Bayerischer Landtag

11.09.2013 - Bauarbeiten im Maximilianeum

In den sitzungsfreien Wochen bis zur Landtagswahl haben im Maximilianeum die Handwerker und Bauarbeiter Einzug gehalten. Drei größere Bauprojekte, die planmäßig voranschreiten, stehen seitdem auf der Agenda: die Sanierung der Wasser-, Heizungs- und Kältekreisläufe im Haus, die Modernisierung des Sitzungssaals 3 sowie der Umbau und die Renovierung der Landtagsbibliothek.

Auf rund 250 Quadratmetern entsteht in der Landtagsbibliothek ein großzügiger, barrierefreier Lesesaal. | Foto: Rolf Poss
Sanierung des Rohrleitungssystems: Aus den einst dunklen und staubigen Schächten blitzen mittlerweile neuer Stahl und bunte Ventile hervor. | Foto: Rolf Poss
In mühevoller Kleinarbeit wurde im Sitzungssaal 3 die 150 Jahre alte Holzbalkendecke nivelliert und stabilisiert. | Foto: Rolf Poss

– Von Katja Helmö –

Überdimensionierte Rohre, lange Wegstrecken, veraltete Ventile und Schieber – das Leitungssystem für Kalt- und Warmwasser, Heizung und Kälte im Maximilianeum, das seit dem Zweiten Weltkrieg im Zuge von Baumaßnahmen stückweise vergrößert bzw. in Teilen auch wieder stillgelegt worden war, hatte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem schwer überschaubaren Labyrinth mit höchst unterschiedlichen Komponenten entwickelt. „Es war an der Zeit, das Leitungsnetz neu zu planen und zu sanieren“, erklärt Landtagsdirektor Peter Worm.

Energetische Ertüchtigung
der Wasser-, Heizungs- und Kältekreisläufe

Auf den Prüfstand kam unter anderem die Warmwasserversorgung im Nord- und Südbau des Maximilianeums. Dort waren in den 50er und 90er Jahren in allen Büros Warmwasseranschlüsse eingerichtet worden. Diese wurden mit großem Aufwand betrieben, tatsächlich allerdings nur noch eher selten benutzt, weil zwischenzeitlich auch zentrale Teeküchen zur Verfügung standen. Vor diesem Hintergrund stimmte am 18. Juni 2013 das Landtagspräsidium einem vom Staatlichen Bauamt München 2 ausgearbeiteten Projektvorschlag zu, künftig auf Warmwasser in den betroffenen 175 Büroräumen zu verzichten. Das Gremium gab damit zeitgleich grünes Licht für eine technische und energetische Generalüberholung des Sanitär- und Heizsystems im Haus.

Mit dem Baubeginn Mitte Juli 2013 schritten die Arbeiten planmäßig voran: In den Kellerräumen des 140 Jahre alten Hauses wurden Rohrleitungen mit einer Länge von insgesamt 2,5 Kilometern herausgesägt und demontiert, 120 Kubikmeter Stahlabfall entsorgt, zeitgleich das Netz und die Verteiler neu strukturiert, eine moderne Kältezentrale in den Kavernen eingerichtet und neue Rohre eingezogen: „Wir arbeiteten bei laufendem Betrieb, was angesichts der Komplexität und Intensität des Projekts eine große Herausforderung darstellte“, berichten Bauleiter Rocco Conte vom beauftragten Ingenieurbüro Dr. Pitscheider, Herbert Steib vom Staatlichen Bauamt München 2 und Erich Bliemel sowie dessen Kollegen vom Technischen Dienst im Landtagsamt, die die Maßnahmen vor Ort federführend koordiniert haben (siehe Interview unten).

Aus den einst dunklen und staubigen Schächten blitzen mittlerweile neuer Stahl und bunte Ventile hervor. Pünktlich zur Landtagswahl am 15. September laufen sämtliche Kreisläufe im neu strukturierten System reibungslos. Bis Mitte Oktober erfolgt nun noch die exakte Einregulierung der Mess- und Regeltechnik. Außerdem müssen die Oberflächen und Einhausungen der Rohrleitungen wieder hergestellt werden.

