Bayerischer Landtag

08.03.2012 - Erster Integrationspreis im Landtag verliehen

Turbulent geht es im Bayerischen Landtag öfter zu. Aber nicht immer so fröhlich und bunt wie am 8. März 2012. Im Senatssaal hatte der Bayerische Landtag in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Integrationsrat erstmals einen Integrationspreis vergeben.

- Von Zoran Gojic -

Gewinner ist die multinationale Theatergruppe „Tschungulung“ aus Würzburg. Seit 2003 entwickeln Menschen aus aller Welt gemeinsam Stücke und führen sie dann selber auf. Initiatorin Dr. Sigrid Mahsberg bedankte sich im Namen des Ensembles bei der Jury. Anfangs habe sie nicht verstanden, weshalb eine Theatergruppe einen Integrationspreis erhalte. Aber im Grunde sei es naheliegend, erklärte Mahsberg: „Bei Tschungulung kann jeder mitmachen. Es gibt keine Nebenrollen. Jeder ist gleichberechtigt. Es ist also praktizierte Integration“. „Tschungulung“ spiele immer auf Deutsch, auch wenn das manchem in der Theatergruppe anfangs nicht ganz leicht falle. „Aber Sprache ist der Schlüssel zur Integration“, sagte Mahsberg und fügte an: „Deswegen lerne ich jetzt auch Hochdeutsch in Franken zu sprechen.“
Martin Neumeyer, Bayerns Integrationsbeauftragter, schloss sich Mahsbergs Meinung an: „Unsere gemeinsame Basis ist die deutsche Sprache, aber eben auch der Wille miteinander und aneinander zu arbeiten und gemeinsam Freude am Leben zu haben“.

Sprache ist der Schlüssel zur Integration

Gemeinsam Freude haben war ohnehin das Motto des Abends. „Tschungulung“ hatte im Senatssaal des Landtags mit dem Sketch „Viele Köche und kein Brei“ für herzliche Lacher gesorgt. In dem Stück wird humorvoll gezeigt, dass es keine einfache Sache ist, Ernährungsgewohnheiten aus aller Welt zu beachten. So einigt man sich am Ende darauf, Steinsuppe zu kochen – gegen die kann keiner etwas haben. Es ist die spielerische Leichtigkeit und die Lust sich über Vorurteile hinwegzusetzen, die „Tschungulung“ so sympathisch macht. Hier spielen Menschen aus allen Kulturkreisen, darunter natürlich auch Deutsche mit den Klischees, die hartnäckig über Nationalitäten und Religionen verbreitet werden. Die Komik wirkt befreiend, weil letztlich immer die Einsicht siegt, dass wir alle unterschiedlich sind, aber dieselben Gefühle, Ängste, Hoffnungen, Fehler haben.
Zuvor hatte eine indische Tänzerin für bewunderndes Staunen gesorgt und nach der Preisverleihung verführte die Brass-Formation „Kein Vorspiel“ mit krachendem Balkan-Beat Menschen unterschiedlichster Kulturkreise zum Tanzen.
Landtagspräsidentin Barbara Stamm war als Schirmherrin der Veranstaltung außerordentlich zufrieden mit der Resonanz auf den neuen Preis. „Uns geht es um das Gelingen eines gleich berechtigten, friedlichen Miteinanders von Menschen mit unter¬schiedlichen Kulturen, Religionen und Sprachen. Das Ziel des Integrationspreises ist, dass wir ihn irgendwann nicht mehr brauchen. Weil Integration dann selbstverständlicher Teil unseres Lebens geworden ist", erklärte Stamm. Zumindest an diesem Abend im Maximilianeum war Integration bereits eine Selbstverständlichkeit.

Weitere Informationen finden Sie auf http://www.integrationsbeauftragter.bayern.de/

Der Integrationspreis des Bayerischen Landtags und des Bayerischen Integrationsrates. Skulptur von Hubert Huber. | Foto: Rolf Poss
Die Gewinner: Tschungulung in voller Stärke auf der Bühne im Senatssaal. | Foto: Rolf Poss
Bayerns Integrationsbeauftragter Martin Neumeyer mit dem Olympiateilnehmer Richard Adjei. | Foto: Rolf Poss
Tschungulung führen eines ihrer selbstverfassten Stücke auf. | Foto: Rolf Poss
 
 
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