Bayerischer Landtag

26.01.2012 - Generalkonsul Israels zu Antrittsbesuch im Landtag

- Von Zoran Gojic -

Seit wenigen Monaten gibt es erstmals in der Geschichte ein israelisches Generalkonsulat in München. Generalkonsul Tibor Shalev Schlosser besuchte nun das Maximilianeum, um sich bei Landtagspräsidentin Barbara Stamm vorzustellen – einen Tag vor der Gedenkveranstaltung des Landtags zum Holocaust-Gedenktag. Für Israel, erklärte Schlosser, sei dieser Tag „sehr, sehr wichtig.“ Deutschland habe lange vor der internationalen Gemeinschaft beschlossen, den 27. Januar zu einem offiziellen Gedenktag zu machen und das zeuge davon, dass Deutschland der wichtigste Partner und Unterstützer Israels in Europa ist. Gerade in Zeiten, in denen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit auf der ganzen Welt wieder zunähmen, werde dies in Israel mit großer Anerkennung wahrgenommen.
„Wenn wir es nicht tun, wer dann? Das ist unsere Aufgabe“, antwortete Stamm und betonte, wie wichtig es ihr gewesen sei, den Gedenktag als eigenständige Veranstaltung zu etablieren. „Wir haben es bewusst so gemacht und ebenso bewusst gehen wir dieses Jahr mit der Gedenkveranstaltung in eine Schule in Weiden, um das Thema jungen Menschen nahe zu bringen“, erläuterte Stamm.
Schlosser begrüßte das Engagement des Landtags und den erkennbaren Willen Stellung zu beziehen. „Ich finde es großartig, dass die Politik Zeichen setzt. Aber fast noch wichtiger ist es, die jüngere Generation und die Medien mit ein zu beziehen. Wir schätzen die Ehrlichkeit der deutschen Politik in dieser Hinsicht sehr – das ist leider nicht überall so“, sagte Schlosser. Dennoch registriere er ein abflauendes Interesse in den Medien am jüdischen Leben in Deutschland.
„Das ist keine böse Absicht, aber ich bin unter anderem hier, um das zu ändern und das Interesse wieder zu beleben.“, erklärte Schlosser. Deswegen widme er sich zunehmend neuen, digitalen Informationskanälen, um die Menschen zu erreichen. Obwohl er, wie Schlosser lächelnd eingesteht, „nicht besonders digital“ sei. Zum Beweis zeigt er schelmisch sein Mobiltelefon: ein simples, nicht unbedingt brandaktuelles Handy ohne Internetzugang. Aber auch die klassischen Möglichkeiten müsse man nutzen und intensivieren.
Barbara Stamm regte einen Austausch auf parlamentarischer Ebene an und erklärt ihr besonderes Interesse an Israel nicht zuletzt durch persönliche Beziehungen zu dem Land. Stamms Sohn hat nach dem Abitur seinen Zivildienst in Israel abgeleistet, Hebräisch gelernt und als Jungarzt ein Praktikum in Tel Aviv absolviert. Schlosser war erkennbar erfreut und dankte für das Angebot, die Beziehungen zwischen Bayern und Israel weiter zu entwickeln. „Wir sind dankbar für diese Angebote – von Europa hängt unser Überleben ab“, betonte Schlosser und stellte fest: „Wir haben viele gemeinsame Nenner – und damit meine ich nicht nur die Geschichte.“ Die Vergangenheit dürfe man nie vergessen, sagte Stamm, aber: „Man muss auch nach vorne blicken – in eine gemeinsame Zukunft“.

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