Bayerischer Landtag

07.12.2009 - Bayerischer Landtag verleiht Bürgerkulturpreis 2009

Bild: 1. Preis: das Bürgerforum Gräfenberg | Foto: Rolf Poss
1. Preis: das Bürgerforum Gräfenberg| © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Die 10. Bürgerkulturpreise des Bayerischen Landtags sind verliehen. Den 1. Preis, der mit 10 000 Euro dotiert ist, erhielt das Bürgerforum im oberfränkischen Gräfenberg am Montag bei einem Festakt im Maximilianeum für seinen kreativen Widerstand gegen die rechtsextremen Umtriebe in seinem Heimatort. Ein Fernsehfilm aus den Anfangszeiten belegte eindrucksvoll, wie sich die Menschen gegen die Aufmärsche der Neonazis solidarisiert haben. Mit der Bemerkung „Die tapferen Gräfenberger“ bat Moderator Uli Bachmeier die Vertreter des Bürgerforums auf das Podium, wo ihnen Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet den Bürgerkulturpreis 2009 überreichte.

Leitthema „Demokratie leben und stärken“

Der Wettbewerb stand heuer unter dem Leitthema „Demokratie leben und stärken.“ „Demokratie ist kostbar, musste erkämpft werden und muss wehrhaft sein, sie ist nicht aus sich selbst heraus vorhanden, und sie ist nicht ein für allemal erreicht, sondern muss jeden Tag neu errungen und gesichert werden“, betonte Vizepräsident Reinhold Bocklet in seiner Festrede. Eine demokratische Gesellschaft könne ohne bürgerschaftliches, ohne freiwilliges Enga­gement nicht auskommen. Wer sich dagegen wehre, dass Menschen mit Behinderung, Ausländer und Obdachlose angepöbelt, beleidigt und zu Tode gehetzt werden, der fülle die Grundwerte, Ziele und Schutzgüter unseres Grundgesetzes mit Leben aus. Dafür stünden die Bürgerkulturpreisträger 2009. Sie wurden von einer neunköpfigen Jury mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Vertretern der fünf Fraktionen im Landtag, des Bayerischen Städte- und des Gemeindetages und dem Vorsitzenden der Landtagspresse ausgewählt.

Unter den vielen zum Bürgerkulturpreis eingereichten Bewerbungen hat der Bayerische Landtag drei Initiativen ausgewählt, die sich in besonders vorbildlicher Weise für die Stärkung der Demokratie einsetzen. Uli Bachmeier, Vorsitzender der Landtagspresse, stellte die Preisträger und ihre Arbeiten vor.

Den 1. Preis erhielt das Bürgerforum Gräfenberg mit seinem Projekt „Für Demokratie und gegen Rechtsextremismus“.
Kurzbeschreibung:
Das Bürgerforum Gräfenberg stellt ein breites Bürgerbündnis quer durch die politischen und sozialen Milieus dar, das sich maßgeblich für Demokratie, Toleranz und Menschenrechte engagiert. Seit 2007 wird eine kreative und entschiedene friedliche Gegenwehr gegen die regelmäßigen Aufmärsche rechtsextremistischer Gruppen in Gräfenberg und in der Region verwirklicht mehr

Bild: 2. Preis: Vizepräsident Reinhold Bocklet mit Freya Lücke von der Landes SchülerInnen Vereinigung Bayern e.V. | Foto: Rolf Poss
2. Preis: Vizepräsident Reinhold Bocklet mit Freya Lücke von der Landes SchülerInnen Vereinigung Bayern e.V. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Der 2. Preis ging an die LandesschülerInnen Vereinigung Bayern e.V. für das Projekt „basis – Europas größter Schülerkongress“
Kurzbeschreibung:
Um die Schülervertretung bayernweit zu stärken, organisiert die LSV alle zwei Jahre den Schülerkongress „basis“ mit bis zu 800 Teilnehmern. Die Kongresse haben Schwerpunktthemen aus dem allgemein- und bildungspolitischen Bereich und ein Weiterbildungsangebot. Dabei soll der Austausch zwischen den Schülervertretern der unterschiedlichen bayerischen Schularten gestärkt sowie der unmittelbare Kontakt und Diskussionen mit Politikern und Vertretern bildungspolitischer Verbände gefördert werden mehr

Bild: 3. Preis: Vizepräsident Reinhold Bocklet mit Vertretern von Kinderstrasse e.V. | Foto: Rolf Poss
3. Preis: Vizepräsident Reinhold Bocklet mit Vertretern von Kinderstrasse e.V. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Den 3. Preis erhielt die Kinderstrasse e.V. für das Projekt „Meine Straße, meine Stadt, mein Zuhause“
Kurzbeschreibung:
Kinder werden eingeladen, sich zu ihrer näheren Wohnumgebung zu Wort zu melden. Damit soll die Eigenkompetenz von Kindern in Deutschland gestärkt und Impulse zur Identifikation mit dem Gemeinwesen gesetzt werden. Die Wortmeldungen der Kinder sollen dazu beitragen, eine kindgerechte Umwelt zu schaffen. Kindermitbestimmung, Verkehrssicherheit und Spielmöglichkeiten stehen hier im Fokus mehr

Wie nachhaltig die Bürgerkulturpreise inzwischen wirken, wurde in der Gesprächsrunde mit den bisherigen Preisträgern deutlich. Der Hörfunkjournalist Rudolf Erhard, von 2000 bis 2008 Mitglied der Jury, stellte die Projekte aus dieser Zeit vor: die Arbeitsgemeinschaft Familien in Würzburg zum Beispiel, die ehrenamtliche Initiativen und politische Entscheidungsträger zusammenbringt, die ARGE Naherholung Mittleres Labertal, die Lücken aus der Gebietsreform schließt, oder AGUS e. V., den Betroffene gegründet haben, die einen Menschen durch einen Suizid verloren haben. Viel Beifall gab es für die Initiative des Unternehmers Rupert Voss aus Taufkirchen bei München. Voss kümmert sich zusammen mit dem Familientherapeuten Werner Makella um besonders gewaltauffällige junge Männer. Boxen wird dabei zur Therapie – mit beachtlichem Erfolg: Die Rückfallquote liegt bei 20 Prozent, 80 Prozent der Jugendlichen finden einen Arbeitsplatz und einen Weg in ein selbstverantwortetes Leben. „Unser Projekt ist billiger als jeder Platz im Knast“, sagt Rupert Voss. Sein Wunsch: Das Projekt „Work and Box“ soll auch in anderen Städten praktiziert werden. Partner gesucht. /hw

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