Bayerischer Landtag

30.11.2012 - 48 Persönlichkeiten mit Bayerischer Verfassungsmedaille geehrt

Franz Beckenbauer ist prominentester neuer Ordensträger.

Bild: Die Verfassungsmedaille in Gold. | Foto: Rolf Poss
Die Verfassungsmedaille in Gold. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

- Von Heidi Wolf -
Der Bayerische Landtag ehrt heuer zum Verfassungstag 48 Persönlichkeiten aus dem gesamten Freistaat mit der Bayerischen Verfassungsmedaille. Landtagspräsidentin Barbara Stamm zeichnete beim Festakt heute Vormittag im Maximilianeum 44 Männer und Frauen aus, die sich in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens engagieren: im Sport, in der Unterstützung für Schwächere, in Kultur und Wissenschaft oder auch in der Politik. Prominentester neuer Ordensträger ist Franz Beckenbauer, dem das größte Medieninteresse galt. Gelassen absolvierte er die zahlreichen Interviews. Im Blitzlichtgewitter stand auch die blinde Wintersportlerin Verena Bentele, zwölffache Paralympics-Siegerin im Langlauf und Biathlon. Barbara Stamm würdigte in ihrer Rede das Engagement dieser Menschen, die sich für andere oder eine gemeinsame Sache einbringen – freiwillig und aus ganz unterschiedlichen Motiven. „Ob eigene Betroffenheit, Hilfsbereitschaft, Begeisterung, Pflichtgefühl oder vielleicht auch Unzufriedenheit – das Ziel geht jedenfalls über den eigenen Nutzen hinaus. Immer wieder erkennt man auch den Willen und die Bereitschaft, mit neuen Ideen die Probleme zu lösen und damit unser Gemeinwesen zu gestalten“, sagte die Landtagspräsidentin und stellte fest: „Wer Verantwortung übernimmt, beweist auch Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.“ Dieses Engagement sei angesichts der gewaltigen Herausforderungen wie der Energiewende und dem demografischen Wandel von unschätzbarem Wert.

Festvortrag zum Thema: "Wert der Arbeit"

Den Festvortrag über den Wert und die Wertschätzung von Arbeit hielt Professorin Dr. Marion Schick, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG, die von 2000 bis 2008 als erste Frau in Bayern Präsidentin der Hochschule München war. Marion Schick nahm Artikel 166 der Bayerischen Verfassung als Aufhänger für ihre Rede: „Die Arbeit ist die Quelle des Volkswohlstandes und steht unter dem besonderen Schutz des Staates.“ Arbeit heute werde leider in der öffentlichen Diskussion zu sehr unter dem Gesichtspunkt von Stress und Belastung gesehen. Dass Arbeit Freude mache und zu einem erfüllten Leben beitrage und glücklich mache, finde kaum Erwähnung, bedauerte Schick. Sie berichtete von einer Untersuchung der OECD, wonach der Verlust des Arbeitsplatzes einen Menschen genauso treffe wie der Verlust eines nahen Menschen. Die Festrednerin hält es angesichts des demografischen Wandels für dringend notwendig, dass Unternehmen der Generation 50 plus Zukunftschancen eröffnen. Die Telekom zum Beispiel werde in diese Gruppe von Menschen verstärkt investieren und ihnen Fortbildungsmöglichkeiten anbieten. „Das ist für manche eine Drohung, für viele aber eine Perspektive“, ist Professorin Marion Schick überzeugt. Sie gratulierte allen, die für ihr Engagement die Verfassungsmedaille erhielten. Die musikalische Gestaltung des Festaktes hatte der Männerchor Eintracht Reuth übernommen, ein mehrfach ausgezeichneter Leistungschor im Fränkischen Sängerbund. Er darf sich mit der Zelter-Plakette schmücken, die nur Chor-Vereinigungen erhalten, die mindestens 100 Jahre bestehen und sich besondere Verdienste um die Pflege der Chormusik und des Volksliedes erworben haben.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm verlieh die Verfassungsmedaille in Gold an Franz Beckenbauer | Foto: Rolf Poss
Die blinde Wintersportlerin Verena Bentele ertastet die Verfassungsmedaille, die ihr Landtagspräsidentin Barbara Stamm überreicht. | Foto: Rolf Poss
Moarion Schick, Vorstandsmitglied der Telekom AG, widmete ihre Festrede dem Thema: Der Wert der Arbeit. | Foto: Rolf Poss
Ein regelrechter Medienansturm auf Franz Beckenbauer, der gelassen und freundlich alle Fragen beantwortete. | Foto: Rolf Poss
Franz Beckenbauer und Verena Bentele im Senatssaal nach der Ordensverleihung. | Foto: Rolf Poss
Max Stadler wurde die Verfassungsmedaille nachträglich bei einem Nachholtermin am 4. Dezember ausgehändigt. | Foto: Rolf Poss
Verfassungsmedaille für Rupert Berndl für seinen Einsatz in der Kulturförderung und Heimatpflege. | Foto: Rolf Poss
Verfassungsmedaille für Helga Brunner, die durch die Pflege ihres Sohnes und ihres Mannes ein Beispiel von gelebter Menschlichkeit gibt. | Foto: Rolf Poss
Verfassungsmedaille für Uta Horstmann, die sich für Sinti und Roma in Deutschland engagiert. | Foto: Rolf Poss
Verfassungsmedaille für Annemarie Kammerlander-Diener für ihren Einsatz zugunsten von Flüchtlingen und Folteropfern. | Foto: Rolf Poss
| © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Verfassungsmedaille für Arno Speiser, Gründungsmitglied der Bürgerinitiative Wunsiedel ist bunt, nicht braun, die gegen Rechtsextremismus eintritt. | Foto: Rolf Poss
Verfassungsmedaille für Hüseyin Yalcin für seine Verdienste um die Integration von Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit Migrationshintergrund. | Foto: Rolf Poss

