Bayerischer Landtag

15.07.2013 - Bayerischer Landtag und Staatsregierung gaben Empfang für 3 000 Fluthelfer

Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Ministerpräsident Horst Seehofer dankten für großartigen Zusammenhalt.

Bild: Die Helden der Hochwasserkatastrophe im Mittelpunkt: Helfer aus ganz Bayern wurden zu einem Empfang nach Schloss Schleißheim eingeladen - auf Einladung von Landtagspräsidentin Barbara Stamm (5. v.l.). | Foto: Rolf Poss
Die Helden der Hochwasserkatastrophe im Mittelpunkt: Helfer aus ganz Bayern wurden zu einem Empfang nach Schloss Schleißheim eingeladen - auf Einladung von Landtagspräsidentin Barbara Stamm (5. v.l.). | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

- Von Heidi Wolf -

Anerkennung für einen beispielhaften und selbstlosen Einsatz: 3 000 Fluthelferinnen und Fluthelfer aus ganz Bayern waren am Montag, 15. Juli 2013, Gäste bei einem Empfang, den der Bayerische Landtag und die Bayerische Staatsregierung im Neuen Schloss in Schleißheim bei München gaben. Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Ministerpräsident Horst Seehofer wollten sich bei den Frauen und Männern stellvertretend für die 100 000 Helferinnen und Helfer bedanken, die bei der verheerenden Hochwasserkatastrophe im Juni 2013 im Einsatz waren und dabei großartigen Zusammenhalt bewiesen haben.
„Sie alle sind das große Glück im Unglück gewesen. Denn sie haben keinen einzigen Moment gezögert, zu handeln. Manchmal wussten sie gar nicht, wo sie genau eingesetzt werden, wo sie schlafen, wie lange sie bleiben. Aber sie haben gesehen, wo die Not groß ist und haben dort geholfen“, würdigte Landtagspräsidentin Barbara Stamm die großartige Solidarität der Helferinnen und Helfer. „Diese Männer und Frauen sind Helden“, sagte Ministerpräsident Seehofer. In den schweren Tagen und Wochen sei Bayern noch enger zusammengerückt. Deshalb: „Danke für die Hilfe, Danke für den Mut und die Zuversicht, die die Helferinnen und Helfer den Betroffenen in den Hochwassergebieten gebracht haben. Eine Gesellschaft braucht diesen Zusammenhalt und diese Solidarität. Als Ministerpräsident bin ich stolz auf Bayern und seine Menschen.“

Jede Helferin und jeder Helfer bekam am Eingang zum Schloss ein eigens geschaffenes Abzeichen, das an den Einsatz während der Flutkatastrophe erinnert. Auf der Bühne zeichneten Landtagspräsidentin Stamm und Ministerpräsident Seehofer Vertreterinnen und Vertreter der 15 Einsatzorganisationen aus. In Filmeinspielungen wurde noch einmal an die dramatischen Ereignisse während des Hochwassers erinnert. Alle Gäste, die zu dem Empfang gekommen waren, erlebten dabei emotionale Minuten.

Es war ein Abend der Superlative: Attraktive Bands boten ein mitreißendes Bühnenprogramm: Die CubaBoarischen traten auf, die Gruppe „Da Huawa, da Meier & I“ und die ANTENNE BAYERN BAND. Durch das Programm führte Kathie Kleff, Moderatorin bei ANTENNE BAYERN.

Stimmen von Helferinnen und Helfern zur großen Flut und zum Empfang:

Volker Kvasnicka, stellvertretender Einsatzleiter DLRG Bayern: 
Er war als Vorkommando mit 300 Helferinnen und Helfern unterwegs von Rosenheim über Deggendorf bis Sachsen-Anhalt.
„Es war der bisher größte Einsatz, den ich erlebt habe. Die Bevölkerung hat unsere Hilfe dankbar angenommen, wahrscheinlich auch deswegen, weil die Menschen von der Heftigkeit der Flut überrascht und geschockt waren. Den Helferempfang empfinde ich als schöne Geste, weil er alle Organisationen und Einheiten zusammenführt. Man kann sich austauschen und unterhalten. Die Kulisse ist ein Traum. 

Leutnant Tobias Rink und Stabsunteroffizier Peter Röthig vom Gebirgsfernmeldebataillon 210 in Bad Reichenhall: 
Sie haben zusammen mit rund hundert anderen Soldaten vom 4. bis 6. Juni 2013 in der Patenstadt Freilassing allen Unrat, der beim Auspumpen der Keller angefallen ist, auf einen Müllplatz gefahren. THW und Feuerwehr waren ihre Partner beim Einsatz.
„Wir haben das Leid der Menschen gesehen, die ihr ganzes Hab und Gut verloren haben, auch persönliche Sachen wie Fotoalben. Die Dankbarkeit der Menschen in dieser verzweifelten Lage hat uns sehr berührt. Den Empfang in Schleißheim finden wir nett, aber das Geld hätte man auch anderweitig einsetzen können, zum Beispiel für die Flutopfer.“

Georg Hilmer, Leiter der Polizeiinspektion Deggendorf: 
Er war im Urlaub, als das Hochwasser kam, hat seine Uniform angezogen und einen dreiwöchigen harten Einsatz vor allem in den Deggendorfer Statteilen Fischerdorf und Natternberg und in Winzer koordiniert.
„Das Hauptproblem bestand darin, trotz gesperrter Autobahnen rund um die Uhr die Wege für die Rettungswägen freizuhalten. Dabei hat uns vor allem die Bereitschaftspolizei geholfen. Die jungen Leute wurden teilweise aus den Hörsälen geholt und in den Hochwassereinsatz geschickt – 100 bis 120 Männerund Frauen pro Schicht. Vor diesen jungen Kolleginnen und Kollegen habe ich großen Respekt, denn bei denen kam ja auch noch die Anfahrt teilweise aus ganz Bayern dazu. Der ganze Führungsstab bestand aus vier Mann. Wir sind nur zwei bis drei Stunden pro Nacht ins Bett gekommen. Ich bin dankbar, dass ich nach 43 Jahren bei der Polizei am Ende meiner Dienstzeit zur Bewältigung der Flutkatastrophe beitragen konnte. Den Helferempfang finde ich eine tolle Idee. Der Herrgott hat uns außerdem noch schönes Wetter geschickt. Es passt alles.“ 

Susanne Eller, Johanna Wenz und Andrea Voll vom Kreisjugendring Deggendorf: 
Die drei Frauen waren in vorderster Reihe daran beteiligt, Sachspenden zu organisieren, ein Parkhaus in ein Lager umzuwandeln und die Spenden zu verteilen. Am Anfang waren 130 Helferinnen und Helfer pro Tag im Einsatz; jetzt sind es noch zwischen 30 und 40 pro Tag.
„Wir haben viel über Internet gearbeitet, wenn wir bestimmte Waren gebraucht haben. Für Möbel haben wir ein eigenes Internetportal eingerichtet. Facebook war in diesem Fall ein Segen. Helferinnen und Helfer kamen von überall her, aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten. Wir bekommen auch wirklich tolle Sachen. Die Leute überlegen, was die Hochwasseropfer brauchen können. Es sind auch viele neue Waren dabei. Der Empfang ist eine schöne Sache, ein Zeichen der Wertschätzung. Wir treffen hier Leute, mit denen wir gemeinsam an unsere Grenzen gegangen sind. Schön, wenn wir einen Abend lang außerhalb unserer Garage in Deggendorf zusammensitzen können.“

Martina Bauer von der Bergwacht-Bereitschaft Sachrang-Aschau: 
Sie arbeitete eine Woche lang in der Einsatzleitung der Bergwacht mit, erst in Aschau im Chiemgau, dann in Rosenheim, Oberwöhr und Schwaig, schließlich in Deggendorf. Ihre Aufgabe bestand vor allem darin, Helfer und Fahrzeuge zu koordinieren.
„Wir haben getan, was notwendig war: das Stadtarchiv in Rosenheim ausgeräumt, den Behelfsdamm in Kolbermoor gesichert und die Wasserwacht unterstützt. Die Mangfall hatte eine so starke Strömung, dass die Wasserwacht mit ihren Booten nicht dagegen ankam. Die Bergwacht hat sie dann mit ihren schweren Geländewagen gegen die Strömung gezogen. In Deggendorf haben wir dann die Flussmeister unterstützt, die für die Dämme zuständig waren. Wir haben viele verzweifelte Menschen erlebt. Der Empfang ist eine schöne Geste.“ 

Richard Bruckner, Bettina Bruckner und Janett Urlbauer von der Freiwilligen Feuerwehr Passau-Grubweg: 
Für die drei Feuerwehrleute dauerte der Einsatz vom 1. Juni bis zum 16. Juni – sie waren immer dort, wo sie gebraucht wurden: im Krisenstab der Stadt Passau, in der Einsatzleitung, beim Sandsackschleppen. Ein Hochwasser mit diesen Dimensionen hatten sie sich bisher nicht vorstellen können – noch höher als 1954.
„Vor Ort haben wir überhaupt nicht realisiert, dass hier Existenzen dranhängen. Wir haben nur geschaut, so viel zu retten wie nur möglich ist. Den Empfang finden wir eine Supersache. Alle Hilfsorganisationen aus ganz Bayern, die beim Hochwasser zusammengekommen sind, sind auch heute da und das ist schön.“

Manuel Grabowski von den Passauer Studenten: 
Die Passauer haben eine neue Erfahrung gemacht: Studentinnen und Studenten können anpacken, die „gespaltene Gesellschaft“ hat sich zum Positiven gewandelt. Am Anfang war nur geplant, die e-mail-Adressen von Freiwilligen, die helfen wollten, für die Stadt und die Uni zu sammeln. Doch dann standen die Leute einfach vor der Tür.
„Auf einmal waren wir die Helferzentrale und die Ansprechpartner für die Stadt und die Uni. Tausende von Studentinnen und Studenten waren Tag für Tag im Einsatz, haben überall angepackt. Die Passauer und wir sind eine Solidargemeinschaft geworden. Den Empfang finde ich nett. Es herrscht eine schöne Atmosphäre. Hier treffen wir Leute, mit denen wir bisher nur über Telefon oder Internet Kontakt hatten, zum Beispiel die Studenten aus Deggendorf, an die wir unsere Erfahrungen weitergegeben haben.“ /hw

Seitenanfang