Bayerischer Landtag

Beamte begleiten den Alltag von Abgeordneten

Perspektivenwechsel für Teilnehmer des 26. Lehrgangs für Verwaltungsführung

Begegnung mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner (Mitte) im Steinernen Saal | Bildarchiv Bayerischer Landtag
MdL Inge Aures (li.) und MdL Ruth Waldmann (re.), beide SPD, wurden ebenfalls von Lehrgangsteilnehmerinnen begleitet | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Fraktionsvorsitzender Florian Streibl (li.) und MdL Joachim Hanisch (re.), beide FREIE WÄHLER, mit "ihren" Lehrgangsteilnehmerinnen | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Politik und Verwaltung pflegen mitunter unterschiedliche Sprachstile und Denkweisen. Um ein besseres Verständnis für die jeweils andere Perspektive zu entwickeln, fand zum insgesamt fünften Mal eine besondere Form der Begegnung zwischen 19 Abgeordneten aus allen sechs Fraktionen und ebenso vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des 26. Lehrgangs für Verwaltungsführung der Bayerischen Staatskanzlei statt.

Bei dem (informell auch als „Prinzenkurs“ bezeichneten) Lehrgang handelt es sich um eine ressortübergreifende Fortbildung, die sich in verschiedenen Modulen neben klassischen Führungsthemen insbesondere auch intensiv mit sozialen, wirtschaftlichen und politischen Zukunftsthemen befasst. Ziel des Lehrgangs ist es hierbei, die jeweiligen Themenschwerpunkte aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Bei einem Praxistag im Bayerischen Landtag erhielten die jungen Verwaltungsführungskräfte nun die Gelegenheit, ein Mitglied des Landtags einen ganzen Tag bei dessen Terminen und Sitzungen zu begleiten. Dabei gab es weder Geheimnisse noch verschlossene Türen, wodurch die Beamten wertvolle Einblicke in den Arbeitsalltag „ihrer“ oder „ihres“ Abgeordneten gewinnen konnten.

Der Tag begann mit einem gemeinsamen Kennenlern-Frühstück in der Landtagsgaststätte. „Sie werden miteinander ins Gespräch kommen und können viel voneinander lernen“, betonte Landtagsdirektor Peter Worm, der sich besonders freute, dass in diesem Jahr mit Dr. Claudia Corlazzoli und Stefanie Kempfler erstmals auch eine aktuelle und eine ehemalige Beamtin aus dem Landtagsamt an dem Lehrgang teilnahmen. Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel bedankte sich als Leiterin des Lehrgangs für die reibungslose Kooperation mit dem Bayerischen Landtag und wünschte allen Beteiligten einen informativen Tag im Parlament.

Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) mit "ihrem" Lehrgangsteilnehmer | Bildarchiv Bayerischer Landtag
MdL Andreas Winhart (li.) und MdL Christoph Maier (re.), beide AfD, und "ihre" beiden Lehrgangsteilnehmer | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Abendliche „Spätschicht“ in der Landtagsgaststätte nach Schluss des Plenums: Amtschef Peter Worm, Abteilungsleiter Herbert Kammermeier, MdL Matthias Fischbach (FDP) und MdL Otto Lederer mit Lehrgangsteilnehmern | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Auf diese Weise gestärkt ging es für die meisten „Paare“ bereits nach knapp dreißig Minuten in die – normalerweise streng vertraulichen – Fraktionssitzungen, ein besonderes Entgegenkommen der Fraktionen. Im weiteren Verlauf des Tages standen noch Arbeitskreissitzungen, individuelle Besprechungstermine, Gespräche mit Interessengruppen und Pressevertretern und die Vollversammlung des Plenums auf dem Programm, in der bis in die späten Abendstunden über Fragen wie das Bestattungsgesetz, den Klimaschutz oder Maßnahmen zur Behebung des Wohnraummangels kontrovers diskutiert wurde. Die Teilnehmer des Lehrgangs zeigten sich hierbei nicht nur von der Kondition und dem „Sitzfleisch“ der Abgeordneten, sondern auch von der Vielfalt der zu behandelnden Themen sehr beeindruckt. Umgekehrt lobten auch die Abgeordneten den Perspektivwechsel und begrüßten die Möglichkeit zu erfahren, welche Fragen ihnen künftige Führungskräfte aus der Exekutive stellen und wie sie an politische Fragestellungen herangehen. Um das Bild abzurunden, boten einige Abgeordnete ihren Begleitern sogar an, sie noch einen weiteren Tag lang in deren Wahl- und Stimmkreise zu begleiten.

Ins Leben gerufen wurde das MdL-Begleitprogramm von Dr. Peer Frieß, Geschäftsführer des Lehrgangs für Verwaltungsführung, bereits im Jahr 2011. Ziel des Formats war es dabei, das gegenseitige Verständnis und die Kommunikation zwischen Politik und Verwaltung zu fördern und es den Führungskräften auf diese Weise zu erleichtern, die Sprache beider Welten zu verstehen und Brücken bauen zu können. Dies scheint auch in diesem Jahr wieder in hervorragender Weise gelungen zu sein.

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