Bayerischer Landtag

26.02.2013 - Bayerischer Landtag vertieft Südafrika-Kontakte

Mitglieder des Präsidiums erlebten bei ihrer Informationsfahrt ein Land voller Gegensätze.

Bild: Das Präsidium des Bayerischen Landtags zusammen mit Helen Zille, Premierministerin des Western Cape Provincial Government | Foto: Heidi Wolf
Das Präsidium des Bayerischen Landtags zusammen mit Helen Zille, Premierministerin des Western Cape Provincial Government | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

- Von Heidi Wolf –

Der Bayerische Landtag vertieft die Zusammenarbeit mit Südafrika. Er will die Partnerschaften zu den Provinzen Gauteng und Westkap, die seit 1995 auf Regierungsebene bestehen, jetzt auch auf die Parlamente ausweiten. Deshalb reist das Präsidium unter Leitung von Barbara Stamm bis zum 2. März 2013 durch das Land, um sich selbst ein Bild von dem Land voller Kontraste zu machen: Krasse gesellschaftliche Unterschiede sind auch neunzehn Jahre nach dem Ende der Apartheid unübersehbar; bitterste Armut und Luxus pur liegen dicht nebeneinander. Bildung steht deshalb auf der politischen Agenda ganz oben, um vor allem den jungen Menschen eine Perspektive zu geben. Westkap ist die einzige unter den neun Provinzen in Südafrika, die von der oppositionellen Demokratischen Allianz (DA) geführt wird. Helen Zille, eine Weiße, steht an der Spitze der Provinzregierung und sie hat eine Vision: „Jeder Mensch soll seinen eigenen Lebenspfad finden und seinen Traum leben können, in Freiheit und unabhängig von materiellen Zwängen.“ Zille wehrt sich leidenschaftlich gegen Vorwürfe, ihre Partei wolle zurück zur Apartheid. Im Gegenteil: „Wir sind die eigentliche Befreiungsbewegung. Wir werden euch eine echte Befreiung geben“, verspricht die Politikerin ihren Landsleuten. Helen Zille genießt große Glaubwürdigkeit, hat als frühere Bürgermeisterin von Kapstadt große Erfolge vorzuweisen. Den Weg geht sie weiter und Bayern ist dabei ihr großes Vorbild. „Wir wollen die am besten regierte Region in der Welt werden. Bayern muss sich vorsehen, denn wir machen Euch Konkurrenz“, kündigte Ivan Meyer an, schwarzer Minister für Bildung und Sport, der Informationsbroschüren aus bayerischen Ministerien zum Gespräch mitgebracht hatte.

Das Westkap ist die Provinz mit den größten Fortschritten. Trotzdem blühen auch hier Korruption und Kriminalität. Der Zuwanderungsdruck ist mit 30 Prozent enorm; die Menschen haben nichts als die Kleider auf der Haut, berichtete Helen Zille. Sie brauchen Platz zum Leben – der soziale Wohnungsbau ist die große Herausforderung. Es dauert bis zu 30 Jahren, bis Bewohner aus Townships in eine feste Wohnung umziehen können, erfuhren die Mitglieder des Landtagspräsidiums bei ihrem Besuch in Blikkiesdorp – Blechbüchsenstadt - im Township Delft. Hier steht ein Container der Organisation „Hope Cape Town Trust“, die der katholische Priester Stefan Hippler aufgebaut hat. Er wird vom Bistum Trier bezahlt, weil die Deutsche Bischofskonferenz seinen Vertrag nicht verlängert hat. Hippler tritt leidenschaftlich für die Menschen in der Provinz Westkap ein, vor allem für die Aidskranken. 70 Prozent der Menschen, die sich mit dem Virus infiziert haben, sind Frauen und das macht den großen Unterschied zu Europa aus – dort sei Aids ein überschaubares Problem.

Heterosexueller Frauenvirus als große Gefahr

Die Botschaft von Stefan Hippler an die Menschen an Europa: „Wenn wir es in Südafrika nicht schaffen, Resistenzen zu verhindern, geht ein heterosexueller Frauenvirus rund um den Globus, gegen den Schweine- und Vogelgrippe ein Klacks waren!“ Hope – Hoffnung: Der Name seiner Organisation ist auch das Lebensmotto von Stefan Hippler: „Ich habe Hoffnung, aber wir werden hier in Südafrika noch durch viele Täler gehen, politisch und sozial“, sagt er. Hope arbeitet eng mit dem Tygerberg-Krankenhaus zusammen, dem größten in der Region. Hier werden aidskranke Kinder behandelt und Forschung betrieben - mit vielversprechenden Ergebnissen, wie Hippler berichtete. Die Erkenntnisse aus dem Programm „Kid crue“ zum Beispiel seien in die Neuregelung der WHO-Richtlinien eingeflossen.

