Bayerischer Landtag

05.07.2013 - 2. Kinderparlament im Landtag - 175 „Mini-Abgeordnete“ erklären, welche Erwartungen sie an die Politik haben

– Von Katja Helmö –

Schreiben, Rechnen, Heimat- und Sachkunde standen am 5. Juli 2013 ausnahmsweise nicht auf dem Stundenplan, stattdessen verbrachten 175 Grundschüler aus allen sieben Regierungsbezirken einen Schultag im Landtag: Beim 2. Kinderparlament lernten sie, wie Demokratie funktioniert und dass Kinder dabei auch mitreden dürfen.

Im Gespräch mit den Abgeordneten konnten die Viertklässler ihre eigenen Ideen, Wünsche und Anregungen an die Politik formulieren und anschließend im Plenum vorstellen – darunter: „mehr Sportstunden an den Schulen“, „mehr Windräder und weniger Atomkraftwerke“, „eine bessere Pflege der Tiere“. Landtagspräsidentin Barbara Stamm und die Mitglieder der Kinderkommission dankten den Mini-Abgeordneten für ihr Engagement im Parlament und versprachen, die Ergebnisse in die politische Arbeit mit einfließen zu lassen. Ein Kinderreporter-Team war live mit dabei und dokumentierte seine Eindrücke in der „Kinderpresse“.

Bild: Titelseite der Kinderpresse | Foto: Kinderparalament
Titelseite der Kinderpresse | © Kinderparalament

Kinderpresse zum 2. Kinderparlament im Landtag
- Aktuelle Ausgabe vom 7. Juli 2013
mehr (Dokument vorlesen)

Schilder der Arbeitsgruppen: Die Kinder konnten zu fünf Themenschwerpunkten ihre Positionen formulieren. | Foto: Rolf Poss
Landtagspräsidentin Barbara Stamm (links) und Mitglieder der Kinderkommission hießen die Mädchen und Buben herzlich willkommen. | Foto: Rolf Poss
2. Kinderparlament: Der Landtag gibt 175 Grundschülern eine politische Stimme. | Foto: Rolf Poss
Blick in den Plenarsaal. Kinder der Grundschule Obing, Außenstelle Pittenhart, kamen in Tracht. | Foto: Rolf Poss
Dokumentation mit der Videokamera oder dem Smartphone: Schüler der Grundschule an der Berg-am-Laim-Straße München sind als Kinderreporter im Einsatz und dokumentieren ihre Eindrücke. | Foto: Rolf Poss
Voller Plenarsaal: 175 Kinder von sieben Grundschulen waren beim Kinderparlament mit dabei. | Foto: Rolf Poss
Kinder der roten Arbeitsgruppe beschäftigten sich mit dem Thema: Das ist (un)gerecht!? | Foto: Rolf Poss
Gesundheit - ja klar!? Um dieses Thema ging es in der blauen Arbeitsgruppe. | Foto: Rolf Poss
In die Schule geh ich gerne!? - Zu diesem Thema trugen Kinder aus der Orange-Gruppe ihre Positionen zusammen. | Foto: Rolf Poss
Redaktionssitzung der Kinderreporter. Hier entstand tagesaktuell die Publikation Kinderpresse. | Foto: Rolf Poss
Mittagspause auf der nördlichen Terrasse, Eingangshalle West. | Foto: Rolf Poss
Nach dem Mittagessen gab es eine Luftballon-Aktion: Welcher Ballon fliegt am weitesten? | Foto: Rolf Poss
Schuhplatteln: Die Kinder der Grundschule Obing, Außenstelle Pittenhart, gaben in der Mittagspause vor der Westpforte eine Einlage. | Foto: Rolf Poss
Mit Spannung erwartet: Zum Abschluss präsentierten die Kinder ihre Ergebnisse im Plenarsaal. | Foto: Rolf Poss
`Ihr ward ein Geschenk für uns im Landtag` - Landtagspräsidentin dankte beim Abschied den Kindern für ihre engagierte Mitarbeit. | Foto: Rolf Poss

165 Bewerbungen von Grundschulen waren im Vorfeld für die Teilnahme am 2. Kinderparlament eingegangen, sieben davon – für jeden Regierungsbezirk eine – wurden per Losverfahren ausgewählt. Für die Bezirke Ober- und Niederbayern sowie den Bezirk Oberpfalz durften Kinder der Grundschule Obing, der Grundschule Geiselhöring und der Grundschule Seubersdorf nach München fahren. Aus dem Bezirk Schwaben nahmen Schüler aus Eurasburg teil. Aus Franken waren Mädchen und Buben der Friedrich-Wanderer-Grundschule Nürnberg (Mittelfranken), der Grundschule Burgkunstadt-Mainroth (Oberfranken) und der Volksschule Kirchlauter (Unterfranken) im Landtag vertreten.

