Bayerischer Landtag

21.06.2013 - Landtagspräsidium auf Regionalbesuch in Unterfranken: Region punktet als Gesundheits- und Wirtschaftsstandort

München. Das Präsidium des Bayerischen Landtags hat seinen letzten Regionalbesuch in dieser Legislaturperiode absolviert: Der Regierungsbezirk Unterfranken war das Ziel der Informationsreise am Freitag, 21. Juni 2013.

Bild: Auftakt der Regionalreise im Gymnasium Veitshöchheim: v.l. Volkmar Halbleib, Dr. Hans Jürgen Fahn Sylvia Stierstorfer, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Hans Herold, Vizepräsident Jörg Rohde, Vizepräsidentin Christine Stahl, Simone Tolle. | Foto: Rolf Poss
Auftakt der Regionalreise im Gymnasium Veitshöchheim: v.l. Volkmar Halbleib, Dr. Hans Jürgen Fahn Sylvia Stierstorfer, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Hans Herold, Vizepräsident Jörg Rohde, Vizepräsidentin Christine Stahl, Simone Tolle. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

- Von Heidi Wolf -

Die Politikerinnen und Politiker erlebten eine selbstbewusste Region, die als Gesundheits- und innovativer Wirtschaftsstandort punktet und als solcher auch in der Landeshauptstadt München wahrgenommen werden will. „Geld und Hilfe sind schön, aber sie schläfern ein“, teilte Thomas Habermann, Landrat des Landkreises Rhön-Grabfeld, seine Überzeugung mit. Der Kommunalpolitiker setzt lieber auf die endogenen Kräfte einer Region. Deshalb haben sich die Landkreise Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen mit den fünf Heilbädern im Bäderland Bayerische Rhön nach dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte und der Bundeswehr auf die Gesundheitswirtschaft konzentriert. In dieser Branche arbeiten inzwischen 25 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – ein Wert, der weit über dem Landes- und Bundesdurchschnitt liegt. Das große Anliegen aller Beteiligten: Der Prävention muss mehr Bedeutung eingeräumt werden, damit die Kliniken und Sanatorien eine gute Zukunft haben. Das betrifft sowohl die betriebliche als auch die private Gesundheitsvorsorge, wurde in einer großen Gesprächsrunde in Elfershausen betont.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm führte die Reise durch ihre Heimat, den Regierungsbezirk Unterfranken, an. Bei allen Programmpunkten waren Vizepräsidentin Christine Stahl (Bündnis 90/Die Grünen) und Vizepräsident Jörg Rohde (FPP) dabei, außerdem die Präsidiumsmitglieder Sylvia Stierstorfer, Walter Nadler und Hans Herold (alle CSU) sowie Christa Steiger (SPD). Am Gymnasium Veitshöchheim erlebte die Besuchergruppe moderne Unterrichtsmethoden: Als einziges Gymnasium in Unterfranken wurde die Schule in den Modellversuch „Lernreich 2.0 – Üben und Feedback mit digitalen Medien“ aufgenommen, den die Stiftung Bildungspakt Bayern mit Unterstützung des Kultusministeriums gestartet hat. Webgestützte Lern- und Übungsangebote stehen dabei im Mittelpunkt. Walter Nadler war fasziniert vom Kunstunterricht, bei dem ein Whiteboard eingesetzt wurde, eine elektronische Tafel, die an einen Computer angeschlossen ist. Das Modell eines Kirchenfensters entstand auf diese Weise. Die Englischlehrerin wiederum schickte die Schülerinnen und Schüler mit einer Fliegenklatsche auf Vokabeljagd. Das Ergebnis des interaktiven Unterrichts: Die Kinder waren hoch konzentriert und motiviert.

Geradezu begeistert war das Landtagspräsidium von der Schülerfirma „Fresh & Fruits“, die als GBR professionell organisiert ist und immer von Schülerinnen und Schülern der 11. Klasse in verschiedenen Schichten betrieben wird. Der Gewinn kommt der jeweiligen Abiturklasse zugute. Dieses „kulinarische Zentrum“ existiert seit zwei Jahren; an drei Tagen wird gesundes Essen mit regionalen Produkten angeboten. 100 bis 150 Vollkornbagels verkaufen die Jugendlichen an einem Tag, außerdem frische Salate, Milchshakes und Smoothies. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Schülerfirma haben richtige Arbeitsverträge; einmal in der Woche gibt es ein Firmentreffen. Die Initiative für „Fresh & Fruits“ ging von der Lehrerin Margret Simmelbauer aus. Die Idee zündete bei den Schülerinnen und Schülern, die über ihre Firma in der Schule Verantwortung übernehmen und sich aktiv ins Schulleben integrieren.
„Das Gymnasium Veitshöchheim ist ein Beispiel dafür, wie hervorragend eine Schule arbeiten kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Der Landkreis Würzburg steht voll dahinter, Lehrer und Schüler sind überaus engagiert, das Klima spürbar positiv und von großer Wertschätzung getragen“, fasste Landtagspräsidentin Barbara Stamm ihre Eindrücke zusammen.