Mit Blick in die Zukunft wird sich die Generalüberholung der Wasser-, Heiz- und Kältekreisläufe lohnen: aus energetischer Sicht, und damit auch wirtschaftlich. Das neue, optimierte Rohrleitungssystem ist um ein Drittel kürzer, die durchschnittlichen Querschnitte der Leitungen kleiner, die Komponenten entsprechen dem neuesten Stand der Technik – auch was den Brandschutz anbelangt. „Schon heute können wir sagen, dass sich der jährliche Wasserverbrauch im Maximilianeum, der in den letzten Jahren durch Einsparungsmaßnahmen ohnehin schon stark gedrosselt wurde, sich nochmals reduzieren wird“, unterstreicht Josef Reimer, Referatsleiter für Organisation und Innere Dienste im Landtag.

Im Heizsystem ist ebenfalls mit deutlichen Einsparungen zu rechnen, weil künftig aus der Fernwärme der Stadt weniger Dampf entnommen, und dadurch bei der Wasseraufbereitung weniger Energie benötigt wird. Bei der Kälteversorgung werden künftig sogar über 100.000 Kilowattstunden pro Jahr eingespart, wodurch sich der Kohlenstoffdioxid-Verbrauch von 26 Tonnen pro Jahr auf zehn Tonnen pro Jahr verringern wird. „Die Generalüberholung der Anlagentechnik war ein wichtiger Schritt im fortlaufenden Modernisierungsprozess im Haus“, stellt Landtagsdirektor Peter Worm fest. „Das Maximilianeum ist damit hinsichtlich Energieeinsparung und Effizienz erneut ein Stück ökologischer und ökonomischer geworden.“

„Die Herren der Rohre“: Die Sanierung des Rohrleitungssystems im Maximilianeum während der Sommerpause war ein großes Gemeinschaftswerk. | Foto: Rolf Poss
„Die Herren der Rohre“: Die Sanierung des Rohrleitungssystems im Maximilianeum während der Sommerpause war ein großes Gemeinschaftswerk. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Baustelleninterview: „Operation am offenen Herzen“

Im August, während der heißen Phase der Baumaßnahmen, sprach die Redaktion mit Bauleiter Rocco Conte vom beauftragten Ingenieurbüro Dr. Pitscheider, Herbert Steib vom Staatlichen Bauamt München 2 und Erich Bliemel vom Technischen Dienst des Landtagsamts:

Heute morgen gab es einen Wasserschaden mit Feuerwehreinsatz. Was ist passiert?

„Der Schaden wurde durch eine defekte Pumpe im Erweiterungsbau verursacht. Mit den aktuell laufenden Sanierungsarbeiten am Leitungsnetz hat er nur am Rande zu tun.“

Haben Sie alles im Griff?

„Ja, das haben wir – auch wenn wir bei laufendem Betrieb arbeiten, was ein bisschen einer Operation am offenen Herzen ähnelt. Um die Wasserversorgung im Haus aufrechtzuerhalten, müssen wir mitunter provisorische Kreisläufe legen, die naturgemäß störanfälliger sind. Immer, wenn ein größerer Umschluss erfolgt, kommen wir auch um abschnittsweise Wasserabsperrungen nicht herum. Wir tun alles, um diese Phasen möglichst kurz, und damit die Einschränkungen für die Menschen im Haus möglichst gering zu halten.“

Bis zur Landtagswahl am 15. September 2013 soll zuverlässig wieder aus allen Hähnen sauberes Wasser sprudeln. Wie knapp ist der Zeitplan?

„Der Zeitplan ist sehr ambitioniert, zumal die Arbeiten ja zum großen Teil im denkmalgeschützten Bestand stattfinden. Baupläne aus dem 19. Jahrhundert oder historische Dokumentationen liegen nicht immer vor.“

Arbeiten Sie dann sozusagen im Blindflug?

