Bayerischer Landtag

27.09.2011 - Bayern ist für Bulgarien das große Vorbild - Parlamentspräsidentinnen vertiefen die Kontakte

Bild: Möchten die Kontakte vertiefen: Landtagspräsidentin Barbara Stamm (li.) und Tsetska Tsacheva, Präsidentin der bulgarischen Volkskammer. | Foto: Rolf Poss
Möchten die Kontakte vertiefen: Landtagspräsidentin Barbara Stamm (li.) und Tsetska Tsacheva, Präsidentin der bulgarischen Volkskammer. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

– Von Heidi Wolf –

Bayern ist für Bulgarien das große Vorbild. „Wir haben den Wunsch, einmal den gleichen Lebensstandard zu erreichen. Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg!“ So beschrieb Tsetska Tsacheva, die Präsidentin der bulgarischen Volkskammer, bei ihrem Besuch im Bayerischen Landtag ihre Zukunftsvision. Tsacheva war am Dienstag, 27. September 2011, mit einer Gruppe von Parlamentariern aus dem Balkanstaat ins Maximilianeum gekommen, um mit bayerischen Kolleginnen und Kollegen über eine Reihe von Themen zu sprechen: über Wirtschaft und Landwirtschaft, innere Sicherheit und Fragen der Europapolitik. Landtagspräsidentin Barbara Stamm zeigte sich überzeugt, dass die 1600 jungen Bulgarinnen und Bulgaren, die in Bayern studieren, eine wichtige Vermittlerrolle übernehmen: „Sie werden eine lebendige Brücke zwischen den beiden Staaten sein“, sagte Stamm.

Bild: Mitglieder des Wirtschafts-, des Landwirtschafts- und des Europaausschusses standen der Delegation aus Bulgarien Rede und Antwort. | Foto: Rolf Poss
Mitglieder des Wirtschafts-, des Landwirtschafts- und des Europaausschusses standen der Delegation aus Bulgarien Rede und Antwort. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Vor einem Jahr war das Präsidium des Bayerischen Landtags nach Bulgarien gereist, um sich selbst ein Bild von der Situation in dem Land zu machen, das seit dem 1. Januar 2007 der Europäischen Union angehört. Eine Reihe von Gesprächspartnern schilderte damals den Parlamentariern aus Bayern den Reformprozess, der seit dem Zusammenbruch des Kommunismus 1989 in Gang ist. Jetzt kamen die Bulgaren zum Gegenbesuch, um die Kontakte zu festigen und ihre Anliegen zu schildern. Auf der Wunschliste ganz weit oben steht nach wie vor der Beitritt zum Schengen-Abkommen, was Reisen ohne Grenzkontrollen bedeuten würde. 2011 hatte der Balkanstaat dafür anvisiert, das Ziel aber nicht erreicht: Erst vor wenigen Tagen – am 22. September 2011 – kam ein „Nein“ aus Brüssel. Finnland und die Niederlande sind der Ansicht, dass Bulgarien und Rumänien Korruption und organisierte Kriminalität nicht im Griff haben und blockierten deshalb in der Konferenz der EU-Innenminister den Schengen-Beitritt der beiden früheren Ostblockländer. Das Projekt Schengen-Beitritt ist damit vorerst auf Eis gelegt, bedauerte Volkskammer-Präsidentin Tsetska Tsacheva, die bei den Freunden in Bayern für Unterstützung warb.

Sehr zufrieden zeigte sich die Delegation aus Bulgarien dagegen mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Bayern sei im Vergleich mit den anderen Bundesländern in Deutschland einer der wichtigsten Partner für die Balkanrepublik. „938 Unternehmen und Institutionen aus dem Freistaat haben Geschäftsbeziehungen zu Bulgarien“, berichtete Wirtschaftskonsul Peter Georgiev, Leiter der Wirtschafts- und Handelsabteilung im bulgarischen Generalkonsulat in München. Firmen mit Niederlassungen in seinem Heimatland könnten verstärkt junge Leute aus Bulgarien beschäftigen, die in Deutschland erfolgreich studieren und wieder zurückkehren möchten, wünscht sich Georgiev. Er sprach damit Parlamentspräsidentin Tsetska Tsacheva aus dem Herzen. Es sei ihr ein großes Anliegen, diesen begabten und gut ausgebildeten jungen Menschen in ihrer Heimat qualifizierte Arbeitsplätze zu bieten. „Derzeit entscheiden sich noch viele Studienabsolventen für das Ausland, weil die Bezahlung in Bulgarien sehr schlecht ist“, schilderte Tsacheva das Dilemma. Die Zahl der Studenten an deutschen Universitäten und Fachhochschulen wurde mit 3000 angegeben. Sie stellen damit hinter den Chinesen die zweitgrößte Ausländergruppe, gelten als besonders fleißig und zielorientiert. „Der gut ausgebildeten Jugend gehört die Zukunft. Diese jungen Leute sind bestens vorbereitet auf das Zusammenwachsen Europas“, zeigte sich Landtagspräsidentin Barbara Stamm überzeugt. Sie hob den Stellenwert der Gespräche auf Parlamentsebene hervor: „Es ist wichtig, dass die Regierungen beider Länder gut zusammenarbeiten, aber auch die Parlamente. Wir wollen deshalb die bestehenden Kontakte festigen und ausbauen“, betonte sie.

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