut verhandelt worden, dass man bereits im Herbst einen unterschriftsreifen Vertrag vorlegen könne.

Im Anschluss brachte Spaenle die Abgeordneten als Kunstminister auf den neuesten Stand zur Suche nach einem geeigneten Ort für einen neuen Konzertsaal in München. Gemeinsame Arbeitsgruppen der Staatsregierung und der Landeshauptstadt München untersuchten derzeit vor allem die möglichen Standorte im Olympiapark, auf dem früheren Postgelände an der Arnulfstraße und im Kunstpark Ost. Mitte Juli wolle er sich wieder mit Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zusammensetzen und die Ergebnisse diskutieren. Einig waren sich die Abgeordneten, dass die Staatsregierung, wenn sie in ein solches Projekt in dreistelliger Millionenhöhe investiert, auch in etwa gleicher Höhe die bayerische Kulturlandschaft außerhalb Münchens pflegen sollte – zusätzlich zu den laufenden Ausgaben.

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