Bayerischer Landtag

05.10.2009 - Landtagspräsidium auf Besuch in Oberfranken: Region präsentiert sich selbstbewusst und optimistisch

Auf dem Besichtigungsprogramm standen das Landesamt für Umwelt (LfU) in Hof, die Geschwister-Gummi-Stiftung in Kulmbach und das Kompetenzzentrum „Neue Materialien Nordbayern“ in Bayreuth. Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, der die Delegation anführte, war beeindruckt. Seine Feststellung: „Oberfranken nimmt inzwischen in vielen Bereichen eine Spitzenposition ein und hat Vorbildcharakter für ganz Bayern.“

Mitglieder des Präsidiums in Oberfranken

Mitglieder des Präsidiums am Haupteingang des Landesamts für Umwelt (LfU) in Hof. Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet (5.v.l.) leitete die Delegation. | Foto: LFU
Mitglieder des Präsidiums am Haupteingang des Landesamts für Umwelt (LfU) in Hof. Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet (5.v.l.) leitete die Delegation. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

„Die Volksvertretung kommt zum Volk“ – unter diesem Motto sucht das Präsidium des Bayerischen Landtags das Gespräch mit den Bürgern in den sieben Regierungsbezirken und informiert sich selbst über die Situation in der jeweiligen Region.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm hatte Oberfranken ganz bewusst als erstes Ziel gewählt, konnte aber zu ihrem großen Bedauern wegen der Koalitionsverhandlungen in Berlin nicht an der Reise nicht teilnehmen. „Als Fränkin weiß sie, dass man sich manchmal etwas an den Rand gedrängt fühlt, je weiter man von der Landeshauptstadt entfernt ist. Diesem Eindruck will der gesamte Landtag entgegenwirken“, überbrachte Vizepräsident Reinhold Bocklet die Botschaft an die Menschen in der Region und betonte: „Wir wollen mit diesem Besuch auch die Arbeit unserer Kolleginnen und Kollegen aus Oberfranken vor Ort unterstützen.“

Mit dabei waren Alexander König und Gudrun Brendel-Fischer von der CSU, Inge Aures, Christa Steiger und Christoph Rabenstein von der SPD, Thomas Hacker von der FDP und Ulrike Gote von Bündnis90/Die Grünen. Das Präsidium des Bayerischen Landtags vertraten neben Reinhold Bocklet die Vizepräsidenten Peter Meyer (FW), Jörg Rohde (FDP) und Christine Stahl (Bündnis 90/Die Grünen) sowie die Abgeordneten Walter Nadler, Reserl Sem und Sylvia Stierstorfer von der CSU sowie Christa Steiger von der SPD.

Bild: Die Mitglieder des Präsidiums in der Hochwassernachrichtenzentrale des LfU | Foto: LfU
Die Mitglieder des Präsidiums in der Hochwassernachrichtenzentrale des LfU | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

LfU-Verlagerung aus strukturpolitischen Gründen

Erste Station bei diesem Antrittsbesuch in Oberfranken war das Landesamt für Umwelt (LfU) in Hof – ein Beispiel für die Verlagerung von Behörden aus der Großstadt München hinaus in die Region.

Drei Mitarbeiter waren dort im März 2006 beschäftigt, inzwischen sind es 300, berichtete Präsident Albert Göttle. Die meisten Probleme, die der Umzug mit sich gebracht habe, seien inzwischen gelöst.

Ärger gibt es aber noch bei den Fernpendlern zwischen München und Hof. Sie bekommen die Reisekosten nur teilweise ersetzt und empfinden das jede Woche aufs Neue als ungerecht, schilderte Walter Martin, der Vorsitzende des Gesamtpersonalrates, die Situation. Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet konnte das nachvollziehen und kündigte an. „Damit müssen wir uns noch einmal befassen.“ Insgesamt aber sei der Umzug nach Hof aus strukturpolitischen Gründen eine richtige Entscheidung gewesen.

Geschwister-Gummi-Stiftung: „Ein Modell für ganz Bayern“

Menschlich tief beeindruckt war die Delegation von der Arbeit der Geschwister-Gummi-Stiftung in Kulmbach. Eduard, Christiana und Eva Gummi haben 1862 diese Stiftung gegründet. „Sie hatten Geld, aber keine Kinder“, schilderte Karl-Heinz Kuch, der Geschäftsführer der Diakonie Kulmbach, die Entstehung. Aus dem früheren Waisenhaus hat sich ein führender Kinder- und Jugendhilfeträger in Oberfranken mit vielen Hilfen, Einrichtungen und Angeboten entwickelt.

Zum Angebot gehören Kinderheim und Kinderwohngruppen, mobile Jugendhilfe, heilpädagogische Tagesstätten, Schülerhorte, Mehrgenerationenhaus und Familientreff, Jugendsozialarbeit und „fit für kids“-Kurse. Überaus engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichteten von schlimmen Schicksalen: Sie haben immer mehr mit Kindern zu tun, die aus überforderten Elternhäusern kommen, schon als kleine Buben und Mädchen missbraucht oder misshandelt wurden. Ziel ist trotzdem die Rückkehr in die Familie oder – wenn das nicht gelingt – in eine Pflegefamilie. „Ein Modell für ganz Bayern“, lautete das Urteil der Abgeordneten.

Bild: Besichtigung des Kompetenzzentrums
Besichtigung des Kompetenzzentrums "Neue Materialien Nordbayern" in Bayreuth | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

„Oberfranken hat sich zu einem wichtigen Wirtschafts- und Forschungsstandort entwickelt“

Geballte Werkstoffkompetenz erlebte die Delegation im Kompetenzzentrum „Neue Materialien Nordbayern“ in Bayreuth, das mit der dortigen Universität eng zusammenarbeitet. Spitzenteams aus Wissenschaftlern und Technikern entwickeln hier innovative Produkte und Fertigungsverfahren.

Nur zwei Beispiele: Laser- und Elektronenstahlschweißen für die Flugzeugindustrie, Warmumformen für renommierte Autobauer. „Besser konnte man die 56 Millionen Euro aus der High-Tech-Offensive des Freistaates Bayern nicht anlegen“, stellte Vizepräsident Bocklet zufrieden fest. „Oberfranken hat sich zu einem wichtigen Wirtschafts- und Forschungsstandort entwickelt“ – mit diesem Eindruck kehrte das Präsidium nach München zurück.

Abendempfang des Bayerischen Landtags im Hotel Arvena in Bayreuth

Den Regionalbesuch rundete ein Empfang in Bayreuth ab, zu dem 350 vor allem ehrenamtlich tätige Menschen aus Oberfranken geladen waren. Der Bayerische Landtag wollte ihnen damit für ihr vielfältiges Engagement danken. /hw

Abendempfang des Bayerischen Landtags in Bayreuth | Foto: Schwarzenbach
Abendempfang des Bayerischen Landtags in Bayreuth | Foto: Schwarzenbach
Vizepräsident Reinhold Bocklet im Gespräch mit Albert Göttle, Präsident des LfU | Foto: Schwarzenbach
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