Bayerischer Landtag

19.10.2011 - Führungskräfte aus den Ministerien im Landtag: Den Abgeordneten über die Schulter geschaut

Experiment gelungen: Die 18 Nachwuchsführungskräfte aus den Ministerien, die Abgeordneten des Bayerischen Landtags einen Tag lang über die Schulter geschaut haben, sind voll des Lobes. „Es war eine interessante Erfahrung. Wir haben den Alltag eines Parlamentariers erlebt und mitbekommen, wie schnell eine Abgeordnete oder ein Abgeordneter von einem Themenbereich zum anderen wechseln muss – fast im Minutentakt“, stellten die „Schattenmänner“ und „Schattenfrauen“ am Ende anerkennend fest.

Bild: Vizepräsident Franz Maget (2. von links) ließ sich einen Tag lang von Dr. Klaus Arzet begleiten, Leitender Regierungsdirektor im Bayerischen Umweltministerium (2. von rechts). Karolina Gernbauer, Amtschefin in der Staatskanzlei, und ihr Kollege Peter Worm | Foto: Rolf Poss
Vizepräsident Franz Maget (2. von links) ließ sich einen Tag lang von Dr. Klaus Arzet begleiten, Leitender Regierungsdirektor im Bayerischen Umweltministerium (2. von rechts). Karolina Gernbauer, Amtschefin in der Staatskanzlei, und ihr Kollege Peter Worm | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

- Von Heidi Wolf -

„Shadowing“ nannte sich dieses Angebot, das am 19. Oktober 2011 zum ersten Mal stattfand. Initiiert hatte es Dr. Peer Frieß, Leiter des Referats für ressortübergreifende Fortbildung in der Bayerischen Staatskanzlei, der auch Geschäftsführer des Lehrgangs für Verwaltungsführung ist. „Prinzenkurs“ heißt dieser Lehrgang salopp, weil er im Prinz-Carl-Palais stattfindet und weil daran die besten Nachwuchsführungskräfte teilnehmen dürfen. Die Beamtinnen und Beamte, die im Landtag Abgeordnete aus allen Fraktionen begleiteten, haben heuer diesen „Prinzenkurs“ absolviert.

Beim „Shadowing“ im Landtag gab es kein Tabu: Die Führungskräfte aus den Ministerien hatten überall Zugang, durften an den Sitzungen des Ältestenrates und der Fraktionen teilnehmen. „Das werte ich als großen Vertrauensbeweis und als Zeichen der Transparenz“, urteilte Dr. Gisela Stückl, die mit Florian Streibl von den FREIEN WÄHLERN unterwegs war. Die Regierungsdirektorin ist im Kultusministerium zuständig für die Lehrerfortbildung an den Grund- und Mittelschulen und außerdem schulartübergreifend auch für Sprachförderung und Integration.

Dr. Klaus Arzet, bis vor einem halben Jahr Chef des Wasserwirtschaftsamtes München und jetzt im Umweltministerium Leiter des Referats 97 – „Ökologische Wasserkraft“, lernte „im Vorbeigehen“ Tobias Reiß kennen, den Vorsitzenden der neu gebildeten Energiekommission im Bayerischen Landtag. Die von der Staatsregierung beschlossene Energiewende betrifft sie Beide. „Für solche Kontakte bin ich dankbar. Da lässt sich anschließend Vieles auf kurzem Wege erledigen“, freute sich Arzet, der Vizepräsident Franz Maget von der SPD als Ansprechpartner hatte. „Er hat mir alles gezeigt. Ich durfte in sein Outlook schauen, habe gesehen, wie eng seine Termine getaktet sind. Herr Maget hat mir auch erklärt, wie er das alles schafft, was die Aufgaben eines Vizepräsidenten sind, was hinter Diäten und Kostenpauschalen steckt“, berichtete Arzet.

Auch Leslie Trüstedt vom Bayerischen Justizministerium und Dr. Michael Hübsch aus dem Sozialministerium waren beeindruckt von der Offenheit „ihrer“ Angeordneten Oliver Jörg (CSU) und Brigitte Meyer (FDP). Interessiert verfolgten sie die Diskussionen im Hochschul- und im Sozialpolitischen Ausschuss und nutzten die Gelegenheit zum Netzwerken. „Ich erwarte mir konkrete Einblicke in das tatsächliche Leben eines Abgeordneten. Ich laufe mit ihm mit und schaue ihm zu“, hatte Leslie Trüstedt am Anfang ihre Erwartungen an das „Shadowing“ formuliert. Am Ende stellten sie und alle anderen fest: „Die Sache hat sich gelohnt.“

Eike Hallitzky von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen punktete bei Dr. Andrea Sebald vom Landespersonalausschuss. „Ich habe Herrn Hallitzky schon vom Landesbank-Untersuchungsausschuss gekannt. Aber es ist doch etwas anderes, wenn man sich dann persönlich begegnet und mitkriegt, wie er arbeitet. Er besetzt eine Vielzahl von Themen und wirkt immer top vorbereitet“, berichtete Sebald. Positiv überrascht war die Beamtin von der Arbeit im Haushaltsausschuss: „Ich habe den Eindruck, dass die Abgeordneten über Fraktionsgrenzen hinweg gut zusammenarbeiten, um zu einem positiven Ergebnis zu kommen. Die Scheingefechte sind wohl mehr für die Medien.“

Der Wunsch vieler Teilnehmer nach diesem ersten „Shadowing“: Rollentausch. Die Abgeordneten sollen für einen Tag in die Ministerien kommen und sich dort ein Bild von der Arbeit der Verwaltungsfachleute machen. „Shadowing“-Initiator Dr. Peer Frieß will die Anregung gerne aufnehmen, sagte er zu.

Verwaltungskräfte beschatten Politiker

Florian Streibl (FREIE WÄHLER) nahm Dr. Gisela Stückl, Regierungsdirektorin im Bayerischen Kultusministerium (Bild Mitte) in die Fraktionssitzung mit | Foto: Rolf Poss
Besprechung beim gemeinsamen Frühstück: Oliver Jörg (CSU) und Brigitte Meyer (FDP) mit ihren Begleitern Leslie Trüstedt (1. von rechts) aus der Bayerischen Staatskanzlei und Dr. Michael Hübsch (1. von rechts) vom Sozialministerium. | Foto: Rolf Poss
Eike Hallitzky (Bündnis 90/Die Grünen) hatte gleich zwei Begleiterinnen: Dr. Andrea Sebald vom Landespersonalausschuss (links) und Praktikantin Sabine Pilsinger. | Foto: Rolf Poss
Seitenanfang