Bayerischer Landtag

24.05.2012 - Bayerischer Landtag wieder unter einem Dach - Erweiterungsbau eingeweiht

Neuer Anbau des Bayerischen Landtags setzt Maßstäbe für die Zukunft.

Die Baukommission mit dem Passivhauszertifikat. | Foto: Rolf Poss
Geistliche beider großer christlicher Konfessionen segnen den Neubau. | Foto: Rolf Poss
Endlich wieder Platz zum Arbeiten: der neue Konferenzsaal im Erweiterungsbau. | Foto: Rolf Poss
Blick auf den Erweiterungsbau des Maximilianeums. | Foto: Rolf Poss
Innenminister Joachim Herrmann überreicht Landtagspräsidentin Barbara Stamm symbolisch den Schlüssel zum neuen Gebäude. | Foto: Rolf Poss
Architektin Hilde Léon und Bauleiter Oliver Bläsig. | Foto: Rolf Poss

- Von Heidi Wolf -

Der Bayerische Landtag befindet sich wieder unter einem Dach: Mit einem 15,4 Millionen Euro teueren Erweiterungsbau am Maximilianeum wurde die akute Platznot beseitigt, die sich mit den Wahlen im Oktober 2008 drastisch verschärft hat, als nach langer Zeit wieder fünf Fraktionen ins bayerische Parlament einzogen. Das Gebäude, das in einer Bauzeit von nur zwei Jahren entstanden ist, setzt Maßstäbe für die Zukunft. Es ist barrierefrei und erfüllt den Passivhausstandard, was bei Bürogebäuden oder öffentlichen Bauten bisher extrem selten gelingt. „Auf beides haben wir besonderen Wert gelegt, weil wir als öffentliche Institution eine Vorbildfunktion haben“, sagte Landtagspräsidentin Barbara Stamm am Donnerstag, 24. Mai 2012, bei der Einweihungsfeier. Dabei nahm sie auch das Zertifikat des renommierten eza-Instituts entgegen, das dem Erweiterungsbau im Nordhof des Maximilianeums (MEN) den Passivhausstandard bestätigt: Das Haus benötigt nur ein Fünftel der Energie, die ein vergleichbarer Neubau mit herkömmlichen Standards braucht.

Den Vorbildcharakter des neuen achtstöckigen Gebäudes – sechs davon oberirdisch - stellte auch Innenminister Joachim Herrmann, der Chef der Bauverwaltung in Bayern, in seinem Grußwort heraus. Das Haus erfülle die deutlich höheren energetischen Anforderungen, die in der Energiesparverordnung von 2009 vorgeschrieben seien, lobte er. Landtagspräsidentin Barbara Stamm wies in ihrer Rede darauf hin, dass das Bauwerk fest in bayerischer Hand war: Von den 35 beteiligten Firmen im Hochbau kamen 75 Prozent aus Bayern. Geplant hat das Gebäude ein Berliner Büro; Léon, Wohlhage, Wernik. Die renommierten Architekten von der Spree setzten sich in einem hochrangig besetzten Wettbewerb durch und schufen ein höchst attraktives Gebäude an einem historischen Ort hoch über den Isarauen. In Anlehnung an das Maximilianeum, das der Münchner Baumeister Friedrich Bürklein für König Max II. entworfen hat und das von 1857 bis 1874 entstanden ist, besteht die Fassade aus Terrakottafliesen. Das Geschoss mit dem lichtdurchfluteten Saal ragt über das übrige Gebäude hinaus. „Präzise eingepasst, gestalterisch zurückhaltend, aber ausdrucksstark in der Kubatur“, schilderte Professorin Hilde Léon das Ziel für den Neubau. Es sei eine wirkliche Herausforderung gewesen, die Kriterien für ein Passivhaus zu erreichen, berichtete die Planerin: „Das ist echt anstrengend, die Anforderungen an jeder Stelle zu erfüllen.“

