Bayerischer Landtag

06.10.2011 - Partnerschaft des Landtags zum Parlament von Québec vertieft

Bild: Herzlicher Empfang im Parlamentsgebäude in Québec-Stadt : Jacques Chagnon, Präsident der Nationalversammlung (4. von links in der 1. Reihe) hieß die Delegation aus Bayern willkommen. | Foto: Heidi Wolf
Herzlicher Empfang im Parlamentsgebäude in Québec-Stadt : Jacques Chagnon, Präsident der Nationalversammlung (4. von links in der 1. Reihe) hieß die Delegation aus Bayern willkommen. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

-Von Heidi Wolf -

Das Präsidium des Bayerischen Landtags baut die Partnerschaft zum Parlament von Québec aus. Die Delegation führt auf ihrer Informationsreise durch Kanada, die vom 30. September bis 7. Oktober 2011 dauert, Gespräche mit Abgeordneten der Assemblée Nationale. Bei den Gesprächen zwischen Bayern und Québecois geht es um Themen, die beide Seiten interessieren: Immigration und Integration, Bildung und Energieversorgung. Auch die Öffentlichkeitsarbeit sorgt für Gesprächsstoff: Beide Seiten haben Konzepte entwickelt, um die Arbeit der Parlamente transparent zu machen und damit bei den Bürgerinnen und Bürgern größeres Interesse zu wecken. In Québec gibt es sogar ein eigenes Parlamentsfernsehen. In intensiven Arbeitssitzungen wurde die Einwanderungspolitik erörtert. Québec, die größte Provinz Kanadas, hat im vergangenen Jahr 54 000 Immigranten aufgenommen – die höchste Zahl seit 1971. In ganz Kanada waren es 280 000. Kathleen Weil, die Ministerin für Immigration und Integration, unterstützt diese Entwicklung. Premierminister Jean Charest hat in seiner Antrittsrede den Grundsatz ausgegeben: „Québec muss zu einem weltweiten Anziehungspunkt für qualifizierte Fachkräfte werden. Im Focus stehen dabei gut ausgebildete junge Leute, die französisch sprechen.“

Québec ist die letzte Station auf der Informationsreise durch Kanada. In Montréal traf sich das Präsidium des Bayerischen Landtags mit Robert Sauvé, dem Amtschef des Ministeriums für natürliche Ressourcen. Er informierte die Gäste aus Bayern über den Plan Nord, ein ehrgeiziges Vorhaben im Norden der Provinz. 80 Milliarden kanadische Dollar – das sind 56 Milliarden Euro – sollen in den nächsten 25 Jahren in das Projekt investiert werden. Es ist geplant, die natürlichen Ressourcen auf einer Fläche von 1,2 Millionen Quadratkilometern zu erschließen und gleichzeitig naturnahen Tourismus zu fördern. Es handelt sich dabei um 72 Prozent der Gesamtfläche von Québec. In der Region gibt es Bodenschätze in Hülle und Fülle: Gold und Diamanten, Platin, Nickel, Kobalt, Zink, Eisenerz und seltene Erden. Vom Plan Nord sollen auch die Einwohner profitieren. Auf der riesigen Fläche leben nur 120.000 Menschen, 33 000 davon – etwas mehr als ein Viertel – gehören der indigenen Bevölkerung an: Cree, Inuit, Innu und Naskapie. Auch sie sollen von dem Vorhaben profitieren, versicherte Robert Sauvé. Der Plan Nord sei in enger Abstimmung mit den Vertretern der First Nations entwickelt worden.

In Ottawa empfing Gerald Keddy, Parlamentarischer Staatssekretär im Kanadischen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und Internationalen Handel, die Delegation aus Bayern. Eindringlich schilderte er, wie sehr sein Land auf ein Abkommen mit der Europäischen Union wartet. „Wir gehen jetzt in die neunte Runde und hoffen, dass endlich der Durchbruch gelingt“, berichtete der Politiker. Kanada will auf den europäischen Markt, um von den USA unabhängiger zu werden. „Man muss nicht alle Eier in einen Korb legen“, lautete der Kommentar von Gerald Keddy.

Der Besuch in Kanada hat alle Erwartungen erfüllt, ziehen die Mitglieder der Delegation als erste Zwischenbilanz. Der Bayerische Landtag hat seit 2003 eine Partnerschaft mit der Assemblée Nationale du Québec. Die enge Zusammenarbeit zwischen Bayern und Québec existiert bereits seit mehr als 22 Jahren und hat in dieser Zeit mehr als 450 Kooperationsprojekte hervorgebracht. „Trotz der großen Entfernung handelt es sich um eine sehr lebendige Partnerschaft. Wir spüren hier eine große Offenheit und Herzlichkeit“, fasst Landtagspräsidentin Barbara Stamm ihre Eindrücke zusammen.

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