Auch BMW kümmert sich um den ganzen Menschen

Gesundheitsvorsorge wird auch im BMW-Werk Rosslyn groß geschrieben. Hier existiert ein hochmodernes Medical Centre; es gibt außerdem einen Kindergarten und ein Fitnesscenter. Mit verstärkter Aufklärung und Behandlung ist es gelungen, die HIV-Rate bei den Beschäftigten auf sechs Prozent zu senken“, berichtete Werksleiter Johannes Ginglseder. Arbeiter bei BMW haben das große Los gezogen: Sie verdienen zwischen 1 000 und 1 100 Euro netto im Monat. Arbeiter auf Farmen zum Beispiel bekommen dagegen nur 200 bis 250 Euro im Monat. BMW in Südafrika ist auf der Erfolgsspur: Pro Tag werden hier 330 Autos gebaut, 2 500 Menschen sind in dem Werk beschäftigt. Die Lebensumstände seiner Mitarbeiter machen Johannes Ginglseder große Sorgen: „Jedes junge Mädchen hat größere Chancen, vergewaltigt zu werden, als dass es Lesen und Schreiben lernt. Jede dritte Frau wird vergewaltigt“, sagte der BMW-Chef. Er ist über den hohen Anteil schwarzer Mitarbeiterinnen in seiner Firma froh.

Weibliches Selbstbewusstein erlebte die Delegation bei der Parlamentseröffnung in Gauteng. An der Spitze von Parlament und Regierung stehen zwei ehemalige Freiheitskämpferinnen vom ANC, dem African National Congress: Premierministerin Nomvula Mokonyane und Lindiwe Maseko. Jetzt ist der Kampf gegen Armut und Arbeitslosigkeit ihr gemeinsames Ziel. „Hier spielt sich das Leben ab. Hier befindet sich die Finanzmetropole des Landes. Das erste Gold wurde hier gefunden. Wir arbeiten wirklich hart, um uns den Herausforderungen in dieser Provinz Gauteng zu stellen“, betonte Lindiwe Maseko in einem Gespräch mit den Politikerinnen und Politikern aus Bayern. Die Parlamentspräsidentin studiert jetzt im dritten Jahr Jura. „Was ich früher nicht hatte, hole ich jetzt nach!“, sagte die 53-jährige Politikerin, die in der Zeit der Apartheid nach dem Motto handelte: „Die Befreiung des Volkes muss vor Bildung stehen.“

Zwei starke schwarze Frauen in den höchsten Ämtern der Provinz Gauteng: für Lindiwe Maseko, seit fast 20 Jahren Mitglied des Parlaments, ist das selbstverständlich. „In der Untergrundbewegung waren die Frauen auch nicht da, um Tee zu kochen, sondern haben als Soldatinnen gekämpft. Deshalb hat es auch nicht lange gedauert, bis Frauen als gleichberechtigt angesehen wurden“, betonte Maseko und verwies auf die 50-Prozent-Quote beim ANC: „Das ist nicht verhandelbar.“

Projekte gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit

Der Parlamentspräsidentin liegt die Jugend sehr am Herzen. Bis zur Hälfte der jungen Leute hat keine Arbeit. Dabei ist Südafrika ein gesegnetes Land: Vom Klima verwöhnt, reich an Bodenschätzen vor allem in der Gegend um Johannesburg: Gold, Platin, Diamanten und Uran sind die wichtigsten Rohstoffe. Seit dem Ende der Apartheid im Jahre 1994 hat sich eine kleine wohlhabende schwarze Ober- und Mittelschicht gebildet. Der größte Teil der Menschen aber lebt in bitterer Armut: 30 Prozent der Bevölkerung müssen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen, zwölf Millionen von 50 Millionen Südafrikanern gehen abends hungrig ins Bett. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit liegt bei mindestens 25 Prozent. Das ergibt eine gefährliche Mischung aus Perspektivlosigkeit, Drogen und Kriminalität, erfuhren die Mitglieder des Landtagspräsidiums aus Bayern mit Präsidentin Barbara Stamm an der Spitze, den Vizepräsidenten Reinhold Bocklet (CSU), Franz Maget (SPD), Peter Meyer (FREIE WÄHLER) und Jörg Rohde (FDP) sowie den Präsidiumsmitgliedern Walter Nadler und Hans Herold (beide CSU), außerdem Christa Steiger (SPD). Amtschef Peter Worm nimmt ebenfalls an dem Informationsbesuch teil, bei dem ein Termin den anderen jagt und vielfältige Eindrücke hinterlässt.

