Bayerischer Landtag

02.03.2011 - Gast aus New York: Lee A. Ielpi, Vorsitzender der 9/11-Gedenkstätte am Ground Zero im Bayerischen Landtag

Bild: Gast aus New York: Der Feuerwehrmann Lee A. Ielpi (Mitte) mit (v.l.) dem Integrationsbeauftragten Martin Neumeyer, Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Stiftungsdirektor Karl Freller. | Foto: Rolf Poss
Gast aus New York: Der Feuerwehrmann Lee A. Ielpi (Mitte) mit (v.l.) dem Integrationsbeauftragten Martin Neumeyer, Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Stiftungsdirektor Karl Freller. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

– Von Katja Helmö –

Auf dem Ground Zero in New York traf Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, vor einem halben Jahr zum ersten Mal mit Lee A. Ielpi, dem Gründer der Opfer- und Hinterbliebenen-Vereinigung „September 11th Families´ Association“, zusammen. Nun befindet sich Ielpi auf Gegenbesuch in Bayern. Sein Aufenthalt dient dem Informationsaustausch mit den KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg, die von der Stiftung Bayerische Gedenkstätten betreut werden. Ielpi und Freller kamen am 2. März auf Einladung von Landtagspräsidentin Barbara Stamm in den Bayerischen Landtag. Als Mitglied des Stiftunsrates ist ihr die Erinnerungsarbeit ein besonderes Anliegen.

„Die Kooperation großer internationaler Gedenkstätten ist wichtig und sinnvoll“, unterstrich Stiftungsdirektor Karl Freller bei der Zusammenkunft im Maximilianeum. Die Singularität des Holocaust sei absolut unumstritten, die beiden Gedenkstätten seien nicht miteinander vergleichbar. „Aber in Fragen, wie eine pädagogische Vermittlung funktioniert, können wir durchaus viel voneinander lernen – auf beiden Seiten“, betonte Freller bei dem Gespräch, an dem neben Landtagspräsidentin Barbara Stamm und dem Integrationsbeauftragten Martin Neumeyer auch weitere Vertreter der Stiftung Bayerische Gedenkstätten sowie des New Yorker 9/11 Tribute Centers teilnahmen.

Lee A. Ielpi sah dies genauso: „Unsere Aufgabe ist es, die Geschichte der Opfer am Leben zu erhalten. Lassen sie uns dazu unsere Erfahrungen und Ideen teilen, Anregungen sammeln.“ Der New Yorker ist nicht nur Präsident der „September 11th Families´ Association“, sondern auch Zeitzeuge. 26 Jahre lang war Ielpi Feuerwehrmann in New York und einer der ersten Freiwilligen am Morgen des Terror-Anschlags. Jonathan, sein ältester Sohn, war als Feuerwehrmann an diesem 11. September 2001 bereits zum World Trade Center beordert worden, wo er getötet wurde, als der Südturm einstürzte. Ielpi fand seinen toten Sohn Jonathan drei Monate später in den Trümmern.

Der Vater zerbrach nicht an diesem Schicksal. Stattdessen gründete Ielpi die „September 11th Families´ Association“, die 2006 das 9/11 Memorial am Ground Zero eröffnete und seitdem jährlich über 300.000 Besucher zählt. Mit weltweiten Foto- und Postkarten-Aktionen, mit Gesprächen in Schulen, Universitäten und Museen arbeitet die „September 11th Families` Association gegen das Vergessen und für Verständigung über die Grenzen der Religion hinweg.

„Wie die Amerikaner das Internet verwenden, wie sie die neuen Medien für die Erinnerungsarbeit nutzen, wie zeitintensiv sich die Freiwilligen engagieren – das hat mich in New York sehr beeindruckt“, betonte Karl Freller, der den ganzheitlichen Ansatz der Gedenkarbeit am Ground Zero lobte. Landtagspräsidentin Barbara Stamm sah in der Nutzung neuer Medien ebenfalls einen wichtigen Schlüssel, um vor allem junge Menschen zu erreichen: „Die Jugend steht im Mittelpunkt der Erinnerungsarbeit.“ Selbst die konsequenteste Nutzung neuer Kommunikationsmöglichkeiten im Zeitalter des Web 2.0. könne aber den direkten Kontakt und das Gespräch mit Zeitzeugen nicht ersetzen. Darin stimmten alle Gesprächsteilnehmer überein.

Der Terroranschlag in New York jährt sich in diesem Jahr zum zehnten Mal: „Wo waren Sie am 11. September 2001?“ Im Landtag konnte auf diese Frage von Lee A. Ielpi jeder der Befragten spontan antworten. Der Feuerwehrmann verteilte dennoch beim Abschied Gedenkmünzen – „Zur Erinnerung. Denn: Vergessen ist gefährlich“, sagte er. /kh

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