Bayerischer Landtag

Bayerisch-katalanischer Gedankenaustausch: Erster Vizepräsident Reinhold Bocklet empfängt Delegation aus Barcelona

Montag, 15. Juni 2015

Ein Besuch ehemaliger katalanischer Abgeordneter im Maximilianeum stand ganz im Zeichen der Freundschaft: I. Vizepräsident Reinhold Bocklet, der die rund 20-köpfige Delegation aus Barcelona im Bayerischen Landtag willkommen hieß, hob die vielen Gemeinsamkeiten hervor, die Katalonien und Bayern haben: Beide Regionen, so Bocklet, verfügten über ein jeweils ausgeprägtes regionales Selbstbewusstsein und seien als „Wirtschaftsmotoren“ von besonderer Bedeutung für ihren jeweiligen Gesamtstaat. Auch die große Begeisterung für den Fußball verbindet die beiden Regionen: „FCB“ steht in Katalonien für den FC Barcelona und in Bayern für den FC Bayern München.

Die Delegation aus Barcelona im Plenarsaal, wo Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet (Mitte) die ehemaligen Abgeordneten willkommen hieß. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die bayerisch-katalanischen Beziehungen standen im Mittelpunkt eines gemeinsamen Arbeitsessens. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Im Gespräch (v.re.): Präsidiumsmitglied Prof. Dr. Peter Paul Gantzer, Adolf Dinglreiter, Vorsitzender der „Vereinigung ehemaliger Abgeordneter des Bayerischen Landtags e.V.“ mit Delegationsleiter Esteve Tomás i Torrens. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Delegationsleiter Esteve Tomás i Torrens (re.) überreichte I. Landtagsvizepräsidenten ein Buch zur Geschichte Kataloniens. Dieser revanchierte sich mit einem bayerischen Bierkrug. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Mit einer Wachstumsrate des realen Bruttosozialprodukts von 2008 bis 2014 in Höhe von 9,7 Prozent belegt der Freistaat mit Abstand die Spitzenposition im deutschen Ländervergleich. Auch für Katalonien gilt, dass es der Wirtschaftsmotor Spaniens ist: 7,5 Millionen Katalanen – 15 Prozent der Bevölkerung des Landes – erwirtschaften ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsprodukts und ein Viertel der Exporte Spaniens.

Mit Blick auf das ausgeprägte regionale Selbstbewusstsein in den beiden Ländern, wies Bocklet darauf hin, dass sich Katalonien und Bayern seit Jahren gemeinsam dafür einsetzen, den Stimmen der Regionen mit Gesetzgebungskompetenzen ein besseres politisches Gehör innerhalb der Europäischen Union zu verschaffen. Während die regionale Stimme Kataloniens nach weitergehender Autonomie von Spanien inzwischen laut vernehmbar sei, werde in Bayern die Zugehörigkeit zu Deutschland aber nicht in Frage gestellt. In beiden Ländern, so der Landtagsvizepräsident, herrsche allerdings die Meinung vor, dass ihre jeweiligen finanziellen Leistungen für den Gesamtstaat das Maß innerstaatlicher Solidarität überschreiten würden.

Der Leiter der katalanischen Delegation, Esteve Tomás i Torrens, teilte diese Auffassung und sprach sich ebenfalls für kraftvolle Regionen in Europa aus. Gleichzeitig würdigte er die diesbezüglich enge Zusammenarbeit von Katalonien und Bayern auf europäischer Ebene.

An den Gesprächen mit den katalanischen Gästen beteiligten sich auch Präsidiumsmitglied Prof. Dr. Peter Paul Gantzer, der fließend Spanisch spricht, sowie ehemalige bayerische Abgeordnete mit Adolf Dinglreiter und Marianne Deml an der Spitze. Dinglreiter, der Vorsitzender der „Vereinigung ehemaliger Abgeordneter des Bayerischen Landtags e.V.“ ist, hob ebenfalls den regen Austausch zwischen den beiden Ländern auf parlamentarischer Ebene hervor. Die bayerischen Mitglieder der Vereinigung hatten zuletzt im Herbst 2014 Nordspanien besucht.

Die Besichtigung des Plenarsaals sowie der historischen Säle des Landtags unter der Leitung von Sylvia Obermüller vom Referat Öffentlichkeitsarbeit, ein Vortrag von Jörg Siegmund von der Akademie für politische Bildung Tutzing über „Bayern im deutschen Bundesstaat“ sowie ein gemeinsames Arbeitsessen auf Einladung von Vizepräsident Bocklet bildeten weitere Programmpunkte des Freundschaftsbesuchs. /kh

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