Bayerischer Landtag

13.09. 2012 - Landtagspräsidentin Barbara Stamm empfängt ukrainischen Botschafter Pavlo Klimkin

Bild: Im Gespräch: Landtagspräsidentin Barbara Stamm mit Botschafter Pavlo Klimkin (rechts) und Generalkonsul Vadym Kostiuk. | Foto: Rolf Poss
Im Gespräch: Landtagspräsidentin Barbara Stamm mit Botschafter Pavlo Klimkin (rechts) und Generalkonsul Vadym Kostiuk. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

– Von Katja Helmö –

Bei seinem Antrittsbesuch am 13. September 2012 im Bayerischen Landtag hat der ukrainische Botschafter Pavlo Klimkin um eine weitere Intensivierung der Beziehungen auf europäischer, deutscher und bayerischer, aber auch auf kommunaler Ebene geworben: „Unser Land befindet sich in einem schwierigen Transformationsprozess. Um die Reformen nach europäischem Muster gestalten zu können, suchen wir verstärkt nach Austausch und Kooperationsmöglichkeiten mit Bayern“, erklärte Pavlo Klimkin in seinem Gespräch mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm, an dem auch Generalkonsul Vadym Kostiuk und Landtagsdirektor Peter Worm teilnahmen.

Seit 1990 tritt im Zweijahresrhythmus eine bayerisch-ukrainische Regierungskommission zusammen, um gemeinsame Projekte der Zusammenarbeit im Bereich Polizei, Justiz, Innen/Bauwesen, Soziales und Wirtschaft zu besprechen. Auch im kommunalen und im universitären Bereich sind seit dem Entstehen der unabhängigen Republik Ukraine im Jahr 1991 Partnerschaften entstanden – etwa die Städtepartnerschaften von Dschernihiw mit Memmingen oder von Odessa mit Regensburg und deren Universitäten.

Der anfängliche Schwung in der gemeinsamen Zusammenarbeit ist allerdings aufgrund aktueller politischer Entwicklungen verlorengegangen, stellten Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Botschafter Pavlo Klimkin übereinstimmend fest. Beide waren sich einig, dass sich das Potential gemeinsamer Projekte und Begegnungen durchaus noch weiter ausbauen lässt: „Ich möchte sowohl in Berlin als auch in München ein ukrainisches Institut schaffen, das eine Plattform für den kulturellen Austausch zwischen unseren Ländern bildet“, kündigte Klimkin an. Landtagspräsidentin Barbara Stamm begrüßte diese Idee und regte an, dass hier vor allem beim Jugendaustausch und im Bildungsbereich neue Akzente gesetzt werden könnten: „Noch immer tendieren bayerische Studenten bei Austauschprogrammen ja vor allem in westeuropäische, und weniger in osteuropäische Länder“, stellte sie fest.

Nachholbedarf sahen der Botschafter und die Landtagspräsidentin auch bei der Förderung der deutschen Kultur und der deutschen Sprache in der Ukraine. „Derzeit studieren mehr ukrainische Studenten in London als in Deutschland“, berichtete der Botschafter und verwies darauf, dass in der Ukraine nun Englisch als erste Sprache an den Schulen gelehrt würde und dadurch Deutsch und Französisch als Sprachen in den Hintergrund getreten seien. „Wir brauchen wieder mehr Deutschunterricht in der Ukraine“, unterstrich Pavlo Klimkin, der selbst perfekt Deutsch spricht. Auch das föderative Staatswesen der Bundesrepublik sei vielen Ukrainern noch fremd und unverständlich, erklärte der Botschafter und regte vor diesem Hintergrund einen Austausch mit den deutschen Landesparlamenten an – ein Vorschlag, der bei der Landtagspräsidentin auf offene Ohren stieß, allerdings wohl nicht mehr vor der Landtagswahl im Herbst 2013 umgesetzt werden kann.

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