Bayerischer Landtag

26.09. - 11.10. 2012: Ausstellung "Der Hesselberg – ein 'heiliger' Ort der Täter"

Landtagspräsidentin Barabara Stamm eröffnet Ausstellung über den Missbrauch der "Frankentage" durch die Nazis.

- Von Zoran Gojic -

Die Frage, weshalb es wichtig ist, sich mit den "Frankentagen" der Nazis auf dem Hesselberg zu beschäftigen, beantwortete Diplom-Sozialpädagoge Michael Helmbrecht, Vorsitzender der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg, so kurz wie eindringlich: "Der letzte Nazi-Frankentag wurde 2008 gefeiert, nur 100 Meter von meinem Haus entfernt". Es sei gefährlich, die Gefahren, die vom Nazi-Gedankengut ausgehen, zu unterschätzen oder gar zu verharmlosen. Deswegen sei es wichtig, daran zu erinnern, wie es den Nazis gelungen sei, die Massen für ihre unmenschliche Ideologie zu mobilisieren.

Erinnerung an ein vergessenes Kapitel der Geschichte

Mit der Ausstellung im Bayerischen Landtag wird an ein fast vergessenes Ritual der Nazi-Diktatur erinnert: den Missbrauch des Frankentages als Propagandaveranstaltung für das „Dritte Reich“. Neben den Parteitagen der NSDAP in Nürnberg waren dies die größten Massenveranstaltungen der Nazis in Bayern. Systematisch bauten sie den Hesselberg in Mittelfranken als Kultstätte auf und hielten dort von 1933 bis 1939 insgesamt sieben Mal ihre „Frankentage“ ab, bei denen sich bis zu 100 000 Menschen versammelten und Julius Streicher, dem „Gauleiter“ Mittelfrankens, huldigten. Streicher, von 1924 bis 1932 für die NSDAP Abgeordneter des Bayerischen Landtags, war einer der fanatischsten Nazi-Funktionäre des Dritten Reichs und trug mit Hilfe seiner Zeitung „Der Stürmer“ durch unablässige antisemitische Hetze dazu bei, eine hasserfüllte und feindselige Atmosphäre gegen jüdische Mitbürger zu schaffen.

"Der Landtag bleibt bei politischem Radikalismus wachsam"

„Das darf nicht verdrängt werden“, so Landtagspräsidentin Barbara Stamm, „denn Verdrängung würde die Täter entlasten und das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen ignorieren. Es ist deswegen wichtig und notwendig, dass der Landtag wachsam bleibt und jede Form von politischem Radikalismus bekämpft. Diese Ausstellung ist ein Beitrag dazu“, erklärte Stamm.

Die Ausstellung beruht auf der Dissertation "Frankens braune Wallfahrt - Der Hesselberg im Dritten Reich" von Dr. Thomas Greif. Mit Hilfe von historischen Fotos, Texten und Propagandamaterial sowie mit Ton- und Filmaufnahmen soll an den Hesselberg als Ort der Täter erinnert werden. Dabei wird aufgezeigt, weshalb der NS-Führung ausgerechnet der Hesselberg als geeigneter Ort für ihre jährlichen Feiern erschien, wie sich der Charakter der Großveranstaltungen während der NS-Diktatur veränderte und wie es möglich war, dass der Ort nach Kriegsende so schnell aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit geriet.

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