Bayerischer Landtag

08.10. - 30.10.2009 - Ausstellung "Goldener Löwe und weißblaue Rauten" - 60 Jahre Landesverband der Pfälzer in Bayern

1949 - vor 60 Jahren - gründete sich im Maximilianeum der Landesverband der Pfälzer. Anlässlich seines Gründungsjubiläums hat der Verband in Kooperation mit dem Bund der Pfalzfreunde und dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv eine Ausstellung zusammengestellt, in welcher die gemeinsame Geschichte anschaulich dokumentiert ist.

„Goldener Löwe und weißblaue Rauten“ - so heißt die Jubiläumsausstellung des Landesverbandes der Pfälzer in Bayern, die bis 30. Oktober im Bayerischen Landtag, Foyer Nord, zu sehen ist.

Anschließend wandert die Ausstellung in die Pfalz und wird vom 9. November bis 23. Dezember im Landesarchiv Speyer gezeigt.

Die Ausstellung gibt Einblick in die historischen Verbindungen zwischen Bayern und der Pfalz seit 1214. Thematische Schwerpunkte bilden außerdem die Darstellung der Aktivitäten der Verbände, der Bayerischen Staatsregierung und des Bayerischen Landtags von 1949 bis 1956. Ausstellungstafeln und Originalexponate veranschaulichen die gemeinsame Geschichte.

Geöffnet ist sie montags bis donnerstags jeweils von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.

„60 Jahre Landesverband der Pfälzer in Bayern – das ist ein Ereignis, das gefeiert werden muss“, betonte Landtagspräsidentin Barbara Stamm am 7. Oktober bei der Vernissage der Ausstellung „Goldener Löwe und weißblaue Rauten“. Dass die Eröffnung der Jubiläumsausstellung in den Räumen des Bayerischen Landtags stattfinde, sei historisch begründet, schließlich sei der Landesverband der Pfälzer in Bayern hier im Maximilianeum ins Leben gerufen worden. Traditionsgemäß nehme der Bayerische Landtagspräsident den Vorsitz des Bundes der Pfalzfreunde in Bayern wahr – „eine Rolle, die ich sehr gerne ausübe“, unterstrich die Landtagspräsidentin.

Nach Aussage von Dr. Margit Ksoll-Marcon, Generaldirektorin der Staatlichen Archive Bayerns, gebührt dem Verband das große Verdienst, die Verbindung zwischen Bayern und der Pfalz wach zu halten. Ihre Institution hatte eigens für die Ausstellungseröffnung den Original-Hausvertrag von Pavia mit ins Maximilianeum gebracht – eine Urkunde aus dem Jahre 1329, in dem die Teilung des Territorialherzogtums Bayern und die Erbfolge von Bayern und der Pfalz niedergelegt sind. Beide Linien sollten sich, so steht es auf der Pergamentrolle geschrieben, gegenseitig beerben.

Dr. Hans von Malottki, 1. Vorsitzender des Landesverbandes der Pfälzer in Bayern, stellte sich der Aufgabe, die fast 800 Jahre währenden Beziehungen von Bayern und der Pfalz in einem kompakten Überblick darzustellen. Er dankte allen an der Ausstellung Beteiligten für ihre Unterstützung bei dieser sehenswerten Jubiläumspräsentation. /kh

Informationen und historischer Hintergrund

Landesverband der Pfälzer in Bayern e.V.

"Specialkarte der Bayerischen Rheinpfalz" in den Grenzen von 1816 | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Historischer Rückblick:
700 Jahre Bayern/Wittelsbach und die Pfalz, 1214 bis 1945

Die Beziehungen zwischen der Pfalz und Bayern werden bald 800 Jahre alt. Sie gehen zurück auf den jungen Stauferkönig Friedrich II., der 1214 den Bayernherzog Ludwig I. mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnte. Damit kam der goldene Pfälzer Löwe in das bayerische Wappen, vier Jahrzehnte vor den weißblauen Rauten/Wecken, die das Haus Wittelsbach mit der Erbschaft der Grafen von Bogen übernommen hat.

