Bayerischer Landtag

11.09.2012 - Ehemaliger Landtagspräsident Wilhelm Vorndran beerdigt

Landtagspräsidentin Barbara Stamm bei der Trauerrede für Wilhelm Vorndran in der Pfarrkirche St. Bonifaz in Erlangen. Das Foto auf der Staffelei ist entstanden, als Vorndran 1990 zum Landtagspräsidenten gewählt worden war und gerade sein Ergebnis erfahren | Foto: Rolf Poss
Wilhelm Vorndran wurde auf dem Zentralfriedhof in Erlangen beerdigt. Viele Trauergäste gaben ihm das letzte Geleit, an der Spitze seine Familie (links) sowie Repräsentantinnen und Repräsentanten aus der Politik | Foto: Rolf Poss

- von Heidi Wolf -

Abschied von einem leidenschaftlichen Streiter für die Demokratie

Eine große Trauergemeinde hat am Dienstag, 11. September 2012, in Erlangen Abschied genommen vom ehemaligen Landtagspräsidenten Dr. Wilhelm Vorndran. Er war am 4. September im Alter von 88 Jahren in seiner Heimatstadt Erlangen gestorben. Sechs Rednerinnen und Redner würdigten in ihren Nachrufen die Lebensleistung des Politikers, den die persönlichen Erfahrungen mit Krieg und Gefangenschaft zu einem leidenschaftlichen Streiter für die Demokratie hatten werden lassen. „Für ihn war Politik ein Auftrag, den er gewissenhaft erfüllte“, sagte Landtagspräsidentin Barbara Stamm in ihrer Trauerrede für ihren Vorgänger an der Spitze des Bayerischen Landtags von 1990 bis 1994. Auch in dieser Position habe er durch seine profunde politische Erfahrung, seine souveräne Gelassenheit und den freundlichen Umgang mit allen Fraktionen überzeugt. „Er fand Gefallen an der neuen Aufgabe, am Moderieren, auch am Repräsentieren, das seiner Noblesse und seinem Esprit entsprach“, betonte Barbara Stamm und fügte an: „Als man ihn bei Gelegenheit auf eine Strauß-Äußerung vom Ministerpräsidenten als dem schönsten Amt ansprach, antwortete er nur trocken: „Der war eben nie Landtagspräsident.“

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann nannte Wilhelm Vorndran, von dem er den Stimmkreis übernommen hat, einen herausragenden Repräsentanten des Freistaats Bayern und einen Politiker aus Passion. Unter Ministerpräsident Alfons Goppel wurde er Sozialstaatssekretär, unter Franz Josef Strauß Staatssekretär im Justizministerium, unter Max Streibl Leiter der Staatskanzlei. Der Wechsel vom Sozial- ins Justizministerium sei ihm anfangs schwer gefallen, erinnerte Herrmann. Aus dieser Zeit ist der Satz Vorndrans überliefert: „Ich diene dem Staat an allen Ecken und Enden.“

„Er hatte eine klare Orientierung und konnte deshalb anderen Orientierung geben“, sagte Georg Schmid, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag. Wilhelm Vorndran sei über Parteigrenzen hinweg geschätzt, geachtet und anerkannt gewesen.

Dr. Siegfried Balleis, Oberbürgermeister der Stadt Erlangen, sprach von einem überzeugten, engagierten und bürgernahen Demokraten, der zu einer Erlanger Institution geworden sei. Er habe den Ausbau der Universität und des Klinikums nach Kräften gefördert, ebenso die Forschungseinrichtungen im Süden der Stadt. Für die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg würdigte Professor Dr. Joachim Hornegger die Rolle Vorndrans als „Fürsprecher und Kümmerer“. An der Universität Erlangen-Nürnberg hatte Wilhelm Vorndran selbst studiert und promoviert. Im Namen des CSU-Kreisverbandes der Stadt Erlangen dankte Birgitt Aßmus für jahrzehntelange engagierte und integrative Arbeit. „Die Bildung von Zirkeln erstickte Wilhelm Vorndran im Ansatz“, schilderte die Rednerin.

Für den Bayerischen Landtag nahmen Präsidentin Barbara Stamm, die Vizepräsidenten Franz Maget (SPD), Peter Meyer (FREIE WÄHLER), Christine Stahl (Bündnis 90/Die Grünen) und Jörg Rohde (FDP) an der Trauerfeier in der Pfarrkirche St. Bonifaz in Erlangen teil, ebenso die ehemaligen Landtagspräsidenten Johann Böhm und Alois Glück, die Nachfolger Vorndrans in diesem Amt, sowie eine Reihe von Abgeordneten auch aus früheren Legislaturperioden.

Das Foto am Rednerpult zeigte einen strahlenden Wilhelm Vorndran, das entstanden ist, als er das Ergebnis zur Wahl als Landtagspräsident erfahren hatte. Er war ein lebensfroher und heiterer Mensch, erinnerten sich Weggefährten. Barbara Stamm sagte: „Er hat uns ein Beispiel dafür gegeben, wie man mit Herz und Vernunft erfolgreich Politik machen kann. Seine Name stand für Werte: für Ernsthaftigkeit, Gediegenheit und für eine menschliche Bescheidenheit, wie man sie heute nur noch selten findet. Er hat sie gelebt.“

Familie hat wunderbaren Menschen verloren

Die Politik habe seinen Vater geprägt. An erster Stelle aber stand immer die Familie – Ehefrau Marlene und die drei Söhne, erklärte Thomas Vorndran in seiner Rede im Anschluss an die Beerdigung auf dem Zentralfriedhof in Erlangen. Er dankte allen Trauergästen für die Anteilnahme und betonte: „Wir, die Familie haben einen wunderbaren Menschen verloren, einen wunderbaren Ehemann, einen Vater, der trotz großer Belastung immer für seine Söhne da war, wenn sie ihn brauchten, einen wunderbaren Schwiegervater und einen tollen Opa.“ Seinen sechs Enkelkindern sei er mit seiner Lebensfreude und seinem Humor ein Vorbild gewesen. „Uns Kindern hat er gelehrt, trotz beruflicher Erfolge immer auf dem Teppich zu bleiben“, sagte Thomas Vorndran. Diese väterliche Ermahnung sei Auftrag für das ganze Leben.

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