Bayerischer Landtag

17.03.2011 - Landtagspräsidium löst Versprechen ein: Durchbruch für Glasmuseum Frauenau geschafft!

Bild: Runder Tisch im Bayerischen Landtag für das Glasmuseum Frauenau: Nach zwei Stunden intensiver Diskussion stand die Marschroute fest. | Foto: Rolf Poss
Runder Tisch im Bayerischen Landtag für das Glasmuseum Frauenau: Nach zwei Stunden intensiver Diskussion stand die Marschroute fest. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Das Präsidium des Bayerischen Landtags hat sein Versprechen von der Niederbayernreise im vergangenen Jahr eingelöst: Auf Initiative von Präsidentin Barbara Stamm fand am Donnerstag im Maximilianeum ein hochkarätig besetzter Runder Tisch für das Glasmuseum Frauenau im Bayerischen Wald statt. Der Durchbruch zu einer zukunftsfähigen Lösung ist geschafft!

Nach zwei Stunden intensiver Diskussion stand die Marschroute fest: Bis zur Sommerpause 2011 entwickelt eine Arbeitsgruppe ein detailliertes Konzept für das Glasmuseum Frauenau. Damit wollen dann Landrat Heinz Wölfl und Bezirkstagspräsident Manfred Hölzlein in die Gremien gehen und für eine positive Entscheidung werben. In der Arbeitsgruppe sind neben der kommunalen Ebene auch die staatlichen Stellen vertreten, an der Spitze das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und das Umweltministerium. Dieser Behörde untersteht der Nationalpark Bayerischer Wald mit den Informationszentren Hans-Eisenmann-Haus in Neuschönau und das „Haus zur Wildnis“ in Ludwigsthal mit jeweils 140 000 Besuchern pro Jahr. Dazwischen befindet sich das Glasmuseum Frauenau mit jährlich 20 000 Besuchern. In dem Gespräch am Runden Tisch wurde deshalb eine Verbundlösung mit dem Nationalpark Bayerischer Wald angeregt.

Ziel ist es, von dort eine Personalstelle zu bekommen. Angedacht sind auch eine gemeinsame Werbung und ein gemeinsames Marketing. „Es gibt Schnittmengen und es ist überall das gleiche Geld, nämlich Steuergeld“, wandte sich Landtagspräsidentin Barbara Stamm an die Gesprächsteilnehmer aus dem Umweltministerium. Die Leitung der Arbeitsgruppe hat Dr. Michael Henker, Chef der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern. Er brachte zum Runden Tisch im Maximilianeum ein Diskussionspapier mit, in dem Wege für eine gesicherte Trägerschaft aufgezeigt wurden. Zentrale Aussage in dieser Vorlage: Die Gemeinde Frauenau allein ist mit dieser Aufgabe hoffnungslos überfordert. Sie braucht Partner und die Unterstützung staatlicher Stellen mit Geld und Personal, damit das Museum endlich mit Leben erfüllt und zu einem Besuchermagnet wird. „Mit dem Glasmuseum Frauenau hat die Region ein Leuchtturmprojekt, auf das sie stolz sein kann“, beschrieb Michael Henker die Bedeutung dieser in ganz Europa einmaligen Einrichtung. Diese sei personell völlig unterbesetzt: mit einer Zweidrittel-Stelle für die Museumsleiterin und einer halben Stelle für den Hausmeister. Eine Aufstockung sei dringend nötig; den dann entstehenden „Kostenkorridor“ gab Michael Henker mit 237 000 bis 360 000 Euro statt bisher 110 000 Euro an.

Mit 20 000 Besuchern pro Jahr befinde sich das Glasmuseum Frauenau in einer Abwärtsspirale. „Normalerweise müsste man es gerade jetzt nach oben pushen und kreativ sein. Aber das geht nicht, weil das Geld und das Personal dafür fehlen“, stellte Helmut Brunner fest, der ebenfalls auf ein stärkeres Engagement des Nationalparks Bayerischer Wald drängte.

Das erste positive Signal kam von Heinz Wölfl, dem Landrat des Landkreises Regen. Er kann sich vorstellen, dass der Landkreis das Glasmuseum Frauenau künftig finanziell unterstützt, weil es sich um eine außergewöhnliche Einrichtung handle. In ein „Korsett Zweckverband“ aber will sich der Landkreis nicht zwängen lassen, auch nicht der Bezirk Niederbayern. Den Weg der finanziellen Unterstützung aber würde er mitgehen und in den Gremien für Zustimmung werben, kündigte auch Bezirkstagspräsident Manfred Hölzlein an. Die Gemeinde Frauenau sei auch in Zukunft bereit, sich zu engagieren, allerdings im Rahmen ihrer Möglichkeiten. „Die Kommune hat das Glasmuseum gewollt, die Betriebskosten aber vielleicht nicht absehen können“, fasste Bürgermeister Herbert Schreiner (SPD) das Dilemma zusammen.

Landtagsabgeordneter Eike Hallitzky von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erinnerte an den Prüfbericht des Obersten Rechnungshofes, in dem ein aktiver Beitrag der staatlichen Stellen zum Unterhalt des Glasmuseums gefordert wurde. Schließlich seien über acht Millionen Euro Steuergelder in das Projekt geflossen. „Ich sehe den Ball weiter bei den Ministerien“, sagte Hallitzky. Sein Kollege Alexander Muthmann von den Freien Wählern ergänzte: „Es steht dem Freistaat Bayern gut an, einen dauerhaften Beitrag für dieses bedeutende Museum zu gewährleisten!“ Präsidiumsmitglied Reserl Sem aus dem Landkreis Rottal-Inn kommentierte: „Wir müssen uns auf den Weg machen. Das ist eine glasklare Sache.“ Die niederbayerische CSU-Abgeordnete sieht im Glasmuseum ein großes Potenzial für die Museumspädagogik.

Genau hier will das Wissenschaftsministerium – die vorgesetzte Behörde der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern – voll einsteigen. Minister Dr. Wolfgang Heubisch sagte Projektförderung zu, „damit sich was rührt.“ Symposien könnten finanziell unterstützt werden, ebenso alle Aktionen, die das Anliegen des Glasmuseums weitertragen. Im Rahmen der Internationalen Sommerakademie 2011 will sich Heubisch selbst ein Bild von dem Museum und den Initiativen im Glasmacherort Frauenau machen. Nach diesem Runden Tisch im Maximilianeum sind jedenfalls alle Beteiligten überzeugt: „Wir werden eine Lösung finden. Der Einstieg ist gemacht.“/hw

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