Bayerischer Landtag

11.04.2013 - "Kann man aus dem Senatssaal nicht den Bürkleinsaal machen?"

Zum 200. Geburtstag: Der Landtag erinnert an Friedrich Bürklein, Baumeister des Maximilianeums.

Bild: Josef Poxleitner, Leiter der Obersten Baubehörde, Innenminister Joachim Herrmann, Vizepräsident Reinhold Bocklet, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Lutz Heese, Präsident der Bayerischen Architektenkammer und Hauptredner Dieter Wieland. | Foto: Rolf Poss
Josef Poxleitner, Leiter der Obersten Baubehörde, Innenminister Joachim Herrmann, Vizepräsident Reinhold Bocklet, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Lutz Heese, Präsident der Bayerischen Architektenkammer und Hauptredner Dieter Wieland. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

– Von Zoran Gojic –

„Ich möchte Sie für diesen Mann gewinnen!“ Das war der zentrale Satz im Vortrag des Journalisten und Architekturexperten Dieter Wieland. „Dieser Mann“ – das war Friedrich Bürklein, Erbauer des Maximilianeums und nach Wielands Ansicht ein zu Unrecht vergessener Architekt. Und Wielands Botschaft kam bei den Zuhörerinnen und Zuhörern an, die am 11. April 2013 einer Einladung von Landtagspräsidentin Barbara Stamm in den Senatssaal des Maximilianeums gefolgt waren. Es galt, Leben und Werk des Architekten Friedrich Bürklein zu würdigen. Bürklein, so stellte Wieland fest, habe das Bild Münchens und Bayerns maßgeblich geprägt. „Die von Bürklein erbaute Maximilianstraße ist immer noch Münchens erste Adresse“, befand Wieland und fragte kritisch nach: „Wie kommt es, dass wir seitdem nichts Vergleichbares geschaffen haben?“

In das Lob auf den willensstarken Architekten Bürklein, der von Zeitgenossen angefeindet wurde, mischte sich auch Kritik an der Entwicklung der Architektur, insbesondere in München. Das Maximilianeum sei ein Glücksfall für das bayerische Parlament, es vermittle Würde und Transparenz. Ganz anders als der Reichtag in Berlin oder die Münchner Staatskanzlei im ehemaligen Armeemuseum. „Dieses Bauwerk war nur als Ruine gut“, urteilte Architekturautor Wieland streng und verglich neue, wenig geglückte Bauwerke mit den Bauten Bürkleins – diese seien immer noch schön, funktional und beständig.

„Der Landtag erkennt die Werthaltigkeit dieses imposanten Gebäudes an"

In einem Grußwort hatte auch Lutz Heese, Präsident der Bayerischen Architektenkammer, das Werk Bürkleins gelobt und aktuelle Bezüge zu heutigen Bauprojekten hergestellt. Auch beim Maximilianeum seien wiederholt Termine überschritten und die Baukosten weit überzogen worden. Und auch damals war das nicht zwangsläufig die Schuld der Architekten. „Bürklein musste die Planungen während der Bauarbeiten auf Geheiß des Bauherrn des Öfteren ändern“, erklärte Heese und zog einen Vergleich zu heutigen Großprojekten, bei denen Ähnliches geschehe.

Zuvor hatte Innenminister Joachim Herrmann die Bauten Bürkleins als Musterbeispiel für nachhaltiges Bauen genannt. „Was Bürklein geschaffen hat, ist immer noch von großer Bedeutung“, betonte Herrmann und warb für ernsthaften Denkmalschutz. „Der Staat muss beim Denkmalschutz ein Vorbild sein, sonst können wir es doch nicht von allen anderen fordern“, sagte Herrmann. Landtagspräsidentin Barbara Stamm hatte schon bei der Begrüßung darauf hingewiesen, dass der Landtag sich besondere Mühe gebe, dem Geist Bürkleins bei Sanierungen und Erweiterungen gerecht zu werden. „Wir erkennen die Werthaltigkeit des imposanten Gebäudes für das Stadtbild - auch wenn das Haus für eine andere Zeit gebaut worden ist. Der Landtag ist sich dessen bewusst. Er hat zusammen mit der Stiftung und den beauftragten Architekten in den vergangenen Jahrzehnten selbst verantwortete Räume und Gebäude für das Maximilianeum geschaffen, ohne seine Charakteristik anzutasten. Manches hat sich dabei im Detail erhalten: das Bürklein-Rot im Erweiterungsbau Nord etwa oder die terrakotta-nahe Farbgebung der Fassaden“, erklärte die Landtagspräsidentin.

Hauptredner Wieland nahm Barbara Stamm beim Wort und forderte, Bürklein präsenter werden zu lassen. „Kann man nicht den Senatssaal in Bürkleinsaal umbenennen?“, fragte Wieland. Gleichzeitig machte er den Vorschlag, die ebenfalls gezeigte Ausstellung „Die Maximilianstraße und ihr Architekt Friedrich Bürklein“ der Regierung von Oberbayern als Broschüre zu veröffentlichen. „Damit würden Sie den Menschen die Gelegenheit geben das Werk dieses Architekten neu zu entdecken“, appellierte Wieland – mit Erfolg. Landtagspräsidentin Barbara Stamm sicherte zu, sich dafür einzusetzen.

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