Bayerischer Landtag

28.06. - 15.07.2011 - Ausstellung über 60 Jahre Radio Free Europe

„Hier spricht die Stimme des Freien Europa“Ausstellung über Radio Free Europe im Landtag

- von Heidi Wolf -

München. „Hier spricht die Stimme der freien Tschechoslowakei, das Radio Freies Europa.“ Mit diesen Worten nahm der amerikanische Radiosender „Radio Free Europe“ in München am 1. Mai 1951 seinen regulären Sendebetrieb auf. An dieses Ereignis erinnert die Ausstellung „Stimmen der Freiheit – Radio Free Europe im Kalten Krieg“, die bis zum 15. Juli 2011 im Maximilianeum gezeigt wird. Sie blendet zurück auf die Jahrzehnte, als eine unüberwindliche Grenze Europa in zwei Blöcke spaltete - in den freien Westen und den kommunistischen Osten. Emigranten aus der Tschechoslowakei, aus Polen, Bulgarien, Rumänien und Ungarn machten in München Radio für ihre Landsleute, boten ihnen eine alternative Berichterstattung über den Westen.

„Freiheit zu fordern war in Richtung Sowjetimperium nicht ohne Risiko“, sagte Reinhold Bocklet, 1. Vizepräsident des Bayerischen Landtags, in seiner Eröffnungsrede am 29. Juni 2011. Ein Mitarbeiter des Senders habe seine Tätigkeit sogar mit dem Leben bezahlen müssen. „Dieses Attentat und der Bombenanschlag, den der rumänische Geheimdienst vor 30 Jahren verübte, haben gezeigt, welchen Gefahren die Mitarbeiter ausgesetzt waren“, führte Bocklet aus. Dr. Rudolf Jindrák, Botschafter der Tschechischen Republik in Berlin, würdigte den Mut der Journalisten und ihrer Hörer. Auch diese riskierten viel, denn es galt als staatsfeindlicher Akt, das Programm von Radio Free Europe zu empfangen. Jindrák erinnerte daran, dass der Sender nach dem Wegfall des Eisernen Vorhangs nach Prag umgezogen ist. Das geschah mit Unterstützung des tschechoslowakischen Staates, der damit den Beitrag zur Wiedergeburt von Freiheit und Marktwirtschaft in Mittel- und Osteuropa würdigen wollte. Der Auftrag bleibe der gleiche: Heute produziere Radio Free Europe in seinem Prager Funkhaus Programme in fast 30 Sprachen und sende seine Botschaft in Regionen, in denen Menschenrechte, Demokratie und Pressefreiheit noch Fremdwörter seien.

In der Ausstellung sind Porträts von Menschen zu sehen, die für Radio Free Europe gearbeitet haben. Studenten des Elitestudiengangs an der Ludwigs-Maximilians-Universität München haben Zeitzeugen interviewt und Videos mit ihnen gedreht. Auch die wichtigsten Ereignisse in den Zeiten des kalten Krieges spiegeln sich wieder: der Ungarnaufstand 1956 zum Beispiel, der Prager Frühling, den Truppen des Warschauer Paktes am 21. August 1968 niederwalzten, die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986, die Ereignisse in der Deutschen Botschaft in Prag im August 1989, als dort Tausende von DDR-Bürgern Zuflucht suchten und ihnen am 30 September die Ausreise in den Westen erlaubt wurde.

Die Ausstellung im Bayerischen Landtag wird vom Tschechischen Zentrum München veranstaltet, gemeinsam mit dem Institut zur Erforschung totalitärer Regime in Prag, dem Elitestudiengang Osteuropa an der LMU, der Universität Regensburg und dem Collegium Carolinum in München. Anschließend wird die Schau in Budapest und New York gezeigt.

Öffnungszeiten im Maximilianeum:Die Ausstellung kann vom 30. Juni bis 15. Juli 2011, jeweils Montag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr und Freitag von 9 bis 13 Uhr, in der Eingangshalle West des Maximilianeums besichtigt werden. An Sonn- und Feiertagen ist geschlossen. Verkehrsverbindung Linien U4 / U5 Station Max-Weber-Platz oder Tram Linie 19, Haltestelle Maximilianeum. Der Eintritt ist frei.

Dr. Zuzana Jürgens (Leiterin des Tschechischen Zentrums München), Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, Dr. Rudolf Jindrák (Botschafter der Tschechischischen Republik in Berlin) (v.l.n.r.) | Foto: Rolf Poss
Ein großer Andrang herrschte beim Rundgang durch die Ausstellung | Foto: Rolf Poss
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