Bis 1329 wurden Bayern und Pfalz gemeinsam regiert, dann teilte Kaiser Ludwig der Bayer im Hausvertrag von Pavia seine Territorien zwischen den eigenen und den Söhnen seines bereits verstorbenen Bruders Rudolf auf und schuf damit eine bayerische und eine pfälzische Linie des Hauses Wittelsbach. Letztere erhielten die rheinische Pfalzgrafschaft und Gebiete auf dem Nordgau, die spätere Oberpfalz; Ober- und Niederbayern verblieben bei seinen Nachkommen. Die Kurstimme sollten beide Linien abwechselnd führen, sie blieb jedoch bis zum Dreißigjährigen Krieg bei der Pfalz. Mehrmals kämpften beide wittelsbachischen Häuser in gegnerischen Lagern gegeneinander, dennoch blieb der Gesamtzusammenhang des Hauses stets gewahrt: Es wurde die gegenseitige Erbfolge festgelegt und alle regierenden Wittelsbacher Fürsten, selbst die geistlichen und die drei Könige von Schweden nannten sich Pfalzgrafen bei Rhein und Herzöge von Bayern und führten das gemeinsame Löwen- und Rautenwappen.

Landshuter Hochzeit und Landshuter Erbfolgekrieg

Eine schwerwiegende Auseinandersetzung führte zum Landshuter Erbfolgekrieg. Dem in der glanzvollen Landshuter Hochzeit verbundenen Paar Georg dem Reichen und der polnischen Königstochter Jadwiga war kein männlicher Erbe beschieden. Entgegen geltendem Recht setzte Herzog Georg seine Tochter, die mit dem Pfalzgrafen Ruprecht dem Aufrichtigen verheiratet war, zur Erbin ein. In München nahm man das nicht hin und rüstete zum Kampf, ebenso auch die Pfälzer, die den Krieg verloren. Das junge Fürstenpaar starb während der Kämpfe an der Ruhr, Niederbayern fiel an München. Zum Ausgleich wurde für die beiden kleinen Söhne Ottheinrich und Philipp die „Junge Pfalz“ gegründet, mit Neuburg an der Donau als Regierungssitz. Die Linie Pfalz-Neuburg erlangte später durch Heirat die Herzogtümer Jülich und Berg mit Düsseldorf als Hauptstadt.

Eine weitaus gravierendere Auseinandersetzung führte zum Dreißigjährigen Krieg. Kurfürst Friedrich V., der die Führung der protestantischen Union übernommen hatte, ließ sich in Prag zum böhmischen König wählen. Damit forderte er das Habsburger Kaiserhaus heraus und zugleich auch die katholische Liga, die vom Bayernherzog Maximilian I. angeführt wurde.

Friedrich verlor die Schlacht am Weißen Berg bei Prag, verfiel der Reichsacht, wurde abgesetzt, verlor alle Ämter und die Kurwürde und musste ins niederländische Exil gehen. General Tilly eroberte mit den bayerischen Truppen die Obere Pfalz, die wieder an Bayern kam und rekatholisiert wurde. Heidelberg und die Pfalz wurden von den Truppen der Liga verwüstet. Die berühmte Biblioteca Palatina wanderte als Geschenk Maximilians an Papst Gregor XV. nach Rom. Als 1777 in München Kurfürst Maximilian Joseph III. ohne männlichen Erben starb, trat die Bestimmung des Hausvertrags von Pavia in Kraft und der Pfälzer Kurfürst Karl Theodor erhielt zu den sechs Ländern, die er bereits regierte, auch noch Bayern hinzu. Vertragsgemäß verlegte er seine Residenz von Mannheim nach München. Damit waren alle wittelsbachischen Länder bis auf das Herzogtum Zweibrücken wieder beisammen. Sein Nachfolger aus diesem Hause, Maximilian Joseph, wurde erster bayerischer König.

Bild: Hambacher Fest 1832: Zug zum Schloss | Foto: Stadtarchiv Neustadt an der Weinstraße
Hambacher Fest 1832: Zug zum Schloss | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Das Hambacher Fest:
Die erste politische Großdemonstration in Deutschland

Unter ihm kam die linksrheinische Pfalz, die zwanzig Jahre lang zum Napoleonischen Frankreich gehört hatte, zum Königreich Bayern. Damit taten sich die Pfälzer schwer: Bisher hatten sie als freie Bürger in einem großen Staat gelebt, nun wurden sie Untertanen in einem kleinen. Ihre fortschrittlichen Rechte durften sie behalten, aber im Landtag wurden sie ständig benachteiligt und behindert. Als nach 1830 in den deutschen Staaten alle Freiheitsrechte rigide eingeschränkt wurden, erhob sich beim Hambacher Fest, der ersten politischen Großdemonstration in Deutschland, Protest. Gewaltsam ging die Staatsmacht gegen die liberale Bewegung vor. Und als die Pfälzer gar aus Enttäuschung über die Ablehnung der in der Frankfurter Paulskirche beschlossenen Reichsverfassung eine Revolution inszenierten, schlugen preußisches und bayerisches Militär sie blutig nieder. Mit scharf restriktiver, reaktionärer Politik versuchte die Regierung in München in der Pfalz Ruhe und Ordnung zu schaffen. Die Auswanderung stieg daraufhin sprunghaft an.

