Bayerischer Landtag

24.11.2009 - Delegation aus der südafrikanischen Provinz Gauteng auf Informationsbesuch im Bayerischen Landtag

Wie kann die südafrikanische Provinz Gauteng ihren ländlichen Raum stärken und die Landflucht stoppen? Diese Frage stand am 24. November im Mittelpunkt einer zweistündigen Unterredung von Nandi Mayathula-Khoza, Ministerin für Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung der Provinz Gauteng, mit den agrarpolitischen Sprechern der fünf Landtagsfraktionen. Jörg Rohde, V. Vizepräsident des Bayerischen Landtags, empfing die südafrikanische Politikerin und deren Delegation.

Bild: Begrüßung im Saal 4 (v.l.): Maria Noichl (SPD), Ausschussvorsitzender Albert Füracker (CSU), Landtagsvizepräsident Jörg Rohde (FDP), Landwirtschaftsministerin Nandi Mayathula-Khoza und Moses Mphanga, juristischer Berater der Premierministerin von Gauteng. | Foto: Rolf Poss
Begrüßung im Saal 4 (v.l.): Maria Noichl (SPD), Ausschussvorsitzender Albert Füracker (CSU), Landtagsvizepräsident Jörg Rohde (FDP), Landwirtschaftsministerin Nandi Mayathula-Khoza und Moses Mphanga, juristischer Berater der Premierministerin von Gauteng. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

An dem Gespräch im Bayerischen Landtag nahmen neben Vizepräsident Jörg Rohde (FDP) und den beiden Vorsitzenden des Landwirtschaftsausschusses, Albert Füracker (CSU) und Adi Sprinkart (Bündnis 90/Grüne), auch die agrarpolitischen Sprecher Maria Noichl (SPD), Ulrike Müller (Freie Wähler) und Thomas Dechant (FDP) teil.

Landwirtschaftsministerin Nandi Mayathula-Khoza stellte Gauteng, eine von neun Provinzen der Republik Südafrika, vor. Gauteng sei flächenmäßig die kleinste südafrikanische Provinz, allerdings mit 10,5 Millionen Einwohnern dicht bevölkert. 20 Prozent der gesamten Bevölkerung Südafrikas lebten in dieser Provinz rund um Johannesburg. Gauteng sei zudem die wirtschaftlich stärkste Region Südafrikas, weise dennoch aber eine Arbeitslosenquote von 23 Prozent auf.

Als zentrales Problem bezeichnete die Ministerin die Landflucht. Die Menschen aus den ländlichen Gebieten der Provinz ziehen in der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen in die Städte, werden dort aber ebenfalls mit Arbeitslosigkeit und Armut sowie Kriminalität konfrontiert, berichtete Nandi Mayathula-Khoza. „Um zu verhindern, dass diese Menschen ihre dörflichen Gemeinschaften verlassen, ist es notwendig, dass wir die ländlichen Regionen entwickeln, dort die sanitären Bedingungen, die medizinische Versorgung, die Bildungsmöglichkeiten und das Angebot an Arbeitsplätzen verbessern“, sagte die Ministerin. Die Stärkung des Agrarsektors spiele dabei eine Schlüsselrolle, insbesondere die Möglichkeit, dass die Bauern eigene Landflächen bewirtschaften könnten. Vor diesem Hintergrund gebe es Programme der südafrikanischen Regierung zur Landum- bzw. neuverteilung. Land, das sich während des Systems der Apartheit in den Händen weniger Großgrundbesitzer befunden hatte, werde dabei an kleinere und mittelgroße Bauern vergeben.

Bayern als Vorbild beim Einsatz erneuerbarer Energien

Die Landwirtschaftsministerin und ihre beiden Begleiter, Moses Mphanga, juristischer Berater der Premierministerin von Gauteng sowie Vizekonsul Martin Ngundze, unterstrichen gegenüber den Landtagsabgeordneten ihr Interesse an einem weiter gehenden Erfahrungsaustausch mit Bayern: „Es ist sehr interessant für uns zu sehen, dass sich Bayern als ursprünglich von der Landwirtschaft geprägtes Land Industrien aufgebaut hat und heute global führende Technologie-Standorte und Hochschulen mit Weltruf aufweist“, sagte Moses Mphanga. Auch hinsichtlich der Nutzung von erneuerbaren Energien sei Bayern ein Vorbild für Gauteng. „Es gibt in Südafrika sehr ernsthafte Bemühungen, die Energieeffizienz zu verbessern und grüne Technologien zur Energiegewinnung einzusetzen“, betonte der Berater der Premierministerin. „Wir haben damit erst begonnen, aber wir hoffen, viel von Bayern lernen zu können.“

Vor dem Hintergrund einer intensivierten Partnerschaft forderten die südafrikanischen Vertreter die bayerischen Agrarpolitiker auf, ihrerseits Fragen zu formulieren. Erste Antworten darauf gab es aus dem Stegreif bei der Besprechung im Maximilianeum – etwa zum Verfahren der Landum- und Neuverteilung, zur Erbfolge auf den Höfen und zur Stellung der Bäuerinnen, zu den Folgen des Klimawandels, zu den Auswirkungen der EU-Agrarsubventionen auf den Markt in Gauteng oder zur Nutzung der Sonnenenergie. Diese Fragen sollen im März 2010 aber noch intensiver erörtert werden, wenn der Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten seinen bereits erwarteten Gegenbesuch in der Partnerprovinz Gauteng antritt. /kh

Seitenanfang