Bayerischer Landtag

29.09. - 14.10.2010 - Ausstellung "Abseits der Schlachtfelder"

„Abseits der Schlachtfelder“ heißt eine neue Ausstellung, die der Bayerische Landtag zusammen mit dem Bayerischen Roten Kreuz im Maximilianeum zeigt. Bis zum 14. Oktober 2010 sind eindrucksvolle und berührende Bilder und Texte des Journalisten und Fotografen Till Mayer zu sehen, der aus Kriegs- und Katastrophengebieten berichtet. Seine Reportagen aus den Jahren 1996 bis 2010 zeigen Schicksale von Menschen, deren Lebensweichen der Krieg für immer gestellt hat.

Bei der Vernissage: Landtagspräsidentin Barbara Stamm im Gespräch mit (von links) Kriegsveteran Barry Romo, Leonhard Stärk, Geschäftsführer des BRK-Landesverbands, Prof. Dr. Daniel-Erasmus Khan, Konventionsbeauftragter des Bayerischen Roten Kreuzes, und dem Fotografen und Journalisten Till Mayer, dessen Bilder in der Ausstellung gezeigt werden. | Foto: Rolf Poss
Bei der Vernissage: Landtagspräsidentin Barbara Stamm im Gespräch mit (von links) Kriegsveteran Barry Romo, Leonhard Stärk, Geschäftsführer des BRK-Landesverbands, Prof. Dr. Daniel-Erasmus Khan, Konventionsbeauftragter des Bayerischen Roten Kreuzes, und dem Fotografen und Journalisten Till Mayer, dessen Bilder in der Ausstellung gezeigt werden. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

In mehr als 30 Staaten auf der Welt herrscht derzeit Krieg oder Bürgerkrieg. Unter der leidenden Zivilbevölkerung sind Kinder und Jugendliche besonders stark betroffen: „Krieg zu erleben, ist für Kinder besonders traumatisch, weil dieses furchtbare Ereignis in den Schutzraum von Kindheit und Jugend grausam einbricht“, betonte Landtagspräsidentin Barbara Stamm bei der Ausstellungseröffnung. Die Zeit heile nicht alle Wunden: „Traumatische Erlebnisse bleiben und begleiten ein Kind, einen Jugendlichen und einen Erwachsenen ein Leben lang, auch wenn Friedensverträge längst geschlossen sind, Häuser wieder aufgebaut wurden und die Medien sich wieder anderen Themen widmen“, so Stamm.

Kriege prägen Lebenslinien. Elf Kriegsschicksale aus elf Ländern werden in der Ausstellung und dem Begleitbuch von Till Mayer beschrieben. Die Botschaft, die von diesen Dokumentationen ausgehe, sei einprägsam, sagte Barbara Stamm: „Zu keinem Zeitpunkt dürfen wir in unseren Bemühungen um weltweiten Frieden und in unserem Einsatz für das humanitäre Völkerrecht nachlassen.“

Mehr Verständnis für die Situation von Kriegsopfern

„Die Bilder geben den Opfern ein Gesicht und eine Stimme“, sagte Professor Dr. Daniel-Erasmus Khan, Konventionsbeauftragter des Bayerischen Roten Kreuzes bei der Vernissage. Dr. Robert Arsenschek, Chefreporter beim „Münchner Merkur“, dessen Verlag Medienpartner des Projekts „Abseits der Schlachtfelder“ ist, sprach von der Chance zum Dialog, der zu mehr Verständnis für die Situation von Kriegsopfern beitragen könne. Es freue ihn, dass die Ausstellung im Anschluss an 50 bayerischen Schulen gezeigt wird, so dass auch viele junge Menschen die Bilder und Texte von Till Mayer sehen können. /kh

Eindringliche Botschaft von Barry Romo, Veteran des Vietnamkriegs

Kriegsveteran Barry Romo schilderte bei der Ausstellungseröffnung im Maximilianeum, wie der Vietnamkrieg ihn traumatisiert hat. Im Kopf des 62-Jährigen findet der Krieg kein Ende:

Vor 42 Jahren wurde mein Neffe in Vietnam getötet.
Wir dienten im selben Gebiet, zur gleichen Zeit.
Ich brachte seinen Leichnam heim zu unserer Familie.
Ein versiegelter Militärsarg aus Aluminium, eingehüllt in eine Flagge.
Unsere Familie konnte seine sterblichen Reste nicht mehr sehen.
Die Wut und die Trauer über seinen Tod zerstörten uns beinahe.
Vor 35 Jahren ging der US-Krieg in Vietnam zu Ende.
Die Kugeln und Bomben verstummten, aber die Opfer und die Trauer bleiben.
Wir versprühten Dioxin-haltige Entlaubungsmittel, mit Namen, die nach Regenbogen
klangen.
Agent Orange. Agent Purple. Und viele andere.
Wir vergifteten mehr als zehn Prozent ihres Landes.
Noch schlimmer: Wir vergifteten die Menschen.
Zehntausende Tote.
Zehntausende Geburtsfehler.
Das hält bis heute an.
Es ist noch schlimmer als Landminen, die mit Suchgeräten aufgespürt werden können.
Ich hatte das Glück, einige Opfer aus Vietnam zu treffen.
Diese Helden haben ihre Geburtsfehler besiegt.
Aber ohne Hilfe von Supermächten.
Wir müssen diese Opfer unterstützen.
Schülern wird auf der ganzen Welt beigebracht, wann Kriege beginnen und enden.
Aber das ist nicht die volle Wahrheit.
Kriege gehen nach den Kugeln und den Bomben weiter.
Es gibt weiterhin Opfer, auch nach den Kugeln und Bomben.
Vielleicht schauen Sie mich an und denken: “Gar nicht schlecht für einen
Kriegsveteranen der Infanterie.”
Aber Ihnen bliebe verborgen, was in mir vorgeht.
Ihnen blieben die Schuldgefühle verborgen und der Schmerz darüber, meinen Neffen
verloren zu haben.
Der Schmerz, überlebt zu haben.

Weiterführende Links

Till Mayer, Autor und Fotograf

Bild: Foto der Ausstellung: ein unterernährter Junge. Im Jahr 2000 forderte eine Dürre in Äthiopien viele Opfer. | Foto: Rolf Poss
Foto der Ausstellung: ein unterernährter Junge. Im Jahr 2000 forderte eine Dürre in Äthiopien viele Opfer. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Vier Beispiele aus der Ausstellung:

- Der 13-jährige Ibrahim Hamdam lebt im Flüchtlingslager von Khan Yunis, einem traurigen Ort, der als Hochburg der Hamas gilt. Ibrahim ist auf den Rollstuhl angewiesen. Auf seiner mühsamen Fahrt durch das Flüchtlingslager zur Schule muss er viele Barrieren überwinden. Er trotzt ihnen mit einem Lächeln: „Weil fröhlich sein ein bisschen Frieden ist.“

- Den 62-jährigen Kriegsveteran Barry Romo aus den USA quälen seit über 40 Jahren Albträume. Im Schlaf sieht er die gefallenen Kameraden und die sechs Menschen, die er töten musste.

- Die vietnamesische Bäuerin Truong Thi Thuy brachte sechs Kinder zur Welt, vier davon sind behindert - vermutlich Agent Orange-Opfer. Mit dioxinhaltigen Herbiziden wollten die US-Streitkräfte während des Vietnam-Krieges den Urwald entlauben, um den nordvietnamesischen Verbänden die Rückzugsmöglichkeit zu nehmen. Das vietnamesische Rote Kreuz schätzt, dass sich unter den drei Millionen Agent Orange-Opfern 150 000 Kinder mit genetischen Defekten befinden.

- „Was kann es für einen Vater Schlimmeres geben, als sein eigenes Kind sterben zu sehen?“, fragt Mohamed Barkadle aus Äthiopien. Bürgerkriege und Konflikte haben jahrzehntelang die Entwicklung des Landes gebremst. Als im Jahre 2000 im Ogaden zum vierten Mal die Regenzeit ausblieb, starben unzählige Kinder, Alte und Kranke an den Strapazen. Laut UN-Welternährungsprogramm waren damals acht Millionen Menschen in Äthiopien vom Hunger bedroht. /hw

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