Die Freiheitskämpfer gingen ins Exil, wurden verurteilt, in Einzelfällen auch zum Tod. Die Pfalz versank in politischer Apathie. Späterhin machten die Pfälzer ihren Frieden mit der Regierung in München und wurden nach der Reichsgründung von 1871 treue Staatsbürger Bayerns. Erfolgreich widmeten sie sich nun wirtschaftlichen Tätigkeiten, zugleich erstarkte der Nationalliberalismus. Besonders geschätzt wurde wegen seiner Volksnähe und Offenheit der tolerante Prinzregent Luitpold.

Nach dem 1. Weltkrieg und dem Ende der Monarchie wurde der Pfälzer Sozialdemokrat Johannes Hoffmann, seit 1908 im bayerischen Parlament, Kultusminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten Eisner, nach dessen Tod selbst Ministerpräsident. In den Wirren der Räterepublik verlegte er die Regierung und den Landtag nach Bamberg, wo unter ihm die Bamberger Verfassung entstand, die erste demokratische Verfassung Bayerns. Gemäß Versailler Vertrag wurde die Pfalz 1918 von den Franzosen besetzt. Sie unterstützten den Separatismus in der Absicht, einen Pufferstaat auf dem linken Rheinufer zu erreichen. Der Plan scheiterte, auch weil Bayern dagegen heftig opponiert hatte. In der NS-Zeit beabsichtigte der pfälzische Gauleiter Bürckel die Pfalz von Bayern zu lösen. Das geschah aber erst nach dem Zusammenbruch, als auf französischen Befehl das Land Rheinland-Pfalz gegründet wurde. Nach 730 Jahren war die zunächst dynastische, dann staatliche Verbindung von Bayern mit der Pfalz beendet. Doch der goldene Löwe im bayerischen Wappen kündet noch immer davon.

Das Ringen um die Pfalz nach 1945

Trotz der gegenläufigen Bestrebungen des pfälzischen Gauleiters Josef Bürckel blieb die Zugehörigkeit der Pfalz zu Bayern bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs de jure bestehen. Durch ein Dekret des französischen Militärgouverneurs Koenig vom 30. August 1946 wurde die Pfalz endgültig aus dem bayerischen Staatsverband herausgelöst und dem neu geschaffenen Land Rheinland-Pfalz angeschlossen. Die bayerische Regierung sah die Pfalz dennoch weiterhin als Bestandteil Bayerns an, musste aber aufgrund des starken Einflusses der amerikanischen Militärregierung ihre Ansichten in dieser Frage in einem moderaten Ton vortragen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl äußerte sich beispielsweise auch in Hilfslieferungen für die Pfalz. Im Zuge der Verhandlungen um die Gründung eines westdeutschen Staates stellte die bayerische Regierung unter Ministerpräsident Ehard zwar den Aufbau eines föderalistischen Gesamtstaates über die eigenen Ansprüche auf die Pfalz, begann aber gleichzeitig den propagandistischen Kampf um das ehemals linksrheinische Bayern. Weithin sichtbares Zeichen hierfür war eine programmatische Rede Ehards vor dem Bayerischen Landtag (30. Juli 1948). Wenig später kam es zur Gründung von Verbänden, die sich die Rückgliederung der Pfalz auf ihre Fahnen schrieben. In Neustadt an der Weinstraße entstand 1950 der „Bund Bayern und Pfalz“, in Bayern gründete sich 1949 der „Landesverband der Pfälzer im rechtsrheinischen Bayern“ - heute „Landesverband der Pfälzer in Bayern e.V.“ - und 1950, ausgehend vom Bayerischen Landtag, der „Bund der Pfalzfreunde e. V.“.

Unterstützt und teilweise getragen wurden die Aktivitäten der Verbände und anderer Befürworter der „Wiedervereinigung“ von der bayerischen Regierung. In den Ministerien und großen Behörden wurden Referenten für pfälzische Angelegenheiten benannt. Ein 1950 gegründeter Ausschuss des Landtags befasste sich ebenfalls mit der Pfälzer Frage und führte mehrere Reisen in die Pfalz durch. Auch der Senat sowie der wittelsbachische Kronprinz Rupprecht reisten mehrfach in die Pfalz. Diese öffentlichkeitswirksamen Bemühungen forderten den Widerstand der rheinland-pfälzischen Regierung unter Ministerpräsident Altmeier geradezu heraus („Notenkrieg“).