Interessantes Eintauchen in die Politik

Als sehr interessant bezeichnete Professorin Hilde Léon das „Eintauchen in die Welt der Politik“ während der vergangenen drei Jahre, als sie intensiv mit der Baukommission des Bayerischen Landtags zusammenarbeitete. Dem Gremium gehörten neben den Vizepräsidenten Reinhold Bocklet und Jörg Rohde Abgeordnete aus den verschiedenen Fraktionen an: Inge Aures, Renate Dodell, Professor Dr. Peter Paul Gantzer, Thorsten Glauber, Ulrike Gote, Dr. Florian Herrmann und Peter Winter. „Wir haben erlebt, dass die unterschiedlichen Parteien mit viel Fairness miteinander umgehen“, schilderte die Architektin ihre Eindrücke. Landtagspräsidentin Barbara Stamm bestätigte Hilde Léon Beharrlichkeit, Charme, Offenheit und Haltung: „Ich habe viel von Ihnen gelernt.“ Reinhold Pfeufer, Leitender Baudirektor beim Staatlichen Bauamt München 2, bezeichnete die Zusammenarbeit mit der Berliner Architektin als „nicht ganz einfach. „Aber gemeinsam haben wir ein Super-Ergebnis erzielt!“

Rot ist die dominante Farbe

Neben dem großen Konferenzsaal sind in dem achtstöckigen Gebäude drei Besprechungsräume und 65 Büros entstanden. Die Abgeordneten sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landtagsverwaltung und der Fraktionsgeschäftsstellen arbeiten in einer hellen und freundlichen Atmosphäre. Hier dominiert die Farbe Rot – eine Anknüpfung an den Erweiterungsbau im Osten des Maximilianeums aus den 1990-er Jahren, der die Handschrift des Berliner Architekten Volker Staab trägt. „Es ist eine richtig noble Umgebung“, lauten die anerkennenden Kommentare von Abgeordneten, Beschäftigten und Besuchern.

Neu ist auch der Gesundheitsbereich mit Fitnessstudio und Sauna, denn die Menschen sollen sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen, betonte Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Sie forderte die Abgeordneten und die Beschäftigten in der Verwaltung auf, das Angebot zu nutzen. Das vorhandene Schwimmbad sei zugunsten des Gesundheitsbereiches aufgegeben worden. „Neben der wunderbaren Baukunst ist und bleibt der Mensch im Mittelpunkt der Arbeitswelt, nicht allein als Dienstleister, sondern mit seinen vielen sozialen Bezügen. Deshalb müssen und wollen wir alles dafür tun, dass „Ihr Lebensraum“ – der Arbeitsplatz – Ihren Bedürfnissen entspricht“, wandte sich Barbara Stamm an die Abgeordneten und die Beschäftigten in der Verwaltung. Zur dominierenden Farbe Rot im Erweiterungsbau sagte sie mit einem Lächeln: „Es ist zwar nicht die Lieblingsfarbe aller Kolleginnen und Kollegen, aber wir sind uns einig: Es ist ein architektonischer Hingucker.“ Und dann fügte die Präsidentin, die beim Festakt eine rote Jacke trug, noch an: „Bereits der Baumeister Friedrich Bürklein hat die Arkaden des Altbaus in Rot gestaltet.“ Ausdrücklich dankte Barbara Stamm der Baukommission des Bayerischen Landtags, dem Haushaltsauschuss, allen beteiligten Behörden und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Landtagsamt, die von Anfang an intensiv mit der Baumaßnahme befasst waren, für das großartige Engagement. 130 Umzüge seien zu bewältigen gewesen. Die Baukommission habe großen Mut bewiesen, als sie die Ausschreibung für die Fassade aufhob, berichtete die Präsidentin. Hätte das Gremium das nicht getan, wären die veranschlagten Kosten um eine Millionen Euro überzogen worden. So aber sei man voll im vereinbarten Rahmen geblieben – der Preis war allerdings eine Bauverzögerung um ein halbes Jahr.

Mit dem Erweiterungsbau im Nordhof des Maximilianeums ist die gesamte Landtagsfamilie wieder unter einem Dach, freute sich Barbara Stamm. Bisher war ein Teil der Verwaltung in die Ismaninger Straße ausgelagert. Jetzt sind alle wieder ins Stammhaus zurückgekehrt. „Bei allen Fortschritten in den modernen Kommunikationsmöglichkeiten: Persönliche Begegnungen und Gespräche sind für das Miteinander im Arbeitsalltag unverzichtbar“, betonte die Präsidentin. Den kirchlichen Segen bekam das Haus von Prälat Dr. Lorenz Wolf und Kirchenrat Dieter Breit. Sie beteten für die Menschen in dem Haus, die dafür sorgen, dass das Leben in unserem Staat gelingt.

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