Die Verfassungsmedaille in Gold überreichte Landtagspräsidentin Barbara Stamm an:

Franz Beckenbauer für seine herausragenden Verdienste um den deutschen Sport und die Gründung der Franz-Beckenbauer-Stiftung. Diese hat sich der Hilfe für Menschen verpflichtet, die unverschuldet in Not geraten sind.

Maria Eichhorn für ihr politisches Engagement und ihre herausragenden Verdienste um den Lebensschutz und die Schwangerschaftskonfliktberatung des Vereins DONUM VITAE.

Bernd Kränzle für sein politisches Engagement im Augsburger Stadtrat und im Bayerischen Landtag, wo er Mitglied des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Kultur sowie Mitglied des Ältestenrates ist.

Professor Peter Lerche für sein herausragendes juristisches Wirken als Wissenschaftler, Forscher und Dozent, etwa als Lehrstuhlinhaber für öffentliches Recht an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, sowie seine intensive Mitarbeit an der Weiterentwicklung der deutschen Medienlandschaft.

Dr. Oscar Schneider für sein politisches Lebenswerk, insbesondere als Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, sowie seine Verdienste um die Aussöhnung Deutschlands mit den Opfern der NS-Diktatur.

Christa Steiger für ihr politisches Engagement in der Kommunalpolitik und als Mitglied des Bayerischen Landtags, wo sie dem Ausschuss für Soziales, Familie und Arbeit angehört sowie Mitglied des Präsidiums ist.

Die Bayerische Verfassungsmedaille in Silber erhielten:

Anneliese Apfelböck für ihr langjähriges kommunalpolitisches Engagement, vor allem als Mitglied des Kreistages und stellvertretende Landrätin von Dingolfing-Landau, sowie ihren vielfachen Einsatz in verschiedenen Ehrenämtern.

Dr. Peter Becher für seine großen Verdienste um die deutsch-tschechische Verständigung und Aussöhnung, insbesondere im kulturellen Bereich als Geschäftsführer des Adalbert-Stifter-Vereins.

Verena Bentele für ihre herausragenden sportlichen Leistungen und das inspirierende Beispiel, das sie im Laufe ihrer aktiven Karriere anderen Sportlerinnen und Sportlern gegeben hat.

