Bayerischer Landtag

05.07.2012 - Tschechisch-bayerische Begegnungen im Maximilianeum: Prager Künstler bringt Menschen aus beiden Ländern zusammen

– Von Heidi Wolf –

Kunst verbindet Menschen: Pavel Roučka, einer der prominentesten zeitgenössischen Künstler Tschechiens, stellt bis zum 20. Juli 2012 im Bayerischen Landtag seine großformatigen Bilder in leuchtenden Farben aus. Die Eröffnung am Donnerstag, 5. Juli, wurde zu einer tschechisch-bayerischen Begegnung. „Kunst überwindet Gräben, öffnet das Herz und berührt die Seele – mehr braucht es nicht für eine Freundschaft, weniger darf es nicht sein“, freute sich Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Sie hat Pavel Roučka im Mai 2011 kennengelernt, als das Präsidium des Bayerischen Landtags Prag besucht hat und im Parlament der Tschechischen Republik empfangen wurde. Damals entstand die Idee für diese Ausstellung, denn Roučka ist seit Jahrzehnten ein Brückenbauer zwischen den beiden Ländern. Als mutiger Grenzgänger hat er schon in den 1970-er Jahren, als noch der Eiserne Vorhang Bayern und Böhmen voneinander abriegelte, für eine gute Nachbarschaft geworben. „Ich bin ein Verliebter in Bayern“, gestand der Prager Maler deshalb auch bei der Ausstellungseröffnung.

Dr. Rudolf Jindrák, der Botschafter der Tschechischen Republik in der Bundesrepublik Deutschland, wertete die Begegnung im Bayerischen Landtag als weiteren Schritt, die guten und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern auszubauen, denn: „Gute Beziehungen entstehen nicht von selbst und wir sollten sie nicht für selbstverständlich halten. Wenn wir nach freundschaftlichen Beziehungen streben, erfordert es von uns Entschluss, Geduld, Verständnis und vor allem ein großes Engagement und ein hohes Maß an Aktivität.“ Er sei froh, dass nach Jahren der Trennung und der Isolation immer mehr Barrieren und Misstrauen abgebaut wurden“, sagte Dr. Rudolf Jindrák. Dazu habe Pavel Roučka als früher Brückenbauer unbeirrt beigetragen – ein international anerkannter Künstler, dessen Werke in den besten internationalen Galerien hängen, natürlich auch in der Nationalgalerie in Prag, betonte der Botschafter.

Huldigung an die Brüder Dientzenhofer

Pavel Roučka nennt die Ausstellung im Bayerischen Landtag eine Huldigung an die fünf Brüder Dientzenhofer – die bayerisch-böhmischen Baumeister. Sie hatten ihre Wurzeln im bayerischen Inntal, schufen in Bayern und Böhmen prächtige Barockbauten. Für Roučka sind sie Vorbilder in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. „Barock“ ist sein Thema. „Die Bezeichnung, ursprünglich abwertend gemeint, entspringt der portugiesischen Sprache, in der unregelmäßig geformte Perlen als „barocco“, als „schiefrund“ oder auch “windschief“ bezeichnet werden“, erklärte Dr. Martin Angerer, der Direktor der Museen der Stadt Regensburg. Er führte in die Ausstellung ein, berichtete auch von der sehr privaten Beziehung des Künstlers zum „Schiefrunden“: „Pavel Roučka liebt Bayern und Böhmen und man bereitet ihm eine große Freude, wenn man ihm einen schiefrunden Laib Holzofenbrotes mitbringt“, verriet der Redner.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm stellte die Leidenschaft in den Bildern des Prager Malers heraus. „Nur mit dieser Leidenschaft schlägt man Brücken zwischen den Menschen, entdeckt man Gemeinsames und entwickelt Neugierde für das Unterschiedliche. Sein Engagement war und ist ansteckend“, stellte Stamm fest, die deshalb auch fast 300 Gäste aus beiden Ländern begrüßen konnte: Vizepräsident Franz Maget, Weggefährten des Künstlers, Bürgermeister aus den Grenzregionen, Sammler und Galeristen und Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrern: von der Staatlichen Berufsschule Waldkirchen in Niederbayern und der Ludwig-Erhard-Schule in Waldmünchen in der Oberpfalz. Die Berufsschule in Waldkirchen pflegt seit 1992 eine enge und intensive Partnerschaft mit der Beruflichen Mittelschule im tschechischen Winterberg – Vimperk. Dabei seien großartige Gemeinschaftsprojekte entstanden wie das Vogelnest für die kleine Landesgartenschau in Waldkirchen oder ein deutsch-tschechisch-englisches Wörterbuch, schilderte Barbara Stamm Beispiele grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Dazu gehöre auch die neue Berufsfachschule für Euromanagement-Assistenten, die es seit Beginn des Schuljahres 2011/12 an der Wirtschaftschule Waldmünchen gebe. Dort werde eine zweijährige Berufsausbildung mit dem Profilfach Tschechisch angeboten. Barbara Stamm erwähnte auch, dass vor wenigen Tagen – am 2. Juli – 50 Schülerinnen und Schüler aus ganz Ostbayern das Tschechisch-Zertifikat erhalten haben. „50 Prozent mehr junge Leute als im vergangenen Jahr haben diese Prüfung gemacht. Das zeigt: Wir sind auf einem hervorragenden Weg!“, stellte die Landtagspräsidentin anerkennend fest.

Kunst spricht die Herzen an

Die Sprache als verbindendes Element und natürlich die Kunst, die Herzen anspricht und Gefühle weckt: Für die Ausstellung im Bayerischen Landtag hat Pavel Roučka zwei Bilder gemalt, die er „Grenzüberschreitungen“ nennt. Der Wunsch von Landtagspräsidentin Barbara Stamm: „Nehmen wir die Ausstellung und die Begegnung als Symbol für das gute Miteinander von Tschechen und Bayern heute und in Zukunft!“

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