Zu den weiteren Instrumenten der bayerischen Propaganda sind z.B. Weinpatenschaften und die Organisation von Ferienaufenthalten pfälzischer Kinder in Bayern zu zählen. Nicht wenige Vertreter der Pfalzverbände standen in der Tradition der Separatistenabwehr der zwanziger Jahre, was auch in der Propaganda der 1950-er Jahre noch zu erkennen ist. Zu den historisch-patriotischen Bezugslinien, die besonders von der älteren (ehemals bayerischen) Beamtenschaft der Pfalz gepflegt wurden, kamen auch handfeste ökonomische Überlegungen hinzu.

Als im Jahr 1955 der Deutschlandvertrag die Souveränität der Bundesrepublik garantierte, fiel die Suspension des Neugliederungsartikels 29 des Grundgesetzes weg. Dieser Artikel sah die Möglichkeit einer Veränderung der Ländergrenzen innerhalb der Bundesrepublik durch Volksbegehren und Volksentscheide vor. Zu Beginn des Jahres 1956 stellte der „Bund Bayern und Pfalz“ beim Bundesinnenministerium einen Antrag auf ein Volksbegehren in der Pfalz, um dadurch einen Volksentscheid für die Rückgliederung an Bayern zu erreichen. Darauf hin verstärkte sich die bayerische Propaganda nochmals. Im sogenannten „Pfalz-Manifest“ stellte die bayerische Regierung den Pfälzern erhebliche Zugeständnisse in Aussicht, darunter die Einrichtung eines eigenen Ministeriums für pfälzische Angelegenheiten. Im April 1956 fand das Volksbegehren statt; zeitgleich konnte auch über den Vorschlag des Vereins „Kurpfalz“ abgestimmt werden, der für einen Anschluss der Pfalz an Baden-Württemberg warb. Beide Volksbegehren scheiterten am nötigen Quorum von 10%. Die Befürworter der Rückgliederung an Bayern erreichten 7,6%, die Kurpfalzaktivisten konnten 9,3% verbuchen.

Bild: Archivalien zur Geschichte von Bayern und Pfalz | Foto: Bayerisches Hauptsaatsarchiv, Amtsbibliothek
Archivalien zur Geschichte von Bayern und Pfalz | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

„Bayern und Pfalz - Gott erhalt´s“:
Institutionen, Verbände, Personen von 1956 bis heute

Auch nach dem Volksbegehren 1956, bei dem sich nur 7,6 Prozent der Pfälzer für eine Rückgliederung der Pfalz an Bayern entschieden, bestanden die bayerischen Pfalzverbände – bis heute – fort. Der Landesverband der Pfälzer in Bayern betreibt die Pfälzer Residenz Weinstube in München als Aushängeschild Pfälzer Lebensart und Weinkultur. Aus den Gewinnen der Weinstube gründete er 1974 die Bayern-Pfalz-Stiftung. Mit der Quartalszeitschrift „Die Pfalz“ (vor 2002 „Stimme der Pfalz“) besitzt er seit 1949 ein eigenes Publikationsorgan.

Dem Bund der Pfalzfreunde, in dem sich ausgehend vom Bayerischen Landtag 1950 die bayerischen Pfalzfreunde zusammengeschlossen hatten, steht heute noch die Landtagspräsidentin Barbara Stamm vor. Und in der bayerischen Staatskanzlei existiert in repräsentativer Funktion ein bayerischer Pfalzreferent. Der pfälzische Bund Bayern und Pfalz löste sich dagegen 1973 auf, nachdem Bayern Anfang der 1970-er Jahre endgültig seinen Anspruch auf die Pfalz aufgegeben hatte.

Weitere lebendige Bindungen zwischen Bayern und der Pfalz bestehen in der Stiftung Maximilianeum, die seit 1852 hochbegabte „Landeskinder“ aus Bayern und der Pfalz fördert, des weiteren durch die Zugehörigkeit des Bistums Speyer zur bayerischen Bischofskonferenz und nicht zuletzt durch die Familie der bayerischen Wittelsbacher, die aus dem pfalz-zweibrückischen Zweig des Hauses stammt.

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