Bayerischer Landtag

14.04. - 29.04.2010 - Ausstellung "Die sudetendeutschen Sozialdemokraten - Von der DSAP zur Seliger-Gemeinde"

Die Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokraten steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung im Bayerischen Landtag. Die Ausstellung dokumentiert deren Entwicklung, die mit der Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP) während der Ersten Tschechoslowakischen Republik (1918 bis 1939) im nordböhmischen Teplitz begann. Bis heute lebt das politische und geistige Erbe der DSAP weiter – in der Seliger-Gemeinde, die 1951 in München gegründet wurde.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm eröffnete am 13. April in Anwesenheit von Repräsentanten der Seliger-Gemeinde und der sudetendeutschen Volksgruppe sowie Vertretern der Fraktionen die Ausstellung.

Verfolgung sudetendeutscher Sozialdemokraten während des Nationalsozialismus

Nach der Besetzung des Sudetenlandes durch Hitler wurden mehr als 10 000 der über 80 000 sudetendeutschen Sozialdemokraten von den Nationalsozialisten verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Anderen gelang die Flucht, oder sie gingen ins Exil, wo sie unter dem Namen „Treuegemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten“ weiter miteinander verbunden blieben. Mitglieder dieses Verbundes waren es auch, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs maßgeblich an der Wiedergründung der SPD in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg beteiligt waren. 1951 riefen sie in München die Seliger-Gemeinde ins Leben, die seit schon fast 60 Jahren das politische und geistige Erbe der sudetendeutschen Sozialdemokraten bewahrt.

Zu ihren Gründungsmitgliedern zählten drei Abgeordnete des damaligen Landtags: Alfred Frenzel, Ludwig Walch sowie der spätere Vorsitzende der SPD-Fraktion und Landtagsvizepräsident, Volkmar Gabert. Er war von 1986 bis zu seinem Tod 2003 der am längsten amtierende Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde.

Bei der Eröffnung der Ausstellung bezeichnete Landtagspräsidentin Barbara Stamm ihn als einen „Brückenbauer“. Volkmar Gabert habe stets versucht, Mauern ab- und Brücken aufzubauen und für Ausgleich und Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen zu sorgen. „Damit verkörperte er in seiner Person die zentralen Anliegen und politischen Ziele der Seliger-Gemeinde seit ihrer Gründung“, so die Landtagspräsidentin, die in diesem Zusammenhang auch Prof. Peter Glotz und Albrecht Schläger als namhafte Mitglieder der Seliger-Gemeinde – beide ehemalige Abgeordnete des Landtags – hervorhob.

Die engen personellen Verbindungen zum Bayerischen Landtag und die Verbundenheit mit dem „vierten Stamm Bayerns“ wurde bei der Eröffnung der Ausstellung durch die Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste unterstrichen – darunter Johann Böhm, früherer Landtagspräsident und ehemaliger Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, Abgeordneter des Europäischen Parlaments (MdEP) und Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, sowie Dr. Karl Huber, Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs. Auch die Fraktionsvorsitzenden Georg Schmid (CSU), Markus Rinderspacher (SPD) und Thomas Hacker (FDP) sowie weitere Abgeordnete nahmen an der Vernissage teil.

Albrecht Schläger, Bundesvorsitzender der Seliger-Gemeinde e.V., wies in seinem Grußwort auf das wieder erwachte Interesse an der Geschichte der Vertriebenen hin. Ihr Schicksal sei wieder in die Mitte der tagesaktuellen Debatten gerückt. /kh

Bild: Am 3. September 1919 wurde die DSAP in Teplitz in Nordböhmen gegründet. Zum Vorsitzenden wurde Josef Seliger gewählt. | Foto: Seliger Gemeinde - Bundesverband
Am 3. September 1919 wurde die DSAP in Teplitz in Nordböhmen gegründet. Zum Vorsitzenden wurde Josef Seliger gewählt. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
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