Bayerischer Landtag

Besuch ehemaliger KZ-Häftlinge im Bayerischen Landtag

Oleksandr Kulynych, Landtagsvizepräsidentin Inge Aures, Volodymyr Dshelali und Landtags-Direktor Peter Worm.
Landtagsvizepräsidentin Inge Aures lud anlässlich des Jahrestags der Befreiung des KZ Dachau ehemalige Häftlinge in den Landtag ein.
Martin Güll, MdL, Oleksandr Kulynych, Landtagsvizepräsidentin Inge Aures und Volodymyr Dshelali.

Mittwoch, 03. Mai 2017

Anlässlich der Befreiung des KZ Dachau vor inzwischen 72 Jahren, lud Vizepräsidentin Inge Aures auch dieses Jahr wieder ehemalige Häftlinge zu einem Mittagessen in den Bayerischen Landtag ein. Ihrer Einladung folgten  Volodymyr Dshelali und Oleksandr Kulynych aus der Ukraine, die beide während der Kriegsjahre in Dachau inhaftiert waren und am 29. April 1945 durch die US Armee befreit wurden. Landtagsvizepräsidentin Inge Aures hieß ihre beiden Gäste herzlich willkommen und dankte ihnen, dass sie den weiten Weg auf sich genommen haben. Sie sagte: „ Ich bewundere Sie, dass Sie sich der Vergangenheit stellen und nochmal nach Bayern zurückkehren. Nach so langer Zeit noch zwei Überlebende des KZ Dachau im Bayerischen Landtag begrüßen zu dürfen, ist ein gutes Zeichen für den Frieden in der Welt“. Martin Güll, der Vorsitzende des Bildungsausschusses, der als Dachauer Abgeordnete ebenfalls an dem Essen teilnahm sagte: „ Ihr Besuch im Landtag ist Ansporn und Beweis, dass die Gedenkarbeit in Dachau einen großen Raum einnehmen muss“.

Volodymyr Dshelali und Oleksandr Kulynych bedankten sich für die Einladung und insbesondere über den warmen Empfang durch Vizepräsidentin Aures. Oleksandr Kulynych sagte, er habe in den Kriegsjahren die allermeisten Menschen in Bayern als Feinde wahrgenommen und nicht im Traum daran gedacht, über 70 Jahre später in so netter Atmosphäre im Bayerischen Landtag zu Mittag zu essen. Dabei kam man auch persönlich ins Gespräch: Oleksandr Kulynych war 16 Jahre alt, als er 1942 in das KZ Dachau kam und hier Zwangsarbeit leisten musste. Nach dem Krieg kehrte er in die Ukraine zurück, wo er als Universitätsdozent arbeitete. Heute ist er ein moderner älterer Mann, der viel mit seinen Urenkeln über das Internet kommuniziert.

Volodymyr Dshelali erzählte von seiner Heimatstadt Mariupol im Osten der Ukraine und dass er dort täglich von den aktuellen Kampfhandlungen höre. Seine Erlebnisse – frühe Erlebnisse aus der KZ-Zeit, aber auch Erlebnisse der letzten Jahre – verarbeitet er in Gedichten. Ein gedruckter Gedichtband ist derzeit in Arbeit.

Zum Abschluss des Treffens wünschte man sich Gesundheit und ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Kulynych sagte, er wünsche sich, dass die Tradition der Einladung in den Bayerischen Landtag weitergeführt werde. Das ist auch der Wunsch von Inge Aures: Auch die Politiker dieser Zeit müssten sich der Geschichte stellen, sagte sie./if

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