Bayerischer Landtag

14.06.2013 - Erster Bayerischer Kurgipfel im Landtag

– Von Eva Spessa –

Die bayerischen Kurorte und Heilbäder sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor gerade im ländlichen Raum. Mit ihrer oft jahrhundertealten Heiltradition stehen sie vor äußerst modernen Herausforderungen: Die zentralen Gesundheitsthemen verändern sich, und die angespannte Kostensituation im Gesundheitswesen führt unter anderem zu einem Rückgang ambulanter Badekuren seit den 1990er Jahren um rund 90 Prozent. Der erste Bayerische Kurgipfel, zu dem das bayerische Gesundheitsministerium am 14. Juni ins Maximilianeum geladen hatte, sollte Anstöße für eine entsprechende Weiterentwicklung der bayerischen Kurorte und Heilbäder geben.

Kurorte und Heilbäder sind ein starker Teil der bayerischen Gesundheitswirtschaft, betonte Gesundheitsminister Dr. Marcel Huber anlässlich des ersten Bayerischen Kurgipfels im Maximilianeum. Um den aktuellen Herausforderungen begegnen zu können, müsse man die Potenziale der Kurorte und Heilbäder adäquat nutzen. Neue Ideen und zukunftsgerichtete Initiativen seien gefragt, man müsse unter anderem gezielt auf neuere medizinische Themen wie etwa Burnout, Allergien oder das metabolische Syndrom setzen und Prävention sowie Rehabilitation weiter in den Vordergrund stellen. Ein bundesweit einmaliges Förderprogramm über 10 Millionen Euro bis 2014 samt Beratungsangebot seitens des Ministeriums soll helfen, diesen Strukturwandel aktiv zu gestalten.

Die Gesundheitsreformen der vergangenen Jahre seien auch an den Kurorten und Heilbädern nicht spurlos vorübergegangen, stellte Landtagspräsidentin Barbara Stamm in ihrem Grußwort fest. Doch sie seien auf dem besten Weg, sich zu modernen Gesundheitszentren zu entwickeln. Sie verwies auf zukünftige Chancen und Herausforderungen und auf die Bedeutung der Kurbetriebe für die Wirtschaft abseits der Ballungsräume: „Eine Stärkung der Kurorte und Heilbäder ist eine Stärkung vieler Regionen.“

Wirksamkeit nachweisen

Zwei der drei folgenden Referate konzentrierten sich auf technisch-medizinische Themen: Die Klimamedizinerin Prof. Dr. Dr. Angela Schuh gab einen Überblick über wissenschaftliche Studien zu den Effekten der Kurortmedizin. Diese könne heute einen enormen Stellenwert im Gesundheitswesen einnehmen, so ihr Fazit – mit einer Anpassung der Kurorte an zeitgemäße Gesundheitsthemen und untermauert durch weitere, modernen wissenschaftlichen Standards entsprechende Studien.

Evidenzbasierte Public Health könne teilweise auf Kurortmedizin übertragen werden, erklärte Prof. Dr. Alarcos Cieza, medizinische Psychologin an den Universitäten Southampton und München. Der Nachweis der Effektivität und auch der Kosteneffizienz medizinischer Maßnahmen sei in beiden Bereichen von Bedeutung, aber auf klassischem Weg – mit randomisierten kontrollierten Studien – insbesondere bei der Kurortmedizin oft nicht realisierbar. Aussagekräftigere Studien seien dennoch möglich: Man müsse genauer auf die Einzelschritte zwischen Maßnahme und Ergebnis eingehen und explizit Theorien für Wirkmechanismen erstellen.

Gesundheit hat wirtschaftlichen Wert

Klaus Holetschek, Präsident des Bayerischen Heilbäderverbands e.V., wandte sich einem pragmatischen Ansatz zu: der betrieblichen Gesundheitsförderung. Der Volkswirtschaft gingen allein in Bayern jährlich rund 10 Milliarden Euro durch Arbeitsunfähigkeit der Beschäftigten verloren. Demgegenüber stünde die Erkenntnis, dass sich jeder Euro, der in betriebliche Prävention investiert wird, fünf- bis sechzehnfach rechne. Unter dem Motto „Wertschöpfung durch Wertschätzung“ forderte er ein Bündnis für gesunde Mitarbeiter, an dem sich Krankenkassen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, die bayerischen Heilbäder sowie die Politik beteiligen sollten. Vor allem angesichts des demografischen Wandels brauche man eine langfristige Präventionsstrategie, und die Kurorte und Heilbäder müssten neue, umfassende und qualitätsgesicherte Leistungsangebote entwickeln.

In der anschließenden Podiumsdiskussion stellte Holetschek der allseits geforderten Evidenz, also dem Nachweis einer Wirksamkeit durch wissenschaftliche Studien, die Erfahrung gegenüber: Das Wissen, dass Kuren den Menschen bereits seit Jahrhunderten helfen, habe auch einen Wert. Dennoch könne man sich sinnvolle Studien nicht ersparen, entgegnete Cieza – man müsse das implizite Wissen auch explizit verifizieren. Dieser Nachweis sei sicherlich auch für potenzielle Gäste interessant. Dr. Eleonore Dietz-Bachinger vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung in Bayern stellte verschiedene Defizite fest: Ärzten, die ihre Patienten bei der Beantragung einer Kur unterstützten, fehle häufig das Verständnis für die notwendigen Voraussetzungen. Neue Konzepte der Kureinrichtungen wiederum vernachlässigten oft die Definition einer Zielgruppe und deren Bedarf.

Kritik wurde an den Kostenträgern laut: Man wünschte sich ein offenes Wort der Krankenkassen bezüglich ihrer generellen Einstellung etwa zu ambulanten Kuren. Als besonders problematisch wurde das teilweise massive und offenbar wirkungsvolle Werben der Kassen für Kurorte im Ausland gesehen: 2011 zum Beispiel standen rund 68.000 Kuren in Deutschland bereits etwa 50.000 Kuren im Ausland gegenüber.

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