Bayerischer Landtag

Internationaler Tag der Sinti und Roma

Der Holocaustüberlebende Ernst Grube im Gespräch mit Erich Schneeberger. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die Redner der Veranstaltung im Senatssaal. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Geiger Nico Franz sorgte für die Musik. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

7. April 2017

München. Seit 1990 wird der 8. April international als Tag der Roma begangen. Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote hatte aus diesem Anlass in den Bayerischen Landtag eingeladen. Unter dem Motto "Sinti und Roma - zuhause in Bayern und Europa" wurde die Situation von Sinti und Roma erörtert. Ulrike Gote versicherte den Gästen im Senatssaal des Maximilianeums die Verbundenheit und Unterstützung der Sinti und Roma durch den Landtag. "Und das sage ich ausdrücklich im Namen aller Fraktionen", betonte Gote. Sie wisse, dass es nach der Katastrophe des Holocaust mit 500 000 ermordeten Sinti und Roma schwer sei, wieder Vertrauen zu fassen. "Jede Begegngung ist ein Mosaikstein für dieses Vertrauen". Gote erklärte, ihr sei wohl bewusst, dass die Verfolgung und Ermordung der Roman durch das nationalsozialistische Terrorregime viel zu spät wahrgenommen wurde und und immer noch zu wenig im Bewusstsein ist. Und immer noch sei Antiziganismus weit verbreitet, weshalb es ein wichtiges Signal gewesen sei, dass sich der Freistaat 2007 in einer Erklärung zu seiner Verantwortung gegenüber Sinti und Roma bekannt habe und die etwa 12 000 Menschen als Minderheit anerkannt habe.

"Sinti und Roma müssen sichtbarer werden"

Erich Schneeberger, Vorsitzender des Bayerischen Landesverbandes der Deutschen Sinti und Roma, appellierte an die Politik, aktiver gegen Antiziganismus vorzugehen. "Die Bundesrepublik hat bei der Aufarbeitung des Holocaust an jüdischen Menschen und im Kampf gegen Antisemitismus gezeigt, dass man viel erreichen kann. Das würde ich mir auch für die Sinti und Roma wünschen", sagte Schneeberger. Die Sinti und Roma müssten sichtbarer in der Gesellschaft werden und häufiger in Institutionen und Gremien als Verteter einer Minderheit berücksichtigt werden. Seit über 500 Jahren würden die Sinti und Roma zu deutschen Gesellschaft gehören und würden dennoch oft ausgegrenzt und mit Klischees verbunden, wie neue Studien regelmäßig belegen. Die Sinti und Roma seien Teil des Landes und wollten dies auch sein. Gleichzeitig möchten sie ihre kulturelle Identität bewahren und ihre Sprache - Romanes - weiter pflegen und für folgende Generationen bewahren.

Roma sind die größte Minderheit Europas


In ihrem Impulsreferat zur EU-Roma_Strategie, erklärte die EU-Abgeordnete Barbara Lochbihler, dass in Brüssel bereits zum zweiten Mal eine eigene Themenwoche zum Tag der Roma veranstaltet wurde. Dies generiere Aufmerksamkeit für ein Thema, das in der politischen Debatte oft zu kurz komme: den Hass gegen die Roma in vielen europäischen Ländern. Auch im EU-Parlament gebe es einige Rassisten und Menschenfeinde, die kaum erträgliche Tiraden gegen Roma vortragen würden. Lochbihler sieht darin nicht nur ein Problem für die Sinti und Roma. "Antiziganismus ist auch unser Problem, denn er zeigt auf, wie es um eine Gesellschaft steht, die soetwas zulässt", so Lochbihler. Langer Applaus im Saal, darunter auch von Holocaust-Überlebenden. / zg

 

Die Abgeordnete Isabell Zacharias mit Erich Schneeberger. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die Europaabgeordnete Barbara Lochbihler hielt das Impulsreferat. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Vizepräsidentin Ulrike Gote hatte zu der Veranstaltung in den Landtag eingeladen. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Seitenanfang