Bayerischer Landtag

19.02.2013 - Bundespräsident auf Antrittsbesuch in Bayern:

Bundespräsident Joachim Gauck diskutierte im Plenarsaal mit den Mitgliedern des Präsidiums und des Ältestenrats sowie den Fraktionsvorsitzenden. Links: Ministerpräsident Horst Seehofer und Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Die Diskussion verfolgten auch viele junge Menschen. | Foto: Rolf Poss
Bundespräsident Joachim Gauck diskutierte im Plenarsaal mit den Mitgliedern des Präsidiums und des Ältestenrats sowie den Fraktionsvorsitzenden. Links: Ministerpräsident Horst Seehofer und Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Die Diskussion verfolgten auch viele junge Menschen. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

– Von Heidi Wolf –

Bundespräsident Joachim Gauck tritt mit großer Leidenschaft für eine Kultur des Mitmachens ein. „Ich habe manchmal das Gefühl, nach Hause zu kommen. Das ist immer dann der Fall, wenn ich Menschen treffe, die sich engagieren“, sagte das 73-jährige Staatsoberhaupt am Dienstag, 19. Februar 2013, im Bayerischen Landtag. Im Rahmen seines Antrittsbesuches in Bayern sprach er mit Mitgliedern des Präsidiums, des Ältestenrates und der Fraktionsvorstände. Sein eindringlicher Appell galt den jungen Menschen, die als Zuhörerinnen und Zuhörer dabei waren: Referendare eines Hauptschul-Studienseminars aus Vohburg an der Donau in Oberbayern, eine 10. Klasse der Georg-Hartmann-Realschule Forchheim in Oberfranken und eine Klasse der Berufsschule für Verwaltungsfachangestellte Aschaffenburg in Unterfranken. „Wer mitmacht, kann Abgeordneter werden. Wer nicht mitmacht, wird nicht einmal Bürger“, lautete die Botschaft des Bundespräsidenten. Auch außerhalb des Abgeordnetenlebens gebe es Möglichkeiten für ein sinnvolles und kraftvolles Engagement, betonte Gauck.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm hatte den Gast aus Berlin zusammen mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt zum Meinungsaustausch im Maximilianeum empfangen. Diesen politischen Dialog hatte sich Joachim Gauck für den Termin im Parlament des Freistaates Bayern gewünscht nach dem Motto: „Was wir nicht besprechen, denken wir nicht mehr. Was wir nicht mehr denken, das mögen wir auch nicht mehr gestalten, das liegt uns schon gar nicht mehr am Herzen.“ Für den Gedankenaustausch mit den Parlamentariern stand eine halbe Stunde zur Verfügung. Die Bürgerbeteiligung spielte dabei eine wichtige Rolle. Gauck zeigte sich skeptisch, dass plebiszitäre Elemente mehr Menschen zum Mitmachen bewegen. „Ich verspreche mir nicht mehr zu viel davon, weil Quoren verfehlt wurden und das Wahlvolk müde ist“, bedauerte Gauck die teilweise ernüchternde Wahlbeteiligung zum Beispiel bei der Oberbürgermeisterwahl in Leipzig. „Das kann uns nicht gefallen“, folgerte der Bundespräsident.

„Ich bin ein Pro-Europäer“

Ausführliche Gedanken zu Europa will Joachim Gauck am Freitag, 22. Februar 2013, äußern, wenn die neue Reihe „Bellevue Forum“ startet. „Ich bin ein Pro-Europäer. Das wird dort zu hören sein“, kündigte der Bundespräsident an, der angesichts der Finanzkrise und der Sorge um den Euro zu einer „Mischung aus Realität und Neigung“ riet. Deutschland habe bisher keinen einzigen Euro verloren, sondern habe im Gegenteil Geld verdient.

Der Bundespräsident berichtete auch von seiner Begegnung mit den Familien der NSU-Opfer am 18. Februar 2013. Er bezeichnete das Treffen als sehr positiv: „Wir sind mit den Gefühlen zueinander gekommen!“ Die Abgeordneten im Bayerischen Landtag forderte Gauck auf, eine stärkere Zusammenarbeit unter den Sicherheitsbehörden zu fördern. „Sie haben uns Botschaften mitgegeben“, fasste Landtagspräsidentin Barbara Stamm die Aussagen Gaucks zusammen.

Bei den anwesenden Schülerinnen und Schülern kamen diese Botschaften gut an. Die jungen Leute freuten sich, dass sie den Bundespräsidenten im Landtag erleben durften. Sie hatten sich schon vor Monaten im Rahmen des Pädagogischen Besuchsprogramms für diesen Termin angemeldet ohne zu ahnen, dass an diesem Tag Joachim Gauck Gast sein würde. Hier einige Stimmen:

Pascal Roos, 19 Jahre, Berufsschule für Verwaltungsfachangestellte Aschaffenburg:
„Es ist etwas ganz Besonderes, den Bundespräsidenten live zu erleben, nicht nur in Ausschnitten im Fernsehen. Ich nehme vor allem die Botschaft mit, dass wir Courage zeigen bei Abstimmungen und dass wir in unserem späteren Beruf als Verwaltungsfachleute gute Ansprechpartner für die Bürger sind.“

Theresa Fleckenstein, 19 Jahre, Berufsschule für Verwaltungsfachangestellte Aschaffenburg:
„Der Bundespräsident ist sehr menschlich herübergekommen, auch mit seiner klaren Sprache. Dass er früher Pastor war, merkt man vor allem daran, dass er gut auf Menschen zugehen kann. Seine Mitmach-Appelle haben mich ermuntert. Ich beteilige mich heuer auf jeden Fall an der Landtags- und an der Bundestagswahl.“

Oliver Söllner, 16 Jahre, Realschule Forchheim:
„Es war sehr interessant, den Besuch des Bundespräsidenten im Bayerischen Landtag zu erleben. Wirklich sehr schön. Über die Botschaften, dass gerade wir jungen Leute uns engagieren sollen, kann man sich einen Kopf machen. Diese Botschaft ist nicht schlecht.“

Vanessa Schüpferling, 16 Jahre, Realschule Forchheim:
„Ich fand sehr gut, was der Bundespräsident gesagt hat – sein Auftritt war sehr sympathisch. Sein Appell, Jugendliche sollten sich für Politik interessieren, ist gut angekommen.“

Julia Saffer, 15 Jahre, Realschule Forchheim:
„Politik interessiert mich nicht so sehr, aber ich würde gerne Kindern und behinderten Menschen helfen. Ein freiwilliges soziales Jahr wäre eine Möglichkeit. Darüber denke ich jetzt nach.“

Schwarze Limousine: Kurz nach 12 Uhr fuhr das Auto des Bundespräsidenten vor dem Maximilianeum vor. | Foto: Rolf Poss
Bundespräsident Joachim Gauck warb im Plenarsaal des Bayerischen Landtags für eine Kultur des Mitmachens. Links: Landtagspräsidentin Barbara Stamm. | Foto: Rolf Poss
Blick von der Besucher-Tribüne im Plenarsaal während der Diskussion. | Foto: Rolf Poss
Bundespräsident Joachim Gauck beim Eintrag in das Ehrenbuch des Bayerischen Landtags im Lesesaal. | Foto: Rolf Poss
Bundespräsident Joachim Gauck kam mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt in das Maximilianeum. | Foto: Rolf Poss
Nach seinem Besuch im Maximilianeum: Bundespräsident Joachim Gauck (Mitte) winkte zum Abschied. Rechts neben ihm: Landtagspräsidentin Barbara Stamm. | Foto: Rolf Poss
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