Bayerischer Landtag

07.11.2012 - Junge Beamte "beschatten" Abgeordnete

Bild: Amtschef Peter Worm (rechts) begrüßt die Teilnehmer des
Amtschef Peter Worm (rechts) begrüßt die Teilnehmer des "Shadowing"-Programms im Bayerischen Landtag. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

- Von Zoran Gojic -

Zum zweiten Mal wurden die Abgeordneten des Bayerischen Landtags nun schon bei ihrer Arbeit beschattet. Ganz offen und offiziell: „Shadowing“ heißt das Programm, das 2011 auf Initiative von Dr. Peer Frieß zum ersten Mal stattfand. Der Leiter des Referats für ressortübergreifende Fortbildung in der Bayerischen Staatskanzlei und Geschäftsführer des Lehrgangs für Verwaltungsführung hatte die Idee, die Teilnehmer des „Prinzenkurses“ für die besten Nachwuchsführungskräfte in der Staatsverwaltung einen Tag lang in den Landtag zu entsenden, um dort Abgeordnete aus allen Fraktionen bei ihrer Arbeit zu begleiten.

Es gibt keine Geheimnisse

Das Grundprinzip beim „Shadowing“ lautet: es gibt keine Geheimnisse. Die 17 jungen Beamtinnen und Beamte durften die Abgeordneten überall hin begleiten und auch an den jeweiligen internen Fraktionssitzungen teilnehmen, freilich unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Sandra Brandt vom Bayerischen Amt für Umwelt fand ihren Tag mit Kathrin Sonnenholzner (SPD) spannend und sehr informativ. Überraschungen erlebte sie nicht. Dass die Abgeordneten viel Engagement und Zeit in ihre Landtagsarbeit einbringen, hatte sie erwartet. Aber wie genau das dann im parlamentarischen Alltag aussieht, das fand sie immens aufschlussreich. „Man bekommt ganz andere Einblicke und Erkenntnisse, wenn man es aus der Nähe betrachten kann. Die doppelte Belastung durch Stimmkreis- und Landtagsarbeit war mir zum Beispiel in der Form vorher nicht bewusst. Das sind zwei völlig unterschiedliche Arbeitsfelder“, erklärte Brandt. Für Sonnenholzner war es hingegen hochinteressant, einer Außenstehenden die eigene Arbeit zu erläutern. „Jemandem zu erklären, was gerade vor sich geht, der nicht in derselben Routine steckt, das Ganze aus einem anderem Blickwinkel sieht, war für mich selber interessant“, sagte Sonnenholzner.

Beeidnruckt vom harmonischen Teamwork

Auch Mathias Marschall vom Referat für Bildung und Sport der Landeshauptstadt München hatte eine recht klare Vorstellung von der Arbeit im Landtag. „Dass es viel vorbereitende Arbeit in den Ausschüssen gibt und dort letztlich auch die Entscheidungen getroffen werden, war mir bewusst. Allerdings hat mich überrascht, wie viele Sitzungen parallel stattfinden und wie viel Flexibilität und thematische Vielfalt den Abgeordneten abverlangt wird“, sagte Marschall, dem das harmonische Teamwork im Mitarbeiterstab „seines“ Abgeordneten Markus Blume auffiel. „Es wird konzentriert gearbeitet, aber man ist entspannt im Umgang. Und für mich ist das sehr wichtig: wie man miteinander umgeht und kommuniziert“, betonte Marschall. Er hält Programme wie das „Shadowing“ für gut geeignet, um das Verhältnis zwischen Verwaltung und Politik noch effizienter und vertrauensvoller zu gestalten. Und dabei helfe der persönliche Erfahrungsaustausch: „Erlebtes ist nachhaltiger als Berichtetes“, ist Marschall überzeugt. „Pate“ Markus Blume (CSU) glaubt, dass es für Außenstehende besonders interessant ist, aus nächster Nähe mitzuerleben, wie sich Meinungen im politischen Prozess bilden. „Ich denke, da kann man sein Wissen über Entscheidungsfindungsprozesse vertiefen und viel mitnehmen“, zeigte sich Blume überzeugt.

Gemeinsamer Wunsch nach "Shadowing" durch die Abgeordneten in der Verwaltung

Eine Idee, die sowohl die Beamtinnen und Beamten als auch die Abgeordneten attraktiv erscheint, ist die Umkehrung der Vorzeichen. „Ein Tag in der Verwaltung wäre für einen Politiker sicher sehr interessant“, sagte Blume. Auch Kathrin Sonnenholzner sieht das so: „Ich hätte mir das als neue Abgeordnete ohne Verwaltungserfahrung sehr sinnvoll vorgestellt“. „Shadowing“-Initiator Dr. Peer Frieß hat genug Zeit, um diese Anregung umzusetzen – wegen der Landtagswahlen 2013 wird erst wieder 2014 „beschattet“. Dann vielleicht mit vertauschten Rollen.

Markus Blume mit seinem Schatten Mathias Marschall (links). | Foto: Rolf Poss
Sandra Brandt (rechts) mit der Abgeordneten Kathrin Sonnenholzner. | Foto: Rolf Poss
Zusammenarbeit bei der Fortbildung: Herbert Kammermeier, Leiter der Abteilung Parlamentarische Dienste, Landtags-Amtschef Peter Worm, Karolina Gernbauer Amtschefin der Staatskanzlei und Dr. Peer Frieß, Leiter des Referats für ressortübergreifende Fortbild | Foto: Rolf Poss
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