175 „Mini-Abgeordnete“

Nach dem 1. Kinderparlament im Maximilianeum vor zwei Jahren freute sich Landtagspräsidentin Barbara Stamm über die erneute Einberufung von Mädchen und Buben in das bayerische Parlament: „Es ist mir ein großes Anliegen, Kinder schon sehr frühzeitig an die Politik heranzuführen und sie mit der parlamentarischen Demokratie vertraut zu machen“, sagte die Präsidentin. Im Plenarsaal hieß sie gemeinsam mit den Abgeordneten Brigitte Meyer, Kerstin Schreyer-Stäblein, Dr. Simone Strohmayr und Claudia Stamm die insgesamt 175 „Mini-Abgeordneten“ herzlich im Maximilianeum willkommen.

Im Unterricht hatten die Kinder zusammen mit ihren Lehrkräften die Veranstaltung schon ein bisschen vorbereitet: „Wir waren im Internet und haben uns dort über die Arbeitsweise des Parlaments informiert“, berichtete Edith Rappl von der Grundschule Seubersdorf. Auch inhaltlich hatten sich die Neun- und Zehnjährigen schon erste Gedanken gemacht: „Kinder werden bei wichtigen Entscheidungen oft nicht beachtet“, bedauerte der 10jährige Jonas Eicke aus der Grundschule Geiselhöring, der zu dem Thema Kinderrechte und Kinderkommission sogar schon ein Referat in der Klasse gehalten hat. Julia Ertl, ebenfalls aus der 4a in Geiselhöring, freute sich riesig, endlich im Landtag zu sein – denn genau dort will sie eines Tages als Abgeordnete arbeiten. Schon jetzt kennt sie die Namen aller Minister und Staatssekretäre auf Landes- und Bundesebene auswendig!

Wie in der richtigen Politik arbeiteten die Mädchen und Buben zunächst in „Ausschüssen“ bzw. Arbeitsgruppen. Zu fünf Themenschwerpunkten – „Das ist (un)gerecht!?“, „In die Schule geh´ ich gerne!?“, „Natürliche Umwelt!?“, „Gesundheit – ja klar!?“ und „Alle miteinander!?“ – sammelten sie dort ihre Forderungen an die Politik: Es sollten nicht so viele Bäume gefällt werden; Und: Die Leute sollten weniger mit dem Auto, dafür mehr mit dem Fahrrad fahren, waren Stichpunkte, die sie mit bunten Stiften auf großformatigen Bögen festhielten. Weniger Mobbing auf dem Pausenhof, weniger Hausaufgaben und Proben, dafür mehr Hitzefrei, mehr Sportangebote und ein späterer Unterrichtsbeginn lauteten weitere Anregungen.

Gezückte Stifte, Notizblöcke und einsatzbereite Fotoapparate

Moderiert wurde die Arbeit in den „Ausschüssen“ von Mitarbeitern der Forschungsgruppe Jugend und Europa am Centrum für angewandte Politikforschung (C.A.P.). Als Ansprechpartner standen dort außerdem die Mitglieder der Kinderkommission zur Verfügung, die als „echte“ Abgeordnete die Diskussionen genau mitverfolgten und Fragen beantworteten. Im Landtag gehören sie der „Kinderfraktion“ an, das heißt, dass sie sich im Parlament ganz besonders für die Belange der Kinder einsetzen.

Die Viertklässler waren mit Feuereifer dabei, machten Vorschläge und berichteten, was sie bewegt, welche Erwartungen sie an die Politik haben und wie sie sich ihre Zukunft wünschen. Alle wichtigen Positionen wurden in großen Lettern auf Plakaten niedergeschrieben. Überall mit dabei: die Kinderreporter der Grundschule an der Berg-am-Laim-Straße in München, die – wie echte Journalisten – mit gezückten Stiften, Notizblöcken und einsatzbereiten Fotoapparaten ihre Eindrücke aus den Ausschüssen in Wort und Bild festhielten. Ihre Beobachtungen können in der „Kinderpresse“ nachgelesen werden. 

Bei der Schlusspräsentation stellten die Mini-Abgeordneten dann die Ergebnisse ihrer Arbeit im Plenum vor und händigten die Plakate als Schlussdokumente an die Politiker aus. „Wir können nicht alle Eure Vorschläge aufgreifen. Aber wir werden über Eure Anregungen nachdenken und die Themen auch bei den zuständigen Ministerien einbringen“, unterstrich Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Auch Brigitte Meyer und Eva Gottstein von der Kinderkommission erklärten beim Abschied: „Eure Ideen und Anliegen werden aufgearbeitet." Und: „Die Kinderkommission meldet sich wieder bei Euch – Versprochen!“

Seitenanfang