Bayerischer Landtag

24.02.2010 - Parlamentariergruppe aus Québec auf Tour durch Bayern

Die hervorragende Zusammenarbeit zwischen der Nationalversammlung im kanadischen Québec und dem Bayerischen Landtag hat einen neuen Schub erhalten: Eine kleine Delegation aus Québec, die sich in dieser Woche in Bayern aufhält, ist begeistert von Land und Leuten. „Québec und Bayern verbindet trotz der großen geographischen Entfernung eine Seelenverwandtschaft“, stellen Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Vizepräsidentin Fatima Houda-Pepin nach den ersten Begegnungen übereinstimmend fest.

Fatima Houda-Pepin, Erste Vizepräsidentin der Nationalversammlung von Québec (Mitte), beim Eintrag in das Ehrenbuch des Bayerischen Landtags. | Foto: Rolf Poss
Fatima Houda-Pepin, Erste Vizepräsidentin der Nationalversammlung von Québec (Mitte), beim Eintrag in das Ehrenbuch des Bayerischen Landtags. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Die Parlamente in beiden Ländern legen großen Wert auf ihre Kompetenzen, verteidigen die föderalen Strukturen. Das Ziel ist überall das gleiche: Das Selbstbewusstsein des Parlaments fördern, die Volksvertretung im Bewusstsein der Bevölkerung besser verankern!

Nachhaltige Entwicklung: Québec hat Vorreiterrolle in ganz Kanada

Vizepräsidentin Fatima Houda-Pepin führt die Delegation aus Québec an, die diesmal vor allem an zwei Themen interessiert ist: berufliche Bildung und erneuerbare Energien. In diesem Bereich hat Québec eine Vorreiterrolle in ganz Kanada, berichteten die Gäste am Dienstag in einer Gesprächsrunde mit Vertretern aller Fraktionen im Maximilianeum. Das Land unternimmt große Anstrengungen, die Treibhausgase zu reduzieren und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Die Nationalversammlung von Québec hat erst im Dezember 2009 einen Aktionsplan zur nachhaltigen Entwicklung verabschiedet, der in drei Jahren umgesetzt werden soll. Ein vorrangiges Ziel ist es, das Verkehrsaufkommen um die Metropolregion Montreal zu senken. Ihren Strom bezieht die größte der zehn kanadischen Provinzen vor allem aus Wasserkraft.

Welche Chancen bietet die Photovoltaik? – Das wollten die Parlamentarier aus Québec von Thomas Petsch wissen, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung bei a+f Suncarrier in Würzburg. Die Firma nimmt beim Bau von Photovoltaikanlagen einen Spitzenplatz in der ganzen Welt ein. Bis 2008 war Spanien der größte Markt, berichtete Thomas Petsch. „Dann hat das Land kurzfristig das Einspeisgesetz geändert. Die Firmen sind reihenweise gestorben“, schilderte der Unternehmer. Er sieht in Indien den großen Markt der Zukunft. Aber auch Tschechien, Bulgarien und Griechenland seien im Fokus. Seit September 2009 gebe es auch in Denver in den USA eine Niederlassung. Die Entwicklung der Photovoltaik beschrieb Petsch mit dem Satz: „Wir waren bis 2004 noch in den Kinderschuhen, aber langsam werden wir erwachsen – wenn uns die Politik lässt.“ Damit zielte der Unternehmer auf die geplanten Änderungen beim Erneuerbaren-Energien-Gesetz, die zum 1. April 2010 wirksam werden sollen. Geplant ist, die Vergütung für umweltfreundlich erzeugten Solarstrom erheblich zu kürzen. „Bis zum 1. April 2010 haben die Handwerker alle Hände voll zu tun, um die Solaranlagen auf die Dächer zu montieren. Anschließend werden sie dann Arbeitskräfte entlassen, weil die Aufträge fehlen“, befürchtet Thomas Petsch, der in einem Mix von erneuerbaren Energien „den einzig richtigen Weg für die Zukunft“ sieht. Neben der Photovoltaik informieren sich die Gäste auch über das Geothermie-Projekt in Unterhaching bei München.

Bayern besteht nicht nur aus München und aus Oberbayern – auch Franken – hat Unvergleichliches zu bieten! Das erlebten die Gäste gleich am ersten Besuchstag. Sie ließen sich durch das mittelalterliche Rothenburg ob der Tauber führen, bestaunten den Heilig Blutaltar von Tilman Riemenschneider in der St. Jakobskirche und hörten gebannt der Schilderung vom „Meistertrunk“ zu. Der Legende nach leerte 1631 – mitten im 30-jährigen Krieg – ein Ratsherr den Pokal, der dreieinviertel Liter Wein fasst, auf einen Zug und rettete damit die Stadt vor der Zerstörung.

In Würzburg erlebte die Gruppe fränkische Gastlichkeit: Landtagspräsidentin Barbara Stamm gab am Montagabend im prächtigen Fürstensaal der Residenz ein festliches Abendessen für die Gäste. Vertreter aus der Wirtschaft, aus der Verwaltung und aus unterschiedlichen Bildungseinrichtungen waren als Gesprächspartner geladen. Beeindruckt waren die Gäste von der Residenz, einem UNESCO- Weltkulturerbe, und von der Qualität des Frankenweins im historischen Hofkeller, der schon 1128 gegründet wurde und damit das älteste Weingut Deutschlands ist. Den Frankenwein gibt es in ihrer Heimat nicht, bedauerten die Gäste aus Québec. „Der Export ist sehr schwierig, speziell nach Kanada, weil dort ein Monopol alles bestimmt“, berichtete Michael Jansen, der Direktor des Weinguts. Vizepräsidentin Fatima Houda-Pepin versprach: „Wir wollen parteiübergreifend versuchen, das Geheimnis der Weineinfuhr in Kanada zu ergründen.“ /hw

Blick vom Steinernen Saal auf die Maximilianstraße: Fatima Houda-Pepin, Erste Vizepräsidentin der Nationalversammlung in Québec (Mitte), flankiert von Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Reinhold Bocklet, Erster Vizepräsident des Bayerischen Landtags. | Foto: Rolf Poss
Rückblick auf die letzten zehn Jahre der Partnerschaft und allgemeiner Gedankenaustausch im Konferenzzimmer des Maximilianeums. | Foto: Rolf Poss
Landtagspräsidentin Barbara Stamm (li.) überreichte Fatima Houda-Pepin, Erste Vizepräsidentin der Nationalversammlung im kanadischen Québec, ein Geschenk. | Foto: Rolf Poss
Die parlamentarische Delegation in der Residenz in Würzburg mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm (Mitte) und Fatima Houda-Pepin, Erste Vizepräsidentin der Nationalversammlung von Québec (6.v.r.). | Foto: Heidi Wolf
Leiteten die Delegation: Landtagspräsidentin Barbara Stamm (rechts) und Fatima Houda-Pepin, Erste Vizepräsidentin der Nationalversammlung von Québec. | Foto: Heidi Wolf
Die Delegation bei der Firma a + f Suncarrier in Würzburg. Das Unternehmen ist auf Solaranlagen spezialisiert. Links: Jörg Rohde, Fünfter Vizepräsident des Bayerischen Landtags. | Foto: Heidi Wolf

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