Anspruchsvolle Maschinen für anspruchsvolle Kunden

Von der Schule in die Wirtschaft: Mit der Adolf Steinbach GmbH in Salz im Landkreis Rhön-Grabfeld lernten die Politikerinnen und Politiker einen Innovativen Vorzeigebetrieb kennen. Das Unternehmen, in der sechsten
Generation in Familienhand, baut „anspruchsvolle Maschinen für anspruchsvolle Kunden“, formulierten die beiden Juniorchefs Michael und Thorsten Steinbach den Anspruch der Firma mit 170 Beschäftigten im Fertigungsgerätebau. Auf der Referenzliste stehen zum Beispiel Kunden wie BMW, Daimler, Brose, Bosch, ZF, Siemens und Bosch. Die MitarbeiterInnen kommen zu 83 Prozent aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld, 37 Prozent fahren weniger als zehn Kilometer zum Arbeitsplatz. Auf einem Rundgang durch das Werk verschafften sich die Politikerinnen und Politiker einen Eindruck von den Sondermaschinen, die eine engagierte Belegschaft herstellt: eine Simulatorplattform zum Beispiel, auf der Automobilfirmen ihre neuesten Autos präsentieren und vorführen, was sie alles können. Ein Aushängeschild und ein beeindruckendes Beispiel für die effiziente Zusammenarbeit des Unternehmens mit anerkannten Forschungseinrichtungen ist der 3,6 Millionen teuere Hexapod-Prüfstand, der im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG von der FGB Steinbach für die Technische Universität Hamburg-Harbug entwickelt wurde. Er testet zum Beispiel, ob eine Flugzeugküche den realen Bedingungen standhält. Ein großes Ziel von FGB derzeit ist, Generatoren neu zu entwickeln.

Spitzenplatz als High-Tech-Region

Unterfranken zählt als Forschungs- und Wirtschaftsstandort zu den TOP 10 der führenden High-Tech-Regionen Europas. Deshalb führte ein Programmpunkt zum Campus Nord der Universität Würzburg, wo Professoren und Studenten die Forschungsprojekte CAVE – Computer Animated Virtual Environment (Einblick in virtuelle Welten anhand eines Gäste 3D-Multisensoriklabors und „AQopterI8 – Autonome Quadrocopter zur Innenraumerkundung“ vorstellten. Der Quadrocopter ist ein kleiner Hubschrauber, der mit vier sich ständig drehenden Propellern, unterschiedlichen Sensoren und Kameras ausgestattet ist. Die große Neuheit: Er findet sich ohne GPS-Unterstützung in einem Gebäude zurecht, könnte zum Beispiel in einem brennenden Gebäude eingesetzt werden, um zu erkunden, ob sich darin noch Menschen befinden. Risse in der Kanalisation ließen sich auf diese Weise ebenfalls aufspüren.

Die virtuelle Welt der Psychologie wurde in einem 3D-Multisensoriklabor vorgeführt. Dort laufen Tests, wie sich Menschen bei einem Tunnelbrand verhalten. Es handelt sich dabei um ein Forschungsvorhaben des Bundesverkehrsministeriums; das Bundesforschungsministerium fördert das Würzburger Projekt mit 900 000 Euro. In dem Labor werden die Bewegungen der Testpersonen aufgezeichnet, Puls, Schweiß und Hirnströme gemessen. Anlass für dieses Forschungslabor waren die katastrophalen Tunnelbrände in der Vergangenheit. „Viele Menschen hätten bei richtigem Verhalten gerettet werden“, berichtete Professsor Paul Pauli, Projektleiter zusammen mit Professor Andreas Mühlberger. Die Erkenntnisse im Labor sollen Überlebenstipps für den Erstfall liefern. Eine zweite Studie im Bereich ÖPNV ist bereits angedacht.

Der Regionalbesuch endete mit einem Empfang im Vogel Convention Center in Würzburg. Über 500 Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen nahmen daran teil, nutzten die Gelegenheit zu Gesprächen:
BürgerInnen und PolitikerInnen im Dialog. „Wenn wir die Erwartungen nicht erfüllen und nicht alles richtig machen, tut uns das leid und dafür entschuldigen wir uns. Aber bitte werfen Sie uns nicht alle in einen Topf“, hatte Landtagspräsidentin Barbara Stamm die Begegnung eröffnet.

Im Gymnasium Veitshöcheim: Würzburgs Landrat Eberhard Nuß, Volkmar Halbleib, stv. Vorsitzender des Haushaltsausschusses, Landtagspräsidentin Barbara Stamm und die Präsidiumsmitglieder Sylvia Stierstorfer und Hans Herold. | Foto: Rolf Poss
Dieter Brückner, Schulleiter des Gymnasiums Veitshöchheim im Gespräch mit dem Abgeordneten Dr. Jürgen Fahn | Foto: Rolf Poss
Zu Besuch beim Fertigungsgerätebau Steinbach in Salz: der Landrat von Rhön-Grabfeld Thomas Habermann, Sylvia Stierstorfer, Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel und Jörg Rohde folgen den Erläuterungen eines Mitarbeiters. | Foto: Rolf Poss
Thomas Habermann, Landrat von Rhön-Grabfeld im Gespräch mit Präsidiumsmitglied Walter Nadler. | Foto: Rolf Poss
Günther Felbinger, Oliver Jörg, Barbara Stamm und Volkmar Halbleib im Campus Nord der Universität Würzburg. | Foto: Rolf Poss
Vizepräsidentin Christine Stahl mit Harald Barlage, Geschäftsführer de Rhabilitations- und Präventionszentrums Bad Bocklet. | Foto: Rolf Poss
Vizepräsident Jörg Rohde auf der Simulatorplattform der Firma Steinbach. | Foto: Rolf Poss
Gruppenfoto mit Windrad bei der Steinbach GmbH. | Foto: Rolf Poss
Tunnelbrand-Simulation im 3D-Multisensorik-Labor im Campus Nord der Universität Würzburg. | Foto: Rolf Poss
Landtagspräsidentin mit der Band SaxEmotion, die beim Abendempfang für die Musik sorgte. | Foto: Rolf Poss
Timo Wagenblast vom Gymnasium Veitshöchheim sorgte für eine Showeinlage. | Foto: Rolf Poss
Würzburgs Bischof Dr. Friedhelm Hofmann im Gespräch mit Weinkönigin Marion Wunderlich. | Foto: Rolf Poss
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