„Das Innenleben des Gebäudes ist uns von früheren Projekten relativ vertraut. Dennoch gibt es unbekannte Winkel und Ecken. In diesen Passagen können wir nur äußerst behutsam vorgehen und erleben dennoch täglich neue Überraschungen – etwa wenn eine vermeintliche Stützwand gar nicht trägt oder ein Mauerbogen nur verschalt ist. Zum Teil sind Probebohrungen notwendig oder wir halten Digitalkameras in dunkle Schächte und Kavernen, um unbekanntes Terrain zu sondieren.“

Das klingt spannend, scheint aber auch mit erheblichem Aufwand verbunden zu sein . . .

„Die Komplexität des Projekts lässt sich schon allein darin ablesen, dass wir pro Woche teilweise mit über 2500 Arbeitsstunden am Werk sind.“

Wie ist die Stimmung angesichts dieser hohen Arbeitsbelastung?

„So eine Mission lässt sich nur im Team erfolgreich bewältigen. Wir haben da einen sehr guten Spirit. Jeder in der Mannschaft ist hochmotiviert und schiebt mit an. Wenn es darauf ankommt, versetzen wir gemeinsam nicht nur Rohre und Mauern, sondern auch Berge.“

Vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Erhält bis Anfang 2014 ein neues Gesicht: die Landtagsbibliothek. | Foto: Rolf Poss
Erhält bis Anfang 2014 ein neues Gesicht: die Landtagsbibliothek. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Modernisierung der Landtagsbibliothek
und des Sitzungssaals 3

Im Altbau des Maximilianeums sind seit der Sommerpause noch zwei weitere Baustellen eingerichtet: Im Untergeschoss erhält der vor rund 30 Jahren räumlich zusammengelegte Bereich der Bibliothek und des Archivs ein neues Gesicht. Weil auf vorhandene Trennwände und Rollregalanlagen künftig verzichtet wird, kann hier auf rund 250 Quadratmetern ein großzügiger, barrierefreier Lesesaal entstehen. „Technik, Funktion und Ästhetik sollen den heutigen Bedürfnissen der Bibliotheksbenutzer angepasst werden“, erläutert Referatsleiter Dr. Markus Nadler. Geplant sind unter anderem zusätzliche Lese- und Arbeitsplätze mit moderner Kommunikationstechnik und ein neuer Zeitungslesebereich, der künftig rund um die Uhr zugänglich sein wird. Bis zur Fertigstellung Anfang 2014 wird der Bibliotheksbetrieb im Altneubau Nord, Raum N 501, provisorisch aufrechterhalten.

Bild: Bis Mitte Oktober soll im Saal 3 ein neues Parkett verlegt und eine neue Medientechnik installiert werden. | Foto: Rolf Poss
Bis Mitte Oktober soll im Saal 3 ein neues Parkett verlegt und eine neue Medientechnik installiert werden. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

In der Reihe der Sitzungssaal-Renovierungen wird bis Mitte Oktober 2013 der Sitzungssaal 3 mit einem neuen Parkettboden und einer neuen Medientechnik ausgestattet. Das Bauen im Bestand erweist sich auch hier als Herausforderung: Unter dem Teppichboden wurde eine 150 Jahre alte Holzbalkendecke freigelegt, deren Hölzer sich im Laufe der Zeit zum Teil verformt hatten. In mühevoller Kleinarbeit mussten hier neue Hölzer angeflanscht bzw. Balken komplett ausgewechselt werden, um den Boden zu nivellieren und wieder zu stabilisieren. Erst danach konnten eine Schüttung eingebracht, Schallschutz- und Brandschutzplatten montiert werden. Bis Mitte Oktober 2013 soll ein neues Parkett verlegt und eine neue Medientechnik, die dem neuen Standard im Haus entspricht, installiert werden.

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