Bayerischer Landtag

Ehemalige Häftlinge des KZ Dachau zu Gast im Landtag

Geste der Verständigung und Versöhnung: Besuch ehemaliger KZ-Häftlinge im Landtag. 1. Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet (am Pult) empfing die Delegation. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Donnerstag, 30. April 2015

Zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau haben sich Überlebende auf den Weg nach Bayern gemacht, um an den zentralen Gedenkfeierlichkeiten im Freistaat teilnehmen zu können. Eine Delegation mit ehemaligen Häftlingen aus Russland, Weißrussland und der Ukraine suchte auf dieser Reise der Erinnerung auch in der bayerischen Volksvertretung den historischen und politischen Gedankenaustausch. 1. Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet empfing die Teilnehmer der Delegation – zehn Männer im Alter zwischen 88 und 92 Jahren und deren Begleiter: „Wir sind Ihnen zu großem Dank verpflichtet, dass Sie sich trotz des erlittenen Leids um Verständigung und Versöhnung bemühen“, sagte er zu den Überlebenden von Dachau.

Das Konzentrationslager Dachau bereits wenige Wochen nach der „Machtergreifung“ 1933 errichtet stand und steht bis heute beinahe sprichwörtlich für das Grauen, zu dem Menschen im Namen der nationalsozialistischen Diktatur fähig waren: „Dachau, das war von 1933 bis 1945 eine Drohung, die jedem vorgeblich falschen Wort entgegengestellt werden konnte. Für Sie, sehr verehrte Überlebende, ist Dachau keine Drohung geblieben. Für sie war das Konzentrationslager bittere, grausame Realität“, führte der 1. Landtagsvizepräsident aus.

In den zwölf Jahren seines Bestehens waren im Konzentrationslager in Dachau sowie in zahlreichen Außenlagern über 200.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert; 41.500 wurden ermordet. Am 29. April 1945 befreiten schließlich amerikanische Truppen die Überlebenden von Dachau. „Sie, verehrte Überlebende, mussten die Bedingungen erleiden. Und deshalb können auch nur Sie ermessen, was das Wort von der Befreiung in diesem Kontext wirklich bedeutet“, sagte Bocklet.

 

Die Befreiung liegt nun 70 Jahre zurück. Doch je größer der zeitliche Abstand zu den Gräueltaten des Nationalsozialismus werde, desto wichtiger sei es, die Erinnerung wach und lebendig zu halten, sagte Bocklet. Er unterstrich die Verpflichtung des Parlaments, die Erinnerungskultur zu bewahren, zu pflegen und zu fördern.

Navum Kheifets aus Minsk vor seinem Portrait in der Ausstellung im Landtag | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Nach der Besichtigung des Plenarsaals besuchten die Teilnehmer der Delegation auch die Ausstellung „KZ überlebt“ im Maximilianeum, wo die Lebensgeschichten von ehemaligen KZ-Häftlingen in Wort und Bild reflektiert werden. Ein Mitglied der Delegation, Navum Kheifets aus Minsk, Weißrussland, fand dort sein Porträt und seine Biographie wieder – für den heute 92-Jährigen ein bewegender Moment. Navum Kheifets war kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs Häftling in Dachau gewesen, allerdings wenige Tage vor der Befreiung noch mit einem Zug nach Tirol verlegt worden. Befreit wurde er dort einen Tag später, am 30. April 1945.

Eine Friedenspalme überreichte der 92-jährige Ivan Paniukhno aus Sotschi (re.) an 1. Landtagsvizepräsidenten Reinhold Bocklet | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Friedenspalme aus Sotschi

Ein gemeinsames Mittagessen in der Landtagsgaststätte, an der auch VdK-Präsidentin Ulrike Mascher und der Zeitzeuge Ernst Grube teilnahmen, stand ganz im Zeichen der Freundschaft zwischen den Völkern. In Zeiten, in denen der Konsens zum Frieden in Europa wieder brüchig wirke, erhalte das Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung eine neue Aktualität, waren sich alle Teilnehmer einig.

Als Symbol des Friedens überreichte Ivan Paniokhno aus dem russischen Sotschi an 1. Landtagsvizepräsidenten Reinhold Bocklet eine Palme aus seinem Garten. Die Palme aus Sotschi möge in München wachsen und gedeihen, so der Wunsch des Russen. /kh

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