Amandla bedeutet Stärke

Es waren vor allem die sozialen Projekte, die einen tiefen Einblick in die Situation der schwarzen Bevölkerung gewährten: Amandla EduFootball zum Beispiel wurde vor fünf Jahren ins Leben gerufen. Woche für Woche erhalten 2 500 Kinder an zwei Standorten in Südafrika Zugang zu ganzheitlicher Betreuung und Förderung, berichtete Geschäftsführer Florian Zech, der Amandla als Zwanzigjähriger gegründet hat und das Projekt mit einem engagierten Team immer weiter treibt. Das Ziel ist: über Fußball in einer geschützten angstfreien Umgebung Bildungsarbeit leisten und Gewalt verhindern. In der Sprache der südafrikanischen Volksgruppen Zulu und Xhosa bedeutet „Amandla“ so viel wie Power oder Stärke. Genau das will das Projekt vermitteln, das inzwischen von der Philipp-Lahm-Stiftung und der Oliver-Kahn-Stiftung unterstützt wird. Erste Erfolge sind sichtbar: Das Township Khayelitsha hatte weltweit die höchste Mord- und Vergewaltigungsrate. Diese ist inzwischen um 20 bis 30 Prozent zurückgegangen, sagte Florian Zech, der die Zusammenarbeit mit dmit den Schulen als besonders wichtig bezeichnete. Über Amandla EduFootball haben sich auch die Leistungen der Schülerinnen und Schüler verbessert. Die Vision von Florian Zech und seinem Team: 2020 wollen wir über ganz Afrika verteilt solche Sportanlagen – safe hubs – haben.“