Rupert Berndl für seinen langjährigen und umfassenden Einsatz im Bereich der Bildungs- und Kulturförderung, der Heimatpflege in Freyung-Grafenau sowie in der Kommunalpolitik.

Helga Brunner für die Pflege ihres Sohnes und ihres Mannes, der sie sich nun schon seit vielen Jahren selbstlos widmet und damit in unserer Gesellschaft ein herausragendes Beispiel gelebter Menschlichkeit gibt.

Johannes Cramer für sein gesellschaftlich verantwortungsvolles Wirken als Unternehmer und als Interessenvertreter der bayerischen und deutschen Mühlwirtschaft.

Heinrich Fehling für seine besonderen Leistungen im Bereich der Arbeit für Menschen mit Behinderung, vor allem als Leiter des Schullandheims mit Begegnungs- und Bildungsstätte „Wartaweil“.

Markus Ferber für sein politisches Engagement als Abgeordneter im Europaparlament, wo er Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Währung sowie Mitglied der Delegation in der Parlamentarischen Versammlung Europa-Lateinamerika ist.

Dr. Karla Fohrbeck für ihre vielfältigen Verdienste im kulturellen Bereich, unter anderem als Schul- und Kulturreferentin der Stadt Nürnberg sowie als deutsche Delegierte beim Europarat und bei der KSZE-Konferenz in Budapest.

Gerd Geismann für seine kommunal- und wirtschaftspolitischen Leistungen als Erster Bürgermeister der Stadt Sulzbach-Rosenberg, die von dem Konkurs der Maxhütte lange Zeit stark belastet wurde.

Friedemann Götzger für seine langjährige Arbeit im Dienste der Wohlfahrt, etwa als Leiter der Münchener Stelle des Diakonischen Werkes Bayern und als Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Bayern.

Schwester Hildegard Heilmeier für ihr lebenslanges Engagement im Bereich der Betreuung von Müttern mit Kindern, unter anderem im Haus Bonita in München Pasing.

Angela Henke für ihre politische Arbeit und ihre umfassenden Leistungen zugunsten des Gemeinwohls, unter anderem als Vorstandsmitglied des Caritasverbandes der Erzdiözese Bamberg.

Peter Hillebrand, der sich seit Jahrzehnten – auch ehrenamtlich - für die Rechte und Interessen der Jugend einsetzt, insbesondere im Bereich der Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Carsten Hoefer für seine Arbeit als Journalist, der als Mitarbeiter der Deutschen Presse Agentur insbesondere über das politische Geschehen im Bayerischen Landtag berichtet.

Uta Horstmann für ihr Engagement zugunsten der Sinti und Roma in Deutschland, das unter anderem maßgeblich dazu beigetragen hat, dass diese Minderheiten als vom NS-Regime rassistisch verfolgt anerkannt wurden.

Annemarie Kammerlander-Diener für Ihren Einsatz zugunsten von Flüchtlingen und Folteropfern, aktuell als Geschäftsführerin des Beratungs- und Behandlungszentrums REFUGIO München.

Cordula Kappner, die seit vielen Jahren die Geschichte jüdischen Lebens in Haßfurt erforscht, dokumentiert und die Erinnerung daran in vielerlei Weise lebendig hält.

Siegbert Keiling für seine Arbeit als katholischer Priester und insbesondere für seinen Einsatz für besonders bedürftige Menschen im Rahmen der ökumenischen Hilfsaktion „Suppe am Samstag“ in Bayreuth.

Prof. Dr. Franz-Ludwig Knemeyerof für seine herausragenden Leistungen als Jurist, mit denen er insbesondere das Kommunalrecht, das Polizei- und Sicherheitsrecht sowie das Hochschulrecht maßgeblich weiterentwickelt hat.

Guido Müller für seine überragenden Erfolge als Sportler, mit denen er seit Jahren vor allem im Bereich der Seniorenleichtathletik ein Beispiel und Vorbild ist.

Petra Nölkel für ihr politisches und ehrenamtliches Engagement in Bayreuth, das in besonderer Weise die Belange von Familien und Jugendlichen umfasst.

