Bayerischer Landtag

03.12.2013 - Sie haben ein Herz für Menschen mit Behinderung: Vorbildliche Arbeitgeber mit Preis JobErfolg ausgezeichnet

Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Sozialministerin Emilia Müller und Behindertenbeauftragte Irmgard Badura würdigen beim "JobErfolg 2013" vorbildliche Inklusion von Menschen mit Behinderung am Arbeitsplatz.

Bild: Von links: Barbara Stamm, Herbert Kern, Uwe Büchner, Willi Stöbich, Andreas Schlund, Andreas Schlund, Irmgard Badura, Ivor Parvanov, Nicole Scheurig, Michael Höhenberger, Heidi Bendler, Dietmar Neugebauer. | Foto: Rolf Poss
Von links: Barbara Stamm, Herbert Kern, Uwe Büchner, Willi Stöbich, Andreas Schlund, Andreas Schlund, Irmgard Badura, Ivor Parvanov, Nicole Scheurig, Michael Höhenberger, Heidi Bendler, Dietmar Neugebauer. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

- Von Heidi Wolf -

Es war eine fetzige Preisverleihung: Die Rockband Blue Dolphins, die 100 Prozent Inklusion lebt, heizte dem Publikum mit Guter-Laune-Musik ein. Der Festakt am 3. Dezember 2013 – dem Welttag der Menschen mit Behinderung - in der Joseph-von-Fraunhofer-Halle in Straubing begann mit dem Lied „Always look on the bright side of life - Schau immer auf die Sonnenseite des Lebens”. Dieser Titel ist Programm für die Menschen, die bei der Feierstunde mit dem Preis „JobErfolg – Menschen mit Behinderung am Arbeitsplatz“ gewürdigt wurden. Die Auszeichnung vergeben der Bayerische Landtag, das Bayerische Sozialministerium und die Behindertenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung. 38 Bewerbungen waren diesmal eingegangen, so viele wie nie zuvor. Den Preis in der Kategorie öffentlicher Dienst erhielt der Markt Hirschaid in Oberfranken, den Preis für die Privatwirtschaft die Kern Bau GmbH aus Schönberg im Bayerischen Wald für ihr besonderes Engagement bei der Ausbildung von jungen Menschen mit geistiger Behinderung. Den Ehrenpreis bekam der Friseursalon Heidi Bender aus Schnaittach im Nürnberger Land, der auch ohne Beschäftigungspflicht Menschen mit Behinderung eine Chance gibt. Außerdem wurden die ZF Friedrichshafen AG in Passau, die Blaschke Umwelttechnik GmbH aus Meitingen , die Regierung von Oberbayern und die Verkehrspolizeiinspektion Nürnberg mit einer Urkunde für Ihr Engagement geehrt. „Sie sind Leuchttürme und Vorbilder“, lobte Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Sie wies aber auch darauf hin, dass noch ein großer Einsatz vor allem für Inklusion auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nötig ist. Die Barrieren im Kopf müssen abgebaut werden, betonte Irmgard Badura, die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Menschen mit Behinderung. Ihre Botschaft: „Es ist normal, verschieden zu sein.“

"An der Inklusion zeigt sich das Gesicht der Gesellschaft"

Jeder Preisträger hatte einen Laudator beziehungsweise eine Laudatorin. Die Präsentation des Marktes Hirschaid übernahm Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Die Gemeinde mit rund 12 000 Einwohnern im Landkreis Bamberg leistet in der Behindertenhilfe Großes. Seit vielen Jahren arbeiten in der Gemeindeverwaltung Menschen mit Behinderung, zum Teil auch mit schwerer Behinderung. Sechs sind es derzeit. Zu ihnen gehört zum Beispiel ein über 50-jähriger Mann, der in der Gemeindekasse eingesetzt ist. Er wurde als Kind Opfer eines schweren Verkehrsunfalls, ist auf den Rollstuhl angewiesen. Um ihn beschäftigen zu können, verzichtet die Gemeindeverwaltung auf den Einsatz schneller Computertechnik. Der schwerbehinderte Kollege erfasst die Daten mit einer speziell angepassten Schreibmaschine. Im September 2011 kam ein autistischer Kollege ins Bauamt. Die anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten sind inzwischen überwunden; die Belegschaft ist geduldig und unterstützt den Mitarbeiter tatkräftig, nimmt ihn auch in den Außendienst zu Vermessungsarbeiten mit. Probleme werden unbürokratisch gelöst: Weil der Kollege mehrmals die gesamte Festplatte des Behördennetzes gelöscht hatte, bekam er einen vom Netz abgekoppelten PC. Hinter diesem besonderen Engagement stehen vor allem 1.Bürgermeister Andreas Schlund und der Behindertenbeauftragte Dr. Josef Haas. Es waren berührende Augenblicke, als die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Bühne kamen, einer von ihnen im Rollstuhl. „An der Inklusion zeigt sich das Gesicht einer Gesellschaft“, zeigte sich Bürgermeister Andreas Schlund überzeugt. Ihm war es eine Herzensangelegenheit, Menschen mit Handikap aus seinem Ort und ihren Eltern helfen zu können.

