Bayerischer Landtag

21.08.2010 - Abschied von Sepp Daxenberger - Trauerfeier in Waging am See

Im Trauerzug zum Friedhof gingen auch Grünen-Chefin Claudia Roth mit, Sepp Hohlweger, Fraktionsvorsitzender im Kreistag von Traunstein, Thomas Mütze, der sich seit dem Rücktritt von Sepp Daxenberger mit Margarete Bause (2. Reihe links) den Fraktionsvorsitz teilt, Hubert Aiwanger, Fraktionsvorsitzender der FW, Ministerpräsident Horst Seehofer, Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Karin Seehofer | Foto: Rolf Poss
Im Trauerzug zum Friedhof gingen auch Grünen-Chefin Claudia Roth mit, Sepp Hohlweger, Fraktionsvorsitzender im Kreistag von Traunstein, Thomas Mütze, der sich seit dem Rücktritt von Sepp Daxenberger mit Margarete Bause (2. Reihe links) den Fraktionsvorsitz teilt, Hubert Aiwanger, Fraktionsvorsitzender der FW, Ministerpräsident Horst Seehofer, Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Karin Seehofer | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Abgeordnete aus allen Fraktionen waren am Samstag, 21. August 2010, zur Trauerfeier für Sepp Daxenberger gekommen, viele hielten Sonnenblumen als letzten Gruß in den Händen. Sie wollten – wie Hunderte anderer Trauergäste – von einem einzigartigen Menschen Abschied nehmen. Das Requiem in der barocken Pfarrkirche in Waging am See zelebrierte der Münchner Domdekan Lorenz Wolf, der Leiter des Katholischen Büros in Bayern. „Der Tod hat viele Gesichter – wie das Leben. Für Sepp Daxenberger kam der Tod schließlich als Freund und Erlöser", versuchte der Geistliche zu trösten. Sieben Jahre lang hatte Daxenberger gegen den Krebs gekämpft, eine besonders heimtückische Mischung aus Knochen- und Blutkrebs. Drei Tage nach dem Tod seiner Frau Gertraud, die an Mariä Himmelfahrt dem Brustkrebs erlegen war, verließ ihn die Kraft. „Ich kann nicht mehr", zitierte Domdekan Lorenz Wolf in seiner Predigt die Abschiedsworte an die drei Söhne und die Mutter.

Bild: Sepp Daxenberger ist am 18. August 2010 verstorben | Foto: Rolf Poss
Sepp Daxenberger ist am 18. August 2010 verstorben | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Landtagspräsidentin Barbara Stamm trat nach dem Requiem als erste ans Rednerpult, um an den verstorbenen Abgeordneten zu erinnern, dem sie sich menschlich sehr nahe fühlte. „Sepp Daxenberger war ein aufrechter und glaubwürdiger Politiker. Seine Arbeit im Landtag war geprägt von seiner Persönlichkeit: Menschlich anständig, heimatverbunden, klug, gerecht und vorausschauend setzte er sich für die Ziele ein, die er als richtig erkannt hatte", urteilte Barbara Stamm. „Er verstand und pflegte die Sprache des Volkes, dessen Vertreter er war – auch wenn sich in den Plenarsitzungen manche Gast-Stenographen von außerhalb Bayerns schwer damit taten", erinnerte die Landtagspräsidentin. Hemdsärmelig sei er bei seiner ersten großen Rede im Parlament am 19. März 1991 ans Rednerpult getreten, unbeirrt von Zwischenrufen. „Beruhigt´s Euch, seid´s friedlich, dann dauert`s net so lang", konterte Daxenberger.

Barbara Stamm erinnerte auch an den letzten Auftritt Sepp Daxenbergers im Juni 2010 im Landtag – einen Tag, nachdem er seinen Rücktritt vom Vorsitz der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bekannt gegeben hatte. „Alle Abgeordneten, über die Fraktionsgrenzen hinweg, begrüßten ihn mit minutenlangem Beifall", schilderte die Präsidentin den bewegenden Augenblick von damals. Stamm wünschte den Angehörigen viel Kraft, um diesen schweren Schicksalsschlag zu tragen. Sie wandte sich direkt an die drei Söhne Felix, Kilian und Benedikt, die Eltern und die Geschwister des verstorbenen Abgeordneten: „Haltet zusammen, wie Ihr es die ganze schwere Zeit über getan habt!"

Für die Partei der Grünen sprach Bundesvorsitzende Claudia Roth. In sehr persönlichen Worten schilderte sie ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit dem politischen Weggefährten. Sein Paradies auf Erden seien sein Hof, die Kälber, die Wiesen und die Menschen hier gewesen. Als Biobauer wollte er die Schöpfung bewahren, als Schmied wollte er formen und gestalten. „Du bist Bayern, Sepp", rief Claudia Roth ihrem toten Kollegen nach und versprach: „Wir werden alles tun, dass Deine Ziele Wirklichkeit werden, dass die Welt ein besserer Ort wird."

Wie groß die Wertschätzung für Sepp Daxenberger war, machten auch der Traunsteiner Landrat Hermann Steinmaßl und der Waginger Bürgermeister Herbert Häusl deurtlich, der Nachfolger von Sepp Daxenberger in diesem Amt. „Der Sepp, der Schmied und Bauer. So hat er auch Politik gemacht. Wie ein Bauer alle Felder beackert. Und mit der Kraft des Schmiedes gekämpft bis zum Schluss", sagte Steinmaßl. Und Herbert Häusl erinnerte: „Eine seiner ersten Taten als Bürgermeister war, einen eigenen Kindergarten zu bauen, so dass unsere Kinder im Dorf bleiben können. Er hat Waging ökologisch neu ausgerichtet – wirtschaftlich denkend, aber immer mit den Menschen im Vordergrund."

Josef Egger, der Vorsitzende des Trachtenvereins Waging am See, verabschiedete mit sehr persönlichen Worten einen Vereinskollegen und einen Freund. „Unser Pfarrer in Waging sagt am Ende der Messe immer: ´Gehet hin und bereitet Freude." Ich hab mir immer gedacht: Jeder Mensch hat seinen Sorgen und seinem Krampf daheim, und dann sollst auch noch Freude bereiten. Aber ich muss zugeben: Jedes Mal, wenn ich den Sepp getroffen hab´, hab´ ich mich gefreut. Pfiat di Gott, Sepp."/hw

Margarete Bause trägt sich in das Kondolenzbuch für Sepp Daxenberger ein. Bis zum Juni 2010 haben sie gemeinsam die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen geführt. | Foto: Rolf Poss
Landtagspräsidentin Barbara Stamm Barbara Stamm würdigte den früheren Kollegen von Bündnis 90/Die Grünen stellvertretend für das gesamte bayerische Parlament. | Foto: Rolf Poss
Grünen-Chefin Claudia Roth am Rednerpult: „Du bist Bayern, Sepp.“  | Foto: Rolf Poss
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