Matthias Boddenberg, Repräsentant des Freistaates Bayern und Geschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika, informierte das Präsidium über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Bayern und Südafrika: Die Marke Bayern ist wahnsinnig stark. | Foto: Heidi Wolf
Zwei starke Frauen: Lindiwe Maseko (links), die Parlamentspräsidentin der Gauteng Provincial Legislature, und Nomvula Mokonyane, die Chefin der Provinzregierung. | Foto: Heidi Wolf
Parlamentspräsidentin Lindiwe Maseko nahm sich trotz der Feier noch Zeit für ein Gespräch mit der bayerischen Delegation, hier auf dem Bild Barbara Stamm und Vizepräsident Reinhold Bocklet. Dabei schilderte Maseko ihren Kampf um die Freiheit Südafrikas. | Foto: Heidi Wolf
Gefragte Gesprächspartner: Moderatorin Mabel Mabato vom Frühstücksfernsehen ´Guten Morgen, Afrika´ fragt Landtagspräsidentin Barbara Stamm nach ihren Eindrücken von der Parlamentseröffnung. Die Sendung wird täglich in 49 afrikanische Staaten ausgestrahlt. | Foto: Heidi Wolf
Vizepräsident Franz Maget schildert ebenfalls wie er Südafrika erlebt und welche Beziehung er zu diesem Land hat. | Foto: Heidi Wolf
Das Präsidium des Bayerischen Landtags zusammen mit der Parlamentspräsidentin und der Premierministerin der Provinz Gauteng. | Foto: Heidi Wolf
Don Bosco Ecucational Centre - hier bekommen Kinder und Jugendliche eine Chance für ihr Leben. | Foto: Heidi Wolf
Pater Robert Gore freute sich über den Inhalt des Briefumschlags - das Geld soll dem Don Bosco Berufsbildungszentrum in Ennerdale helfen. Dort werden Kinder aus den ärmsten Familien unterrichtet, Jugendliche lernen verschiedene Handwerksberufe. | Foto: Heidi Wolf
Die Damen in Südafrika tragen bei festlichen Gelegenheiten Hut. | Foto: Heidi Wolf
Lebensfreude pur trotz bitterster Armut: Blick in einen Township | Foto: Heidi Wolf
Vizepräsident Franz Maget schaut einer Mitarbeiterin von BMW bei der Arbeit zu. | Foto: Heidi Wolf
Helen Zille, Premierministerin der Provinz Kapstadt, bei einer kurzen Pause mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Zille erwies sich als unkomplizierte Gastgeberin, schenkte den Mitgliedern der Delegation den Kaffee selbst ein. | Foto: Heidi Wolf
Südafrikanische Lebensfreude: Die Kinder des iKhaya Trust Centers im Township Kayamandi singen mit großer Begeisterung. | Foto: Heidi Wolf
Kinder in Blikkiesdorp, einer ´temporären´Siedlung im Township Delft. Die Menschen dort leben in Wellblechhütten auf drei mal sechs Meter kleinen Grundstücken. Je vier Einheiten teilen sich eine Toilette. | Foto: Heidi Wolf
Gruppenfoto vor dem BMW-Werk in Rosslyn: Johannes Ginglseder (links neben Präsidentin Stamm) leitet das Unternehmen, das als erste Niederlassung ausserhalb Bayerns gegründet wurde. | Foto: Heidi Wolf
Unterwegs in der Montagehalle: Johannes Gingleder erklärt die Fertigung eines 3-er BMW. | Foto: Heidi Wolf
Für die schwarzen Arbeiter ist ein Job bei BMW wie ein Sechser im Lotto. Hier verdienen sie das Vierfache eines Farm-Arbeiters. BMW bietet außerdem Gesundheitsvorsorge, hat ein Medical Centre und ein Fitnessstudio. 66 Kinder besuchen den Kindergarten. | Foto: Heidi Wolf
Amandla EduFootball e. V. heißt eine Initiative, die über Fußball Kindern und Jugendlichen Zukunftsperspektiven eröffnet. 2 500 Kinder an zwei Standorten erhalten Woche für Woche ganzheitliche Betreuung und Förderung. | Foto: Heidi Wolf
Eine gut ausgebildete schwarze Trainerin bringt auch die Miglieder der Delegation in Bewegung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleben hautnah, wie ein Trainingsprogramm bei Amandla abläuft. | Foto: Heidi Wolf
Township ganz anders: In Khayamandi gibt es das iKhaya Trust Center, ein Erziehungs- und Bildungsprojekt für Kinder. Hier lernen Buben und Mädchen am Computer spielerisch den Umgang mit der EDV und gleichzeitig auch die engliche Sprache. | Foto: Heidi Wolf
 

Eindrücke der Delegations-Mitglieder

Barbara Stamm (CSU):
„Ich gehe mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite sieht man ein Land, in dem es aufwärts geht. Auf der anderen Seite leiden Millionen von Menschen Not. Wie will man das alles bewältigen: die Arbeitslosigkeit, vor allem die Jugendarbeitslosigkeit? Es ist Optimismus da, aber ich weiß nicht so recht, wie die Entwicklung weitergeht und wie die Probleme überwunden werden können. Es gibt Ansätze, wo wir uns engagieren können, zum Beispiel über ein Partnerschaftsabkommen auf Parlamentsebene. Alles, was aus Bayern kommt, wird hier gerne gesehen. Dazu gehört unsere duale Berufsausbildung. Auf Politik, Wirtschaft und die Zivilgesellschaften in Südafrika kommen große Aufgaben zu und ich hoffe, dass es ein gutes Ende nimmt – trotz aller Skepsis, die wir erfahren haben.“

Reinhold Bocklet (CSU):
„Am meisten beschäftigt hat mich der große Gegensatz zwischen arm und reich, der sich auch in der schwarzen Bevölkerung abzuzeichnen beginnt. Die Regierung des ANC trägt große Verantwortung für die Verbesserung der Lebenssituation vor allem der schwarzen und der Mischlings-Bevölkerung. Fairerweise muss man aber auch einräumen, dass das Entwicklungsmodell Südafrika große Anziehung auf die Menschen in den anderen Staaten ausübt und dass dadurch die Verbesserung des Lebensstandards für den größten Teil der schwarzen Bevölkerung massiv erschwert wird. Trotzdem hat das Land mit seinen Schätzen an Rohstoffen, seiner Landwirtschaft und seiner jungen Bevölkerung das Potenzial, Vorbild für das Zusammenleben von Menschen verschiedener Hautfarben und aus verschiedenen Ländern zu werden, wenn die politisch Verantwortlichen im Hinblick auf Bildung, soziale Gerechtigkeit und Good Gouvernance den Herausforderungen gerecht werden.“