So viel Hilfestellung wie nötig, aber dafür auch so viel Leistung wie möglich

Im Rollstuhl fuhr auch die 16-jährige Denise Degenhart auf die Bühne. Obwohl das Mädchen als Schulbeste den qualifizierenden Hauptschulabschluss geschafft hatte, fand es keinen Ausbildungsplatz. Das änderte sich erst, als Nicole Kern, die Schwiegertochter des Unternehmers Herbert Kern, über eine Schulfreundin bei der Lebenshilfe auf das Schicksal von Denise aufmerksam wurde. Sie sprach mit ihrem Schwiegervater. Dieser schloss sofort einen Ausbildungsvertrag als Bürokauffrau mit Denise ab und baute das Büro barrierefrei um – für Herbert Kern eine selbstverständliche Sache. Geld nahm er nie in Anspruch: Die 10 000 Euro, mit denen der Staat die Ausbildung von Denise förderte, spendete er ihrer ehemaligen Schule und ihren Eltern. Das Mädchen ist im Betrieb voll integriert: Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen auf Denise ein und unterstützen sie, wo es nötig ist, erwarten aber umgekehrt auch, dass sie ihre Aufgaben erfüllt. „Die Kern Bau GmbH in Schönberg ist ein Familienunternehmen im besten Sinn“, lobte Michael Höhenberger, der künftige Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration. Er vertrat Sozialministerin Emilia Müller bei der Preisverleihung in Straubing. In den drei Betrieben, die zu der Firmengruppe Kern gehören, arbeiten 74 Menschen; fünf davon sind schwerbehindert. Der Unternehmer gibt ihnen bewusst eine Chance, aus guten Erfahrungen heraus. „Wenn man Jugendlichen mit einer geistigen Behinderung oder einer Lernbehinderung die nötige Unterstützung gibt und sie Anerkennung und Erfolg erfahren, können sie genauso viel leisten wie Menschen ohne Behinderung“, ist Herbert Kern überzeugt. Niemand bekommt eine Extrawurst: Es gibt so viel Hilfestellung wie nötig, aber dafür auch so viel Leistung wie möglich, lautet das Credo.

Beispielhaftes Engagement

Beispielhaft ist auch das Engagement von Heidi Bender aus Schnaittach im Nürnberger Land. Sie beschäftigt in ihrem Salon vier Mitarbeiterinnen. Eine von ihnen ist die 20-jährige Nina Scheuring, deren linke Gesichtshälfte gelähmt ist, Folge einer Krebserkrankung mit elf Jahren. Nina musste immer wieder operiert werden, fiel längere Zeit aus. Trotzdem stellte Heidi Bender das talentierte Mädchen als Auszubildende ein und Nina nutzte ihre Chance: Die junge Frau schloss ihre Ausbildung mit der Note zwei ab, wurde im Sommer 2013 als Angestellte übernommen. Kundinnen und Kunden schätzen die engagierte Mitarbeiterin, die ihr Schicksal meistert. Die Kolleginnen mögen ihre offene Art, ihre Hilfsbereitschaft und ihre Teamfähigkeit, stärken ihr immer wieder den Rücken. „Solche Unternehmer und Unternehmerinnen brauchen wir“, freute sich Irmgard Badura, als sie voller Anerkennung den Ehrenpreis des JobErfolgs 2013 überreichte. Moderator Harald Mitterer, Niederbayernkorrespondent des Bayerischen Rundfunks, rief den Preisträgern zu: „Ganz Bayern ist stolz auf Sie!“

Nähere Informationen und Filme zu den Preisträgern erhalten Sie unter www.zbfs.bayern.de/integrationsamt/integrationspreis.html. Für weitere Informationen zum Programm ‚Chancen Schaffen II’ und zur ‚Initiative Inklusion‘ können sich Arbeitgeber an das Zentrum Bayern Familie und Soziales wenden. Häufig gestellte Fragen von Arbeitgebern beantwortet darüber hinaus die „Arbeitgeber-Schnellinfo“ des Zentrums Bayern Familie und Soziales unter www.zbfs.bayern.de/integrationsamt/arbeitgeber/index.html.

Zum 9. Mal wurde das Engagement von Arbeitgebern ausgezeichnet. | Foto: Rolf Poss
Landtagspräsidentin Barbara Stamm mit der Behindertenbeauftragten Irmgard Badura. | Foto: Rolf Poss
Für die Musik sorgten die Blue Dolphins. | Foto: Rolf Poss
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