Bayerischer Landtag

25.11.2008 - Akademiegespräch: Richard Hilmer "Zeitenwende? Eine Analyse der Landtagswahl"

Wahlforscher Richard Hilmer analysierte im Maximilianeum beim "Akademiegespräch" der Politischen Akademie Tutzing das Ergebnis der Landtagswahl vom 28. September 2008

Nach den Verlusten von über 17 Prozent bei den bayerischen Landtagswahlen hat die CSU ungelöste Probleme: ein Frauenproblem, ein Jugendproblem, ein Modernisierungsproblem. So sah es jedenfalls der Wahlforscher Richard Hilmer von infratest dimap bei seinem Vortrag am 25. November 2008 im Rahmen des Akademiegesprächs der Tutzinger Akademie für Politische Bildung im Bayerischen Landtag.

Die Verluste der CSU, so Hillmer, wären in allen sieben Regierungsbezirken und in allen sozialen Schichten Bayerns zu verzeichnen gewesen. Bei den Landwirten seien die Verluste mit 39 Prozent am größten ausgefallen – wovon vor allem die Freien Wähler profitiert hätten. Überdurchschnittlich erfolgreich sei die CSU bei den über 60-Jährigen (56 Prozent) gewesen, während alle jüngeren Gruppen sich nur noch zwischen 35 und 39 Prozent bei der Regierungspartei wiedergefunden hätten. Ältere Frauen gehörten nach wie vor zur Kernwählerschaft der CSU, während jüngere Frauen mit überdurchschnittlicher Bildung im großstädtischen Milieu sich massiv von der CSU abgewendet hätten.

Laut Hilmer beurteilten Frauen besonders kritisch die Themenfelder Familie und Bildung. Bildungspolitik sei mit Abstand das wichtigste Thema gewesen: „ Die Unzufriedenheit mit der Bildungspolitik – getragen von Eltern, Schülern und Lehrern – erwies sich als die Achillesferse der CSU. Trotz der PISA-Erfolge Bayerns registrieren wir hier für die CSU einen großen Vertrauensverlust“, sagte Hilmer.

Drei dominante Ströme der Wählerwanderung – weg von der CSU – erkennt der Wahlforscher: 190.000 zu den Freien Wählern, 180.000 zur FDP und 130.000 zu den Nichtwählern.

Auf die Frage, warum die SPD nicht von der Schwäche der CSU habe profitieren können, meinte Hilmer, die Kompetenzzuschreibung der SPD bei „Wirtschaft und Arbeit“ sei schlecht; nicht einmal die eigenen Anhänger trauten der SPD auf diesem Feld viel zu. Und obwohl SPD-Spitzenmann Franz Maget in den letzten Wochen vor der Wahl deutlich zugelegt habe, sei er doch weit hinter den Sympathiewerten des damaligen Amtsinhabers Günther Beckstein zurückgeblieben. Die von der SPD favorisierte „Vierer-Koalition“ gegen die CSU sei nur bei einem Fünftel der Wähler auf Wohlwollen gestoßen. Und auch die Führungsquerelen der SPD auf Bundesebene sowie ihr Richtungsstreit über den Umgang mit der Linkspartei wären negativ auf das Ergebnis der bayerischen Genossen durchgeschlagen.

Michael Schröder, Akademie für Politische Bildung Tutzing

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