Bayerischer Landtag

27.01.2011 - Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus: Beeindruckende Feierstunde an "Erinnerungs- und Lernstätte" Dachau

Bild: Kranzniederlegung am Internationalen Mahnmal in der KZ-Gedenkstätte Dachau. | Foto: Rolf Poss
Kranzniederlegung am Internationalen Mahnmal in der KZ-Gedenkstätte Dachau. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Der 27. Januar ist der Internationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Aus diesem Grund kam Landtagspräsidentin Barbara Stamm in die KZ-Gedenkstätte Dachau, um im Namen des Bayerischen Landtags einen Kranz niederzulegen. Max Mannheimer, Jack Terry und Abba Noar, drei Überlebende der Konzentrationslager in Dachau und Flossenbürg, begleiteten Stamm auf dem Weg zum Internationalen Mahnmal. Anschließend diskutierten sie mit Schülerinnen und Schülern des Josef-Effner-Gymnasiums in Dachau, wie die Erinnerung an die Gräueltaten des Naziregimes über die Erlebnisgeneration hinaus weitergetragen werden kann.

Die Delegation folgte dem „Weg der Häftlinge“, dem historischen Zugang zum früheren Konzentrationslager Dachau. Immer wieder blieb der 91-jährige Max Mannheimer stehen, schilderte persönliche Erlebnisse. „Hier habe ich die Toten aus dem Außenlager Karlsfeld gefahren. Das Wort „Tod“ aber durfte nie erwähnt werden“, berichtete der KZ-Überlebende. Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, sagte in seiner Rede: „Die schrecklichen Stätten der Vergangenheit sind zu Stätten der Erinnerung und des Lernens geworden – des Lernens deswegen, damit sich die Gräueltaten nie mehr wiederholen.“

Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse aus dem Dachauer Josef-Effner-Gymnasiums nahmen an dem Gedenkakt teil. Anna Schauer und Sven Oppelt trugen den Kranz aus rosaroten und weißen Rosen zum Internationalen Mahnmal, wo Landtagspräsidentin Barbara Stamm und die drei KZ-Überlebenden in stillem Gedenken verharrten. „Ich bin dankbar, wenn ich unter Zeitzeugen sein darf. Gemeinsam sind wir hier, damit sich die Gräueltaten unter dem NS-Regime nie mehr wiederholen", sagte Stamm später in der rekonstruierten Baracke, wo die Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern stattfand. Der Auftrag der Überlebenden an die jungen Leute war klar: „Wir sehen auch in Euch die zweite Generation, die unsere Erlebnisse weiterträgt.“ Am Gedenkakt nahm auch der Dachauer Oberbürgermeister Peter Bürgel teil. „Das ist ein weiteres Zeichen für das neue Verhältnis zwischen der Stadt und der KZ-Gedenkstätte“, erklärte Gabriele Hammermann.

Die Schülerinnen und Schüler unterbreiteten in der Gesprächsrunde eine Reihe von Vorschlägen, wie das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus jugendgerechter gestaltet werden kann: zum Beispiel Feierstunden in Schulen verlegen oder Überlebende aus aktuellen Völkermorden einladen, „denn Völkermord passiert auch heute noch an vielen Plätzen in der Welt“. „A wonderful idea“, kommentierte Jack Terry diesen Vorschlag. Die angehenden Abiturienten regten auch an, das Internet und die sozialen Netzwerke als virtuelle Gedenkplattformen zu nutzen. „Ein solches Vorhaben müsste aber intensiv begleitet werden“, gab der Landtagsabgeordnete Martin Güll zu bedenken. Die Leiter der Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg, Dr. Gabriele Hammermann und Dr. Jörg Skriebeleit, hörten jedenfalls interessiert zu und machten ihrerseits Vorschläge, um junge Menschen noch intensiver als bisher in die Gedenkarbeit einzubinden. „Diese Chance darf nicht verspielt werden“, wünschte sich Max Mannheimer. Die Teilnehmer an der Gesprächsrunde nahmen diese Bitte als Auftrag für die Zukunft mit./hw

KZ-Gedenkstätte Dachau | Foto: Rolf Poss
Delegation des Bayerischen Landtags mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm sowie Überlebenden der Konzentrationslager in Dachau und Flossenbürg an der Spitze. | Foto: Rolf Poss
Nach der Kranzniederlegung: Barbara Stamm und die anwesenden Überlebenden diskutierten mit Schülerinnen und Schülern des Josef-Effner-Gymnasiums in Dachau. | Foto: Rolf Poss
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