Luise Rogowsky für ihre Arbeit beim Katholischen Deutschen Frauenbund, in deren Rahmen sie unter anderem die Gleichberechtigung von Frauen in Gesellschaft, Kirche und Staat vorangebracht hat.

Christa Maria Ruhl für ihr langjähriges Engagement bei dem Malteser-Patientenbegleitdienst im Klinikum Großhadern, der den Patientinnen und Patienten in vielfacher Hinsicht Unterstützung anbietet.

Marion Schäfer-Blake für ihren umfassenden Einsatz im kommunalpolitischen Bereich, etwa als Mitglied des Bezirkstages Unterfranken, als Mitglied des Würzburger Stadtrats und als 3. Bürgermeisterin von Würzburg.

Marianne Schieder für ihr vielfältiges politisches Engagement im kommunalen Bereich, in der Landespolitik und seit 2005 als Abgeordnete im Deutschen Bundestag, wo sie Mitglied des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sowie Mitglied des Rechtsausschusses ist.

Edgar Schiedermeier für seine Verdienste in politischen Ämtern und Ehrenämtern, etwa als Mitglied des Europäischen Parlaments, als Mitglied des Landesbezirksvorstandes des DGB Bayern sowie als stellvertretender Diözesanvorsitzender der Katholischen Arbeitnehmerbewegung Regensburg.

Frieda Schöller, die zusammen mit ihrem Mann Theo Schöller verschiedene Stiftungen ins Leben gerufen hat, diese auch heute noch leitet und mit ihnen zahlreiche Projekte in Medizin und Bildung fördert.

Hans Schönauer für seine Verdienste als Vorstandsmitglied der Handwerkskammer für München und Oberbayern sowie sein Engagment als Bürgermeister der Gemeinde Irschenberg.

Theresa Schopper für ihr politisches Engagement als Abgeordnete im Bayerischen Landtag, wo sie Mitglied des Ausschusses für Umwelt und Gesundheit und Mitglied des Landesgesundheitsrates ist, sowie für ihre vielfältige ehrenamtliche Tätigkeit.

Elisabeth Setzer für ihren lebenslangen Einsatz zugunsten von blinden und sehbehinderten Menschen, etwa als langjährige Leiterin des Sehbehindertenzentrums in Unterschleißheim und mittlerweile als 1. Vorsitzende des Trägervereins.

Arno Speiser, der in Wunsiedel maßgeblich zum erfolgreichen Kampf gegen den Rechtsradikalismus beigetragen hat, beispielsweise als Gründungsmitglied und Sprecher der Bürgerinitiative „Wunsiedel ist bunt, nicht braun“.

Franz Sprenzinger für seine herausragenden Verdienste um die regionale Musikpflege als Musikant, Kapellmeister und Komponist der Stadtkapelle Deggendorf.

Johannes Urban für seine jahrzehntelange Arbeit als Redakteur des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatts, mit dem er den bäuerlichen Betrieben die wichtigsten Neuerungen in Wirtschaft, Technik und Politik nahegebracht hat.

Isabella Weber für ihr herausragendes Engagement in der Katholischen Jugendfürsorge München, für die sie die Gesamtleitung des Erziehungshilfezentrums Adelgundenheim wahrnimmt.

Ernst Wollrab für seine politische Arbeit und seinen Einsatz in der Sudetendeutschen Landsmannschaft, wo er Kontakte und Kulturaustausche in Tschechien vorangebracht hat und sich um die Eingliederung von Spätaussiedlern Verdienste erwarb.

Hüseyin Yalçin für seine Verdienste um die Integration von Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund, aktuell als stellvertretender Vorsitzender des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates.

Dr. Thomas Zimmermann für sein politisches Engagement als Abgeordneter im Bayerischen Landtag, wo er Mitglied des Ausschusses für Umwelt und Gesundheit und Erster Vorsitzender des Bayerischen Landesgesundheitsrates ist.

Dr. Max Stadler aus Passau erhält die Auszeichnung am 4. Dezember 2012 um 16 Uhr. Die Ehrung für Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner und Henriette Schmidt-Burkhardt wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

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