Franz Maget (SPD):
„Ich bin beeindruckt von der Vielzahl sozialer Projekte, mit denen teilweise ehrenamtlich oder mit minimalen Budgets herausragende Aufbauarbeit geleistet wird. Schön zu sehen, wie viele bayerische Initiativen in besonderer Weise engagiert sind. Am meisten beeindruckt hat mich dabei das Fußballprojekt Amandla, das die Anziehungskraft des Fußballs für die südafrikanischen Kinder zu mehr Bildung uns besseren schulischen Leistungen führt. Dank an die bayerischen Partner, die solche Projekte großherzig fördern. Sie helfen einem Land auf einem schwierigen Weg in eine bessere Zukunft.“

Peter Meyer (FREIE WÄHLER):
„Diese extremen Gegensätze zwischen arm und reich, die nach unseren Maßstäben katastrophalen Zustände in den Townships können einen nicht unberührt lassen. Umso mehr habe ich Respekt vor den Menschen, die sich in Südafrika engagieren und die wir hier getroffen haben. Auch wenn jedes Projekt nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein ist, ist es umso wichtiger, dass es solche Initiativen gibt und dass überhaupt etwas geschieht.“

Jörg Rohde (FDP):
„Ein Land mit sehr großen Möglichkeiten, aber auch ein Land mit sehr großen Herausforderungen, vor allem im Bildungsbereich, bei Aids und bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Nahe gegangen ist mir die Situation der Frauen, die hohe Zahl der Vergewaltigungen, was auch am geringen Bildungsgrad liegt. Das ist nicht nur in Indien ein Problem, sondern auch in Südafrika. Dass alle 20 bis 30 Sekunden eine Frau vergewaltigt wird, ist unerträglich. Beeindruckt hat mich das Projekt von Pfarrer Stefan Hippler, der sich in einem Land mit einer Aids-Rate von 20 Prozent dem Kampf gegen diese Krankheit verschrieben hat. Hochachtung auch für BMW, das Autos mit höchsten Qualitätsstandards produziert und sich sozial engagiert.“

Christa Steiger (SPD):
„Viele Tropfen ergeben auch einen Ozean. Jedes Projekt hat seine Berechtigung. Ich finde die verschiedenen Initiativen, die um Geld kämpfen müssen, toll! Auch wenn nur ein Teil der Kinder und Erwachsenen erreicht wird, hat ein wenigstens ein Teil der Menschen eine Chance auf ein besseres Leben. Es funktioniert wie ein Schneeballsystem. Besonders erschütternd fand ich die Situation der Mädchen und Frauen. Schlimm, wie sie um die Runden kommen müssen, weil ich die Väter ihrer Verantwortung entziehen. Südafrika ist so ein tolles Land, aber der Riesen-Unterschied zwischen arm und reich könnte zu einem Riesen-Konflikt werden. Die Regierung hat viel zu tun.“

Walter Nadler (CSU):
„Was mich sehr bewegt hat, waren die Townships und die dortigen Lebensverhältnisse. Nachdenklich macht mich die zu geringe Einflussnahme der Regierung auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, um Sicherheit für die Menschen herzustellen, und die vorhandene Korruption in dem Land zu bekämpfen, in dem in Zukunft viel Positives und Gutes entstehen kann. Tief beeindruckt hat mich die Freundlichkeit der Menschen, vor allem der Kinder, und die Lernbegierigkeit der Kinder und Jugendlichen.“

Hans Herold (CSU):
„Mich hat die positive Lebenseinstellung in den Townships, wo die Menschen unter schlimmsten Umständen leben müssen, sehr beeindruckt und erstaunt. Beeindruckt bin ich auch von den vielen sozialen Projekten und von den Chancen, die deutsche Firmen wie BMW den Menschen auch im sozialen Bereich bieten. Einen großen Eindruck haben auch die Visionen und der Optimismus hinterlassen, den die Premierministerin im Westkap, Helen Zille, ausstrahlt und hoffentlich auch in die Tat umsetzen kann. Erschreckend finde ich die hohe Kriminalitätsrate, die Vergewaltigung auch schon von Kindern. Von der Eröffnung des Parlaments Gauteng in Johannesburg war ich zunächst beeindruckt. Inzwischen aber denke ich, dass die Regierung eine Politik macht, die ausgrenzt.“

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