Bayerischer Landtag

Bayerischer Club zeichnet Seminararbeiten zur Heimat aus

Die diesjährigen Preisträger bzw. deren Vertreter mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm (Mitte), Wolfgang Prinz von Bayern (3.v.r.), Walter Gremm vom Kultusministerium (3.v.l.), Prof. Siegfried Borelli (r.) und Prof. Albert Scharf, Präsident des Bayerischen Clubs (2.v.r.). | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Donnerstag, 20. November 2014
– Von Katja Helmö –

Sieben Abiturientinnen und ein Abiturient aus Bayern haben sich mit unterschiedlichsten Themen zur Heimat in ihren Seminararbeiten auseinandergesetzt. Diesen Einsatz und dieses Engagement würdigte der Bayerische Club, ein Verein zur Förderung bayerischer Kultur, am 20. November im Maximilianeum mit dem Jahrespreis 2014. Die Bandbreite der ausgezeichneten Arbeiten war erneut groß und reichte von der „Thingstätte Eichstätt“ über „Video Walk – Ein Weg voller Geschichte“ bis zur „Zeitmessung mit einer Klappsonnenuhr“. Der Landespreis ging in diesem Jahr in die Oberpfalz, wo der Regensburger Daniel Zierhut die Viererkoalition im Bayerischen Landtag von 1954 bis 1957 aus geschichtlicher und politischer Perspektive beleuchtete.

Prof. Albert Scharf (li.) und Landtagspräsidentin Barbara Stamm würdigten die Arbeit von Landessieger Daniel Zierhut aus Regensburg. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Der Absolvent des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Regensburg hatte in einem Kurs zur regionalen Nachkriegsgeschichte den Anstoß erhalten, dieses landesgeschichtliche Kapitel vor 60 Jahren unter die Lupe zu nehmen und politische Bezüge zur Gegenwart herzustellen. Seine nun mit dem Landespreis ausgezeichnete Arbeit hat ihn darin bestärkt, Rechtswissenschaften zu studieren und später einen Beruf im politischen Umfeld anzustreben.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm freute sich über das politische Thema mit Bezug zum bayerischen Parlament und zeigte sich beeindruckt von der Vielfalt der anderen Seminararbeiten. Mit fünf Arbeiten war das Fach Geschichte wieder sehr stark vertreten: Lisa Maier aus Eichstätt beschäftigte sich mit der Historie der Thingstätte in ihrer Heimatstadt, Sarah Zellner zeichnete die Geschichte des Stadttheaters Straubing nach, Jana Schmitt aus Bamberg trug die biografischen Daten des jüdischen Lehrers Justin Fränkel zusammen und Christine Althaus vom Gertrud-von-le-Fort-Gymnasium in Oberstdorf beschrieb die Rolle von Johann Althaus bei der Einführung der Milchwirtschaft im Allgäu.  

„Um die Zukunft erfolgreich zu gestalten, muss man auch seine Wurzeln kennen. Zukunft hat nur das Land, das auf Fortschritt und Tradition setzt“, unterstrich die Landtagspräsidentin in ihrem Grußwort. Heimatgefühl, so Barbara Stamm, sei keineswegs mit Rückständigkeit oder Fortschrittsfeindlichkeit gleichzusetzen. Gerade in Bayern könne man immer wieder erfahren, wie gut Tradition und Innovation zusammenpassten.

Ministerialdirigent Walter Gremm vom Kultusministerium griff diesen Gedanken ebenfalls auf: Tradition sei Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche“, erklärte er und zitierte damit den österreichischen Komponisten Gustav Mahler. Trotz der Strapazen und Kraftanstrengung bei der gedanklichen Durchdringung der Themen, brenne in den Preisträgern ein Feuer, ihre Begeisterung sei spürbar geworden. Gremm würdigte ihre Bereitschaft, sich mit der bayerischen Kultur auseinanderzusetzen und betonte: „Nur, wer seine Wurzeln kennt, kann Identität finden.“

Der Preis des Bayerischen Clubs zur Förderung der bayerischen Kultur wird seit dem Jahr 2000 jährlich verliehen. Neben den fünf Arbeiten im Fach Geschichte wurden zudem Arbeiten in den Fächern Kunst ( „Video Walk – Ein Weg voller Geschichte“), Mathematik („Adam Ries und das Rechnen auf den Linien“) und Physik („Zeitmessung mit einer Klappsonnenuhr nach historischem Vorbild“) prämiert.

Prof. Dr. h.c. Albert Scharf, Präsident des Bayerischen Clubs, begrüßte es, dass die Lehrkräfte an den bayerischen Gymnasien für die Seminararbeiten weiterhin bayerische Themen stellen. Mit der Preisverleihung wolle der Bayerische Club einen Anstoß geben, dass diese Inhalte nicht aus den Lehrplänen gestrichen werden. Es sei das Anliegen des Clubs, so Prof. Scharf, dass „Bayern als Staat im Herzen Europas bewusst bleibt – mit einer eigenen Geschichte und einem Selbstbewusstsein, das in eine von globaler Gleichförmigkeit bedrohte Zukunft trägt“. 

 

Folgende Abiturientinnen und Abiturienten wurden 2014 vom Bayerischen Club ausgezeichnet:

Christine Althaus, Gertrud-von-le-Fort-Gymnasium Oberstdorf: „Die Rolle von Johann Althaus bei der Einführung der Milchwirtschaft im Allgäu“ (Geschichte)

Lisa Maier, Willibald-Gymnasium Eichstätt: „Die Thingstätte Eichstätt“ (Geschichte)

Hannah Lucia Kansy, Städtisches Luisengymnasium München: „Video Walk – Ein Weg voller Geschichte“ (Kunst)

Sarah Zellner, Veit-Höser-Gymnasium Bogen: „Drama nach dem Grauen. Das deutsche Theater in der Nachkriegszeit am Beispiel des Stadttheaters Straubing“ (Geschichte)

Daniel Zierhut, Albertus-Magnus-Gymnasium Regensburg: „Die Viererkoalition – die Geschichte des Scheiterns einer parteipolitischen Alternative oder ein Erfolgsmodell mit Zukunftspotential“ (Geschichte).

Jana Schmitt, Eichendorff-Gymnasium Bamberg: „Justin Fränkel, eine Biographie“ (Geschichte)

Franziska Zahn, Gymnasium Carolinum Ansbach: „Zeitmessung mit einer Klappsonnenuhr nach historischem Vorbild“ (Physik)

Juliane Fischer, Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt: „Adam Ries und das Rechnen auf den Linien“ (Mathematik).


Erstmals sind die prämierten Arbeiten auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Sie wurden gesammelt und als Band gedruckt.

Weitere Informationen unter: Der Bayerische Club

Würdigte die Preisträgerinnen und Preisträger: Prof. Albert Scharf, Vorsitzender des Bayerischen Clubs. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Freute sich über die Vielfalt an Themen: Landtagspräsidentin Barbara Stamm. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Mit Eigenkompositionen umrahmte die Gruppe Animal Lake unter der Leitung von Claus W. Redl die Feierstunde musikalisch. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Walter Gremm vom Kultusministerium bezeichnete die Feierstunde als festen Bestandteil im gymnasialen Kalender. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
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