Bayerischer Landtag

03.10.2010 - Bayerischer Verfassungstag 2010 - Feier in der Katholischen Akademie Bayern

Bild: Möchten das christliche Wertefundament stärken (v.l.) Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Kardinal Dr. Reinhard Marx, Ministerpräsident Horst Seehofer. | Foto: Helmut Baumgartner
Möchten das christliche Wertefundament stärken (v.l.) Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Kardinal Dr. Reinhard Marx, Ministerpräsident Horst Seehofer. | © Bayerische Einigung e.V.

Die Anfangszeile der Bayernhymne – Gott mit dir, du Land der Bayern –„drückt die enge Verbundenheit des bayerischen Volkes mit seiner Heimat und auch einen tiefen Gottesglauben aus“. Dies unterstrich Landtagspräsidentin Barbara Stamm in ihrem Grußwort anlässlich des Bayerischen Verfassungstages 2010. Schwerpunktthema dabei war das „Verhältnis zwischen Kirche und Staat.“

Der Bayerische Landtag und die Bayerische Staatsregierung begingen den Verfassungstag am 3. Dezember 2010 gemeinsam mit der Bayerischen Einigung e.V. und der Bayerischen Volksstiftung in der Katholischen Akademie in München. Florian Besold, Vorsitzender der Bayerischen Volksstiftung, sprach von einem „Tag des überparteilichen Nachdenkens über Grundfragen unserer Gesellschaft und des Besinnens auf geschichtliche und kulturhistorische Zusammenhänge“.

Bild: Landtagspräsidentin Barbara Stamm bei ihrem Grußwort in der Katholischen Akademie Bayern. | Foto: Helmut Baumgartner
Landtagspräsidentin Barbara Stamm bei ihrem Grußwort in der Katholischen Akademie Bayern. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

„Dank der Trennung von Staat und Kirche ist unser Staat heute weltanschaulich offen und neutral, was aber nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden darf“, sagte Landtagspräsidentin Barbara Stamm in ihrem Grußwort. In einer zunehmend offenen, säkularen Gesellschaft, in der Menschen ganz unterschiedlicher kultureller und religiöser Herkunft leben, sei es umso wichtiger, ein gemeinsames Wertefundament auszumachen. „Umso mehr kommt es darauf an, dass alle Menschen, die in diesem Land miteinander leben, die Werte der Verfassung als verbindlich anerkennen“, betonte Barbara Stamm.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer bekannte sich in seinem Grußwort ausdrücklich zu den bestehenden vertraglichen Grundlagen der Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche: „Auf bewährten vertraglichen Grundlagen arbeiten wir – bei aller Trennung von Staat und Kirche und bei Wahrung der Neutralität des Staates – eng zusammen. Ich bekenne mich ausdrücklich zu diesen vertraglichen Grundlagen des Staat-Kirchen-Verhältnisses, die auch in Zukunft nicht zur Disposition stehen“, so der Ministerpräsident.

Kardinal Dr. Reinhard Marx beleuchtete in seiner Festansprache unter der Überschrift „Gott mit dir, du Land der Bayern“ das Verhältnis von Staat, Kirche und Gesellschaft, die in einem modernen Gemeinwesen subsidiär aufeinander bezogen seien. Dabei gelte es, einen Weg des Miteinanders zu gehen. „Der Staat soll nicht alles tun.“ Und: „Er darf auch kein Religionsersatz sein“ sagte Reinhard Marx, der sich in seiner Festansprache sowohl gegen Etatismus als auch Laizismus wandte. Offen zeigte sich der Kardinal, die aus der Geschichte kommenden Verträge zwischen Kirche und Staat einer Überprüfung zu unterziehen. Er sah darin im Geist der guten Traditionen ein „gemeinsames Unterwegssein“ in ein zukunftsweisendes Szenario.

Bild: Verleihung des Verfassungspreises ´Jugend für Bayern`: Landtagspräsidentin Barbara Stamm zeichnete die Internationale Jugendbewegung Dachau und das Internationale Jugendtreffen Flossenbürg aus. | Foto: Helmut Baumgartner
Verleihung des Verfassungspreises ´Jugend für Bayern`: Landtagspräsidentin Barbara Stamm zeichnete die Internationale Jugendbewegung Dachau und das Internationale Jugendtreffen Flossenbürg aus. | © Bayerische Einigung e.V.

Verfassungspreis „Jugend für Bayern"

Im Rahmen der Feier wurde zum zweiten Mal der Verfassungspreis „Jugend für Bayern“ verliehen. Der Bayerische Landtag, die Bayerische Staatsregierung und die Bayerische Volksstiftung stiftete drei Preise, mit denen besondere Verdienste junger Menschen um den Kulturstaatsgedanken und die Demokratie in Bayern gewürdigt werden.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm überreichte den Preis, der an die „Internationale Jugendbegegnung Dachau“ und das „Internationale Jugendtreffen Flossenbürg“ ging. Zwei weitere Preise wurden jeweils dem Projekt „Arkadas“ des Spessart-Gymnasiums Alzenau sowie dem Projekt „Aus Nachbarn werden Freunde“ des Bezirksjugendrings Oberfranken verliehen.

Preisträger im Überlick:

• „Internationale Jugendbegegnung Dachau“ und „Internationales Jugendtreffen Flossenbürg“

Unter dem Motto „erinnern – begegnen – verstehen – Zukunft gestalten“ treffen sich seit 1983 junge Leute aus aller Welt in Dachau. Wichtiger Teil ist dabei die Begegnung mit Zeitzeugen, die durch ihre Erfahrungen Geschichte anschaulich vermitteln. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit dem Konzentrationslager Dachau und mit heutigen Formen von Ausgrenzung und Rassismus.

Seit 1999 findet unter der Trägerschaft der Evangelischen Jugend Oberfranken das Internationale Jugendtreffen Flossenbürg statt. Jugendliche aus west- und osteuropäischen Ländern und Israel sprechen mit Zeitzeugen und setzen sich auf diesem Wege mit der Geschichte des NS-Terrors und mit dem Schicksal der Überlebenden des Konzentrationslagers auseinander.

• Projekt „Arkadas“ des Spessart-Gymnasiums Alzenau

Seit zehn Jahren treffen sich im Sprach- und Integrationsprojekt „Arkadas“ des Spessart-Gymnasiums Alzenau regelmäßig rund 15 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen neun bis 13 mit Kindergarten- und Grundschulkindern mit Migrationshintergrund. Gemäß der Bedeutung des türkischen Wortes „arkadaş“ wollen die Betreuer den Kindern „Freunde“ sein und gemeinsam mit ihnen lernen. Damit setzen die Schülerinnen und Schüler und das Gymnasium ein Zeichen für gelebte Toleranz und menschliche Solidarität.

• Projekt „Aus Nachbarn werden Freunde“ des Bezirksjugendrings Oberfranken

In diesem Kooperationsprojekt fördert der Bezirksjugendring Oberfranken gemeinsam mit tschechischen Partnern seit 2006 grenzüberschreitende Jugendbegegnungen. Aus der breiten Palette verschiedenster sozialer, kultureller und künstlerischer Aktivitäten werden besondere Einzelprojekte ausgezeichnet: die Chorjugend im Fränkischen Sängerbund, die Theatergruppe des E.T.A.-Hoffmann-Gymnasiums Bamberg, die Tanzgruppe D'Lite aus Kulmbach, die Jugendfeuerwehr Regnitzlosau, die Schützenjugend „Zimmerstutzen“ und die Pfadfindergruppe „Greif“, beide aus Weitramsdorf, zusammen mit den jeweiligen Partnergruppen in Tschechien./kh

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