Bayerischer Landtag

18.10.2012 - Bulgarischer Staatspräsident wirbt für sein Land: Die EU-Erweiterung nach Osten auf keinen Fall stoppen!

- Von Heidi Wolf -

20 Jahre lang hat der Bulgare Rosen Plevneliev für ein niederbayerisches Unternehmen gearbeitet, das europaweit führend ist für Innenausbau, Fassadenbau und Isoliertechnik. Acht Jahre betreute er für die Firma Projekte in Deutschland, dann zwölf Jahre lang in seinem Heimatland. Dort wählten ihn die Menschen im Oktober 2011 zu ihrem Staatspräsidenten. In dieser Funktion besuchte der 48-jährige Bauunternehmer am Donnerstag, 18. Oktober 2012, den Bayerischen Landtag. Er wurde von Präsidentin Barbara Stamm, den Vizepräsidenten Franz Maget und Jörg Rohde, Präsidiumsmitglied Walter Nadler und Amtschef Peter Worm empfangen. In einem hervorragenden Deutsch warb Plevneliev für sein Land, das 1990 mit dem Ende des Sozialismus pleite war und sich mühsam wieder hocharbeiten muss. „Ich bin ein ehrgeiziger junger Präsident. Mein Ziel ist ein modernes Bulgarien und dazu möchte ich aus einer vertrauensvollen Position heraus beitragen“, stellte sich Plevneliev vor, der von einer hochrangigen Delegation begleitet wurde, an der Spitze Radi Naidenov, seit Februar 2012 Botschafter in Deutschland.

Leidenschaftlich sprach sich Plevneliev für die weitere EU-Osterweiterung aus. Sein Land, das seit dem 1. Januar 2007 zur EU gehört, unterstütze mit ganzer Kraft den Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union. „Wir sind stolz auf den Erfolg dieses Landes, das nach dem Krieg wieder eine Perspektive bekommen und sich in den vergangenen 15 Jahren positiv entwickelt hat“, betonte der Gast. Seine Überzeugung: „Kroatien und Bulgarien werden der Motor für den Frieden auf dem Balkan sein.“ Die EU sei keine Eurobonds- oder Buchhaltungsunion, sondern eine Wertegemeinschaft. Sie dürfe auf keinen Fall den Erweiterungsprozess nach Osten in Frage stellen, denn die Länder in dieser Region bräuchten dringend die europäische Solidarität. In diesem Zusammenhang sprach der bulgarische Staatspräsident auch den Schengen-Beitritt an, auf den sein Land drängt. Die Entscheidung, die ursprünglich im September 2012 erfolgen sollte, wurde erneut vertagt, weil Deutschland, Belgien und die Niederlande mit einer Blockade gedroht hatten. Sie kritisieren die mangelnden Vorkehrungen Bulgariens für die innere Sicherheit, zum Beispiel bei der Bekämpfung der Kriminalität und der Sicherung der Außengrenzen.

Rosen Plevneliev sprach die Hoffnung aus, dass sich die guten Beziehungen zu Bayern weiterentwickeln. Ebenso wie Landtagspräsidentin Barbara Stamm zeigte er sich überzeugt, dass es viele Anknüpfungspunkte gibt, vor allem über die Europäische Donaustrategie. Der bulgarische Staatspräsident berichtete von Reformen in wichtigen Bereichen, die erste Erfolge zeigten. „Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir wollen es schaffen“, lautete die Botschaft des bulgarischen Staatspräsidenten an seine bayerischen Gastgeber.

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