Bayerischer Landtag

Ausstellung „Frau Abgeordnete, Sie haben das Wort!“ – Frauen gestalten Politik in Bayern 1946 - 2016

| © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Über die Fraktionen hinweg Begeisterung über die Ausstellung. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Landtagspräsidentin Barbara Stamm mit Moderator Tilmann Schöberl. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Dienstag, 7. November 2017
– Von Miriam Zerbel –

Diesmal stehen ausschließlich Frauen im Mittelpunkt. Der Landtag würdigt in einer Ausstellung Parlamentarierinnen, die zwischen 1946 und 2016 Politik in Bayern gestaltet haben. Dabei geht es um die Rolle und das Selbstverständnis der Mandatsträgerinnen genauso wie um Hindernisse sowie Barrieren und auch darum, wie künftig die aktive politische Teilhabe von Frauen gefördert werden kann.

Sie waren eindeutig in der Mehrheit. Die Eröffnung der Ausstellung „Frau Abgeordnete, Sie haben das Wort! – Frauen gestalten Politik in Bayern 1946-2016“ im Senatssaal des Landtags besuchten neben vielen Parlamentarierinnen auch zahlreiche weitere Frauen, denen politische Teilhabe wichtig ist. Dass die Männer in der Unterzahl sind, wenn es um Politik geht, ist eine eher seltene Situation.  

Mehr Frauen in die Parlamente

Dass es als Frau häufig einen langen Atmen in dieser Männerdomäne braucht, davon berichtete Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Mittlerweile seien Frauen in hohen und höchsten Ämtern präsent, lobte Stamm, betonte aber auch: „Das haben wir uns hart erarbeiten müssen. Und es ist noch Luft nach oben.“ Denn obwohl mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland weiblich ist, sitzen im neuen Bundestag lediglich knapp 31 Prozent, im Bayerischen Landtag 28 Prozent Parlamentarierinnen.

In der Ausstellung sieht die Landtagspräsidentin einen Ansporn, neu nachzudenken und nicht nachzulassen in dem Bemühen, die Repräsentanz von Frauen in den Parlamenten zu stärken, auch in Führungspositionen. „Wir müssen uns einmischen in die Gestaltung der Zukunft“, lautete der Appell der Landtagspräsidentin.

Konzipiert hat die Ausstellung, die im kommenden Jahr als Wanderausstellung durch Bayern reisen soll, eine Frau: Professorin Daniela Neri-Ultsch von der Universität Regensburg. Anlass waren der 70. Jahrestag der Bayerischen Verfassung und die Konstituierung des ersten Nachkriegsparlaments im Dezember 2016. Insgesamt 178 Mandatsträgerinnen haben in den vergangenen 70 Jahren im Landtag die Geschichte der parlamentarischen Demokratie entscheidend mit geprägt. Woher kamen diese Frauen? Aus welchem gesellschaftlichen Umfeld, mit welchen Kompetenzen engagierten sie sich für welche Themen? Diesen Fragen gehen ein umfangreicher Katalog und die Ausstellung auf den Grund. Auf beleuchteten Stelen, die im Kreuzgang des Maximilaneums stehen, werden Stellung und Rolle der Parlamentarierinnen ebenso thematisiert wie ihr politisches Selbstverständnis. Interaktive Monitore präsentieren zahlreiche Biografien und beleuchten den individuellen Lebensweg starker Frauen. Darin wird deutlich: Kaum einer war ihr Engagement im Landtag in die Wiege gelegt.

Barbara Stamm erinnerte sich gemeinsam mit ehemaligen Weggefärtinnen an schwierigere Zeiten. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Großes Interesse an der Ausstellung. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Professor Daniela Neri-Ultsch von der Uni Regensburg führte in die Ausstellung ein. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Theresa Schopper im Gespräch mit Ulrike Müller und Simone Strohmayr. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Für die Musik sorgte der Chor Harmunichs. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die frauenpolitischen Sprecherinnen der Fraktionen diskutierten über die Perspektiven für Frauen in der Politik. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Langer Atem nötig

Mit ihrer Arbeit trugen die Parlamentarierinnen zur Verwirklichung der Demokratie in Bayern bei. Dass ihr Wirken bisweilen auf männlichen Widerstand traf und trifft sowie besagten langen Atem erfordert, kommt immer wieder zum Ausdruck. Zum Beispiel, dass Frauen noch immer darum kämpfen müssen, für Ämter und Funktionen aufgestellt zu werden.

In einer Gesprächsrunde erinnerten sich Zeitzeuginnen an ihren Weg in die Politik. Roswitha Riess (CSU), Karin Radermacher (SPD), Theresa Schopper (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Ulrike Müller (FREIE WÄHLER) sowie Landtagspräsidentin Stamm sprachen über Erfahrungen und Visionen. Fraktionsübergreifend lieferten die teils noch aktiven teils ehemaligen Landtagsabgeordneten Beispiele, wie ihre Karriere trotz Barrieren möglich war. Leitmotiv war eine Formulierung der SPD-Politikerin Käte Strobel: „Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen könnte.“

In einer weiteren Diskussionsrunde mit den frauenpolitischen Sprecherinnen aller Fraktionen im Landtag wurde deutlich, dass sich die Wahrnehmung in der Gesellschaft verändert hat. Knapp 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland seien Frauen in der Politik zwar selbstverständlich, nicht aber paritätisch beteiligt an der politischen Vertretung.

Roswitha Riess im Gespräch mit Kerstin Schreyer. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die Teilnehmerinnen der Auftaktveranstaltung im Senatssaal. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Barbara Stamm mit Theresa Schopper und Ulrike Müller. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Die Ausstellung ist vom 08. November 2017 bis 09. Februar 2018 jeweils Montag bis Donnerstag von 09.00 bis 16.00 Uhr und Freitag von 09.00 bis 13.00 Uhr zu besichtigen.

Gruppen werden gebeten, sich vorher anzumelden oeffentlichkeitsarbeit(at)bayern.landtag.de

Der Eintritt ist frei. 

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