Bayerischer Landtag

Empfang einer Delegation aus Oradour im Landtag – „Deutsch-französische Freundschaft von Generation zu Generation erneuern“

Vizepräsident Reinhold Bocklet (re.) begrüßt Robert Hébras. Mit auf dem Bild links der Bürgermeister von Oradour, Philippe Lacroix und Pierre Wolff, Vorsitzender der Montgelas-Gesellschaft (2.v.re.). | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die Delegation aus Oradour zusammen mit Abgeordneten und Vizepräsident Bocklet. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
„Deutsch-französische Freundschaft von Generation zu Generation erneuern“ - Reinhold Bocklet bei der Tischrede. Rechts neben ihm der französische Generalkonsul Jean-Claude Brunet und die Vorsitzende der Provenienz-Task-Force Ingeborg Berggreen-Merkel. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
 

Donnerstag, 30.04.2015

Der I. Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet empfing eine Delegation aus dem französischen Oradour-sur-Glane im Bayerischen Landtag. Das Massaker von Oradour am 10. Juni 1944 war ein durch die Waffen-SS verübtes Kriegsverbrechen an der Bevölkerung dieses französischen Dorfes. Nahezu alle Einwohner wurden dabei ermordet, es gab nur wenige Überlebende. Das Dorf wurde völlig zerstört. Bei dem Massaker handelte es sich mit 642 Opfern, darunter 452 Frauen und Kinder, um das zahlenmäßig größte Massaker in Westeuropa.

Ehrengast der Delegation war Robert Hébras, einer von nur sechs männlichen Überlebenden des Massakers. Besonders verdient um die Erinnerung, das Gedenken und die Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus macht sich Hébras durch sein Engagement als Zeitzeuge und Buchautor. Zeit seines Lebens hat sich der frühere Widerstandskämpfer für die Versöhnung zwischen Deutschland, Frankreich und Österreich eingesetzt. Trotz seines hohen Alters unternimmt Robert Hébras noch heute Führungen durch die Ruinen des Dorfes. Vizepräsident Reinhold Bocklet lobte Hebras‘ Engagement für Versöhnung und Frieden als beispielhaft und vorbildlich: „Durch Ihr jahrzehntelanges Engagement und persönliches Zeugnis für Erinnerung und Versöhnung sind Sie eine der tragenden Säulen dieser Freundschaft. Dafür möchte ich Ihnen an dieser Stelle noch einmal meinen herzlichen Dank und meine tief empfundene Hochachtung aussprechen. Vor dem Hintergrund dessen, was Sie beim Massaker vom Juni 1944 erfahren und erleiden mussten, ist es bei weitem keine Selbstverständlichkeit, dass Sie sich seither so unermüdlich für Verständigung und Freundschaft einsetzen.
 
Zugleich zeigte sich Bocklet dankbar für die institutionalisierten Beziehungen zu Oradour: „Dass es diese besondere Freundschaft gibt, ist eine ganz besondere Ehre. Wir verdanken dies wesentlich dem unermüdlichen Einsatz, dem Mut und großer Gesten der Menschen in Oradour.

Teil der Delegation waren unter anderem Philippe Lacroix, Bürgermeister von Oradour, und Jean-Claude Boisdevesy, Delegierter der Region Limousin sowie Frankreichs Generalkonsul in München Jean-Claude Brunet. 

Zwischen Oradour und Bayern bestehen seit über 15 Jahren vertrauensvolle Beziehungen. Vizepräsident Reinhold Bocklet war als Europaminister der erste deutsche Politiker, der im Jahr 2000 nach Oradour zum alljährlichen Gedenkakt an das dortige Massaker von 1944 eingeladen worden ist. Dazu Bocklet: „Es war mir eine besondere Ehre, im Jahr 2000 als Leiter der bayerischen – und damit deutschen – Delegation in Begleitung von Raymond Frugier einen Kranz in Oradour-sur-Glane niederzulegen. Ich tat dies im Gedenken an die Opfer und zur Mahnung an alle Deutschen, das kostbare Gut der nach dem Krieg entstandenen deutsch-französischen Freundschaft von Generation zu Generation zu erneuern und nicht als selbstverständlich anzusehen.“ /ap

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