Bayerischer Landtag

30.03. - 20.04.2012 - Ausstellung: Architektur und Wein

"Frankenwein ist nicht nur Kult, sondern hat auch eine besondere Kultur hervorgebracht. Das wird heute Abend hier deutlich" - mit diesen Worten eröffnete Landtagspräsidentin Barbara Stamm die Wanderausstellung „Architektur und Wein" im Maximimilaneum.

Bild: Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauernverbandes, Moderator Rudi Erhard, Lutz Heese, Präsident der Bayerischen Architektenkammer, die Fränkische Weinkönigin Melanie Dietrich und Landtagspräsidentin Barbara Stamm. | Foto: Rolf Poss
Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauernverbandes, Moderator Rudi Erhard, Lutz Heese, Präsident der Bayerischen Architektenkammer, die Fränkische Weinkönigin Melanie Dietrich und Landtagspräsidentin Barbara Stamm. | Foto: Rolf Poss | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Die Ausstellung dokumentiert die fortschreitende Symbiose von Qualitäts-Weinanbau und anspruchsvoller Architektur bei fränkischen Winzern - nicht zuletzt mit Blick auf die steigende Bedeutung des Tourismus in diesem Bereich. Ein willkommener Anlass, um über Chancen und Perspektiven zu sprechen und selbstverständlich den Wein zu verkosten, um den es ja letztlich ging. Zunächst referierte Dr. Hermann Kolesch, Leiter der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau aus Veitshöchheim, über die Geschichte und die aktuelle Situation des Weinbaus in Bayern.

Anschließend wurde, moderiert von BR-Journalist Rudi Erhard, fachkundig über die neuen Entwicklungen im Weinanbau diskutiert. Alle Experten auf dem Podium im Senatssaal waren sich einig, dass der eingeschlagene Weg, anspruchsvolle Architektur und Weinbau zu verbinden, gut und richtig ist. Winzer Horst Sauer aus Escherndorf fasste es prägnant zusammen: "Gute Architektur zieht Menschen an. Und im besten Fall fühlen die Menschen sich dann zuhause in neuen Räumen." Allerdings, so schränkte Sauer ein, müsse alles in sich stimmig sein. "Der Wein muss passen, die Ausstattung und die Architektur", erläuterte Sauer. Winzerkollege Paul Fürst aus Bürgstadt stimmte zu und gab zu bedenken, dass jeder Weinbauer andere Anforderungen an sein Weingut habe. "Die Funktion ist letztlich das Wichtigste. Wir haben beim Umbau unseres Weingutes auf langlebige Bauweise und Energieeffizienz geachtet, spektakuläre Architektur stand nicht im Mittelpunkt. Unsere Kunden suchen uns gezielt wegen des Weines. Zudem gibt es unterschiedliche Ausgangsituationen bei jedem Winzer", erklärte Fürst, der seinen Wein mittlerweile auch ins Ausland verkauft.

Planer Reinhard May hakte genau da ein: Nicht alle Winzer könnten sich aufwändige Umbauten finanziell leisten. Und nicht alle seien neuen Konzepten gegenüber aufgeschlossen. "Alle Umbau-Projekte, an denen ich beteiligt war, haben eine lange Geschichte, viele Winzer müssen erst an Architektur und Design herangeführt werden. Es braucht eben seine Zeit - wie beim Wein", schloss May. "Winzer sind eben nicht gierig", meinte Artur Steinmann, der Präsident des Fränkischen Weinbauernverbandes. Die Weinbauern würden abwägen und Wert darauf legen, in Einklang mit ihrer Umgebung zu leben. Mit radikalen Änderungen täten sie sich schwer. Aber: "Der Start in das 21. Jahrhundert ist uns gut gelungen."

Großen Anteil am Erfolg der Symbiose von Baukunst und Weinbau habe die Tatsache, dass Architekten wie die Winzer Mittelständler seien, stellte Lutz Heese fest, der Präsident der Bayerischen Architektenkammer. Die Architekten hätten ein Gefühl für die Bedürfnisse und Befürchtungen der Winzer. Aber der Trend zum liebevoll ausgebauten Weingut halte an, die Menschen würden anspruchsvolle Architektur erwarten, wenn sie Weinregionen bereisen. "Mittlerweile muss man als Architekt, der was gelten will, mindestens ein Weingut im Portfolio haben", sagte Heese.

Auf die Frage von Moderator Erhard, woher der Trend zu besonderer Architektur bei Weingütern denn überhaupt komme, konnte Prof. Dr. Felizitas Romeiß-Stracke von der Plattform Tourismus Architektur eine plausible Erklärung anbieten: Tourismus sei immer auch ein gesellschaftlicher Vorreiter. "Viele Touristen suchen heute nach sinnvollen und sinnlichen Erfahrungen. Es gibt wegen des Vormarsches digitaler Techniken das Bedürfnis nach Authentizität und Regionalität. Und schöne Weingüter stillen dieses Bedürfnis. Man kostet guten Wein, genießt schöne Landschaft und bewundert gelungene Architektur", führte Romeiß-Stracke aus. Winzer Fürst gestand ein, dass er nach Feierabend selbst sehr gerne durch den neu gestalteten Weinkeller schlendere: Es ist ein schöner Moment, wenn man alleine ist und diese Umgebung auf sich wirken lassen kann."

Aber alles helfe nichts, da war man sich einig, wenn die Qualität des Produktes nicht stimme. Wie Winzer Horst Sauer treffsicher formulierte: "Der Star ist immer noch der Wein."

Die Ausstellung „Architektur und Wein“ ist bis 20. 4.2012 im Maximilianeum zu sehen.
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr und Freitag von 9 bis 13 Uhr.
An Sonn- und Feiertagen ist geschlossen.
Der